Landesverein Badische Heimat e.V.

Das Heft "Badische Heimat"

Abstracts aus Heft 3/2013

Badische Heimat Heft 3/2013Wulf Rüskamp: Die Chance Oberrhein
Freiburgs Rolle und Perspektive in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
Heft 3/2013, S. 430-442

Die deutsch-französische Geschichte hat den Rhein zur scharfen Grenze mitten durch die Oberrheinregion werden lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es deshalb vielfältige Bemühungen auf kommunaler und regionaler Ebene, diese scharfe Grenzziehung im Zeichen der Aussöhnung und Freundschaft beider Nationen auch in der Nachbarschaft am Oberrhein zu überwinden – mit großem Erfolg. Auf dieser Basis hat sich das neue Selbstverständnis des Oberrheins entwickelt, der nun als trinationale Metropolregion seinen Platz in Europa zu behaupten versucht. Für eine Stadt wie Freiburg bietet dieser Rahmen neue Chancen zur wirtschaft lichen und strategischen Entwicklung im Rahmen des Städtenetzes, das Konkurrenz und Kongruenz vereint. Doch Freiburg, von dem früher wesentliche Impulse für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ausgingen, droht diese Chancen zu versäumen.

Bernd Dallmann / Irene Ulrich: Erlebnis Oberrhein
Heft 3/2013, S. 443-453

Im Herzen Europas, wo der Rhein Frankreich, Deutschland und die Schweiz verbindet, liegt der Oberrhein. Die Region ist mit über 21 000 qkm fast so groß wie die Toskana. Wie diese lockt sie seit Jahrhunderten Touristen an, die Kunst, Kultur und gutes Essen lieben. Der Oberrhein ist eine kompakte, landschaft lich und kulturell enorm vielfältige Region mit zahlreichen Städten und Dörfern auf beiden Seiten des Rheintals. Die wirtschaft lich prosperierende Region mit rund 6 Mio. Einwohnern bietet von allem viel und ist leicht erreichbar. Länger als zehn Minuten ist man von einem Highlight zum anderen nie unterwegs. Mit ihren Märkten, Weinbergen und Feinschmeckerlokalen ist die Region ein El Dorado für Feinschmecker; mit gotischen Kathedralen, mittelalterlichen Burgen, unzähligen Museen ein MUST für Kunstkenner; mit ihrer einmaligen Landschaft ein Paradies für Outdoor-Fans.

Wolfgang Hug: Freiburgs vorderösterreichisches und badisches Erbe
Heft 3/2013, S. 454-468

Nach dem Herrschaftswechsel von 1368 blieb Freiburg (mit kleinen Unterbrechungen) rund 450 Jahre bis 1803 unter der Herrschaft der Habsburger. In dieser langen Periode wurde u. a. die Universität gegründet (1457), der Münsterbau vollendet (1513), das »Alte Rathaus« und das »Historische Kaufh aus« errichtet. Die Stadt wurde aber auch in viele Kriege Habsburgs mit Frankreich verwickelt, zur Festung umgebaut und z. T. schwer geschädigt. Besonders reich ist Freiburg an Bauwerken (bes. Kirchen und Kapellen) aus dem 18. Jahrhundert. Die Reformen von Maria Th eresia und Joseph II. brachten Impulse der Aufk lärung hierher, u. a. durch die Einführung der Schulpfl icht.

1806 wurden Freiburg und der Breisgau von Napoleon dem neuen badischen Staat übertragen. Die Stadt beteiligte sich an der politischen Modernisierung des badischen Großherzogtums u. a. als Zentrum des Frühliberalismus (mit Rotteck und Welcker) und Mitwirkung an der badischen Revolution von 1848/49. Durch die Hochindustrialisierung erlebte die Stadt ein kräft iges Wachstum, ohne zu einem Industrieort zu werden. Besondere Bedeutung als badische Stadt erlangte Freiburg in den Jahren nach 1945 als Hauptstadt und Regierungssitz des Landes (Süd-)Baden. Nach der Neugliederung im deutschen Südwesten schuf das Land Baden- Württemberg den Regierungsbezirk Freiburg mit dem Regierungspräsidium in der Stadt.

Dieter Salomon: Universität als Standortfaktor des Wissenschaftsstandorts
Heft 3/2013, S. 469-480

Wissenschaft ist das wichtigste Freiburger Markenzeichen. Mit der Universität, vier weiteren Hochschulen und mehreren großen Forschungsinstituten versteht sich Freiburg als eine »Stadt des Wissens«, die gut aufgestellt ist für die heutige Wissensgesellschaft .

Die Universität ist mit dem Klinikum die bedeutendste Einrichtung und mit über 15 000 Beschäft igten größte Arbeitgeberin der Region. Sie ist gleichzeitig ein Motor urbanen Lebens, geistiger Off enheit, kultureller Vielfalt und Buntheit. Keine andere Institution hat das Gesicht der Stadt so nachhaltig geprägt wie die Universität. Als dominanter Faktor im politischen, wirtschaft lichen und kulturellen Leben prägt sie Geschichte und Stadtbild, Lebensrhythmus und Denken der Menschen in Freiburg und am Oberrhein.

Hans-Helmuth Gander: Edmund Husserl (1859–1938). Leben, Werk, Archiv in Freiburg
Heft 3/2013, S. 481-489

Der Beitrag von Hans-Helmuth Gander zu Edmund Husserl skizziert die Lebensstationen des berühmten Philosophen. Sein weitreichender und bis heute nicht absehbarer Einfl uss auf die zeitgenössische Philosophie und der Bruch in der Wirkungsgeschichte – verursacht durch den Nationalsozialismus – bewirken, dass den Husserl-Archiven in Freiburg, Köln und Leuven (Belgien) die wichtige Funktion zukommt, die Geschichte und Weiterentwicklung des phänomenologischen Denkens zu dokumentieren. Husserls Lebens- und Wirkungsgeschichte ist vielfach verfl ochten mit der Stadt Freiburg. In diesem Jahr wurden für Edmund Husserl und seine Frau Malvine zum Gedenken zwei Stolpersteine vor der Universität in Freiburg und an seinem letzten Wohnort an der Lorettostrasse verlegt.

Bernd Dallmann: Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung für Freiburg
Heft 3/2013, S. 490-500

Seit 1987 ist die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) für die Wirtschaft sförderung und Standortentwicklung in Freiburg verantwortlich. In dieser Zeit haben sich Stadt und Region ausgesprochen positiv entwickelt. Der Grundstein für den breiten, integrativen Wirtschaft sförderungsansatz vereint die Aufgabengebiete Wirtschaft s- und Tourismusförderung, Technologieförderung und Clusterentwicklung, Messe- und Kongresswesen, den Betrieb von Veranstaltungshäusern und die Durchführung von Großveranstaltungen. So entstehen Synergien und themen- und bereichsübergreifende Innovationen, die Voraussetzung sind für eine ganzheitliche und nachhaltige Standortentwicklung sowie für ein Standortmarketing aus einem Guss für die Stadt Freiburg.

Jörg Hemmerich: Die etwas andere Wirtschaftsregion: Freiburg
Heft 3/2013, S. 501-509

Die Wirtschaftsregion Freiburg ist eine besondere Wirtschaftsregion. Sie umfasst die Großstadt Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen. DAX-Unternehmen sucht man hier vergebens. Zu den Besonderheiten gehört zweifellos die Rolle der Universität und des dazu gehörigen Universitätsklinikums. Sie strahlen auch in die Wirtschaft ab – zahlreiche Start-Up-Unternehmen sind im Umfeld der Uni entstanden, zum Beispiel im Bereich der Biotechnologie. Auch der Tourismus und der Weinbau sind kennzeichnend für diese Region. Und viele Mittelständler, die von Freiburg und der Region aus international agieren. 644 000 Menschen leben hier heute, 24 Prozent mehr als 1987. Die Zahl der Erwerbstätigen hat sogar in diesem Zeitraum um 41 Prozent auf 325 000 zugenommen. Oder anders: Die Wirtschaftsregion Freiburg ist eine Wachstumsregion.

Sven von Ungern-Sternberg: Die grundlegenden Überlegungen für die Planung der Stadtteile Rieselfeld und Vauban
Heft 3/2013, S. 510-528

Bei der Planung der beiden neuen Freiburger Stadtteile »Rieselfeld« und »Vauban« wurden Prinzipien einer ökologischen und sozialen Stadtplanung angewandt, die modellhaft auch für Stadterweiterungen in Staaten angewandt werden können, deren Bevölkerung sehr rasch wächst und wo großer Bedarf an neuen Wohngebieten vorhanden ist. Interdisziplinär besetzte Projektgruppen planten beim Rieselfeld auf 70 Hektar Wohnraum für 12 000 und im Vauban- Viertel auf 40 Hektar für 5000 Menschen. Ökologie, Nachhaltigkeit, Familienfreundlichkeit, ortsnahe Infrastruktur, Anbindung an die Stadtbahn, Niedrigenergiebauweise und Bürgerbeteiligung waren von Anfang wichtige Kriterien bei der städtischen Planung. Beide Stadtteile können heute als Erfolgsmodell bezeichnet werden.

Martin Haag: Wohnen in Freiburg– Ein Schlüssel zur Stadtentwicklung
Heft 3/2013, S. 529-539

Freiburg ist eine der am schnellsten und stärksten wachsenden Großstädte in Deutschland. Die Bevölkerungsprognosen belegen, dass die bisherigen Annahmen der Statistiker überholt sind, sondern die Einwohnerzahlen voraussichtlich noch bis 2030 wachsen werden.

Einen Spitzenplatz belegt Freiburg deshalb auch auf dem Wohnungsmarkt: Mietwohnungen sind rar und teuer, und die Nachfrage wächst. Das Stadtplanungsamt rechnet mit mindestens 6000 zusätzlichen Wohnungen, die bis 2030 über die Festsetzungen des Flächennutzungsplans von 2007 hinaus benötigt werden.

Wie lässt sich diese Entwicklung politisch und administrativ steuern? Das Bürgermeisteramt hat ein »Kommunales Handlungsprogramm Wohnen« erarbeitet. Es schlägt als wichtigste Option die Erschließung eines neuen Stadtteils auf der grünen Wiese vor: »Dietenbach« im nördlichen Rieselfeld soll nach dem Rieselfeld und Vauban die dritte große Stadterweiterung innerhalb einer Generation werden.

Michael Richter: Health Region Freiburg. Eine Initiative zur Stärkung des Gesundheits- und Medizintourismus
Heft 3/2013, S. 540-549

Hochwertige Angebote und Leistungen rund um Gesundheit und Wohlbefi nden haben Zukunft . Der wachsende Markt für Gesundheits- und Medizintourismus bietet insbesondere für Freiburg und die Region ein erhebliches Potenzial, das unter Einbindung qualifi zierter Akteure und mit einer neuen Qualität in der Zusammenarbeit systematisch erschlossen und entwickelt werden soll. Die neue Clusterinitiative zielt deshalb auf die Schaff ung eines leistungsfähigen Netzwerks ab, das sich durch die Weiterentwicklung vorhandener Stärken zweier komplementärer Wirtschaft sbereiche auszeichnet und neben führenden Kliniken und Krankenhäusern auch Unternehmen und Dienstleister aus dem medizinischen und nicht-medizinischen Bereich miteinander vereint und voranbringt. Unter der Marke »Health Region Freiburg« werden branchenübergreifende Aktivitäten und Maßnahmen im In- und Ausland gemeinsam gebündelt und durchgeführt.

Yvonne Faller: Die Freiburger Münsterbauhütte
Heft 3/2013, S. 550-558

Seit über 800 Jahren existiert in Freiburg ein Steinmetzbetrieb, der zunächst für den Bau des Münsters verantwortlich war und der bis heute für dessen Instandhaltung zuständig ist: die Münsterbauhütte. Sie zählt zu den traditionsreichsten mittelalterlichen Bauhütten und blieb – im Gegensatz zu den anderen bekannten Hütten wie Köln, Ulm und Basel – ohne Unterbrechung durchgehend bestehen.

Nach dem Bau des Freiburger Münsters von circa 1200 bis circa 1536 war es die Hauptaufgabe der Bauhütte, die steinerne Substanz und den filigranen Bauschmuck zu erhalten und zu ergänzen. Über die vielen Jahrhunderte hinweg änderte sich mehrfach die Trägerschaft der Münsterbauhütte. Zu Beginn wurde die Hütte von der Stadt Freiburg verwaltet bis schließlich 1890 der eigens dafür gegründete Freiburger Münsterbauverein deren Leitung übernahm.

Bernd Serger: Freiburg und die »Badische Zeitung«– bisweilen eine Herzenssache. Redakteure der einstigen »Frankfurter Zeitung« prägen über Jahrzehnte das Blatt, das nun eine gute Heimatzeitung sein will
Heft 3/2013, S. 559-571

Seit 1946 gibt es die »Badische Zeitung« in Freiburg. Der Auftrag der französischen Militärregierung, daraus ein national vorzeigbares Blatt zu machen, war Auszeichnung und Last zugleich, zumal es auch massive Erwartungen von katholischer und christdemokratischer Seite gab. Doch die anfangs hauptsächlich von ehemaligen Redakteuren der »Frankfurter Zeitung « geprägte Redaktion der »Badischen Zeitung« hielt ihren eigenständigen »entschieden demokratischen« Kurs. Dazu gelang es den beiden Druckhäusern Rombach und Poppen & Ortmann endgültig 1998, alte und neuere Gräben zu überwinden und mit dem Badischen Druckhaus ein Unternehmen zu schaff en, das sich getrost der schwierigen Zukunft der Medienlandschaft stellen kann – auch weil die »Badische Zeitung« jetzt vor allem eine gute Heimatzeitung sein will.

Uli Homann: Der direkte Ton aus der Region
Heft 3/2013, S. 573-577

Vor 25 Jahren, genau am 3. September 1988, startete der damalige Südwestfunk sein erstes Regionalprogramm: Live ging es auf dem Freiburger Rathausplatz auf Sendung und lief fortan unter dem Programm-Namen Radio Breisgau. Radio Breisgau wurde zunächst im Rahmen von SWF 1 gesendet, später wurde es in SWR 4 Baden-Württemberg eingebettet, nachdem der Südwestfunk und der Süddeutsche Rundfunk zum Südwestrundfunk fusioniert hatten.

Etwa zehn Jahre nach der Gründung von Radio Breisgau wurde im SWR Studio Freiburg auch eine regionale Fernsehredaktion ins Leben gerufen, die Beiträge für die Sendungen im SWR-Fernsehen produzierte und schließlich wurde in den letzten zwei Jahren die regionale Berichterstattung aus Südbaden auch noch auf das Internet ausgeweitet. Radio Breisgau war die Keimzelle dieses regionalen trimedialen Engagements, das sich jetzt 25 Jahre nach Gründung des öff entlich-rechtlichen Regionalradios im Hörfunk unter dem Namen SWR 4 Radio Südbaden fortsetzt.

Dietfried Scherer: Von den badischen Klosterschulen zur Schulstiftung. 25 Jahre Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg
Heft 3/2013, S. 578-584

Bildung und Erziehung auf dem Hintergrund des biblischen Menschenbildes hat eine lange Tradition, vor allem in den Klosterschulen. Vor dem Hintergrund des fehlenden Nachwuchses für die Orden und die geistlichen Gemeinschaft en stellte es eine enorme Herausforderung dar, für diese Schulen eine zukunftssichere Trägerstruktur zu finden um ihre geschätzte und anerkannte Arbeit auch in Zukunft fortführen zu können. Die aus dieser Fragestellung heraus mit Sitz in Freiburg gegründete Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg garantiert seit 25 Jahren, dass Bildung und Erziehung junger Menschen in der Tradition der Klosterschulen und diözesaner kirchlicher Schulen mit einem ablesbaren inhaltlichen Schulprofil auf dem Hintergrund christlicher Werterziehung gesichert ist.

Herbert Mayer: Sport in Freiburg – außerhalb des SC Freiburg e. V.
Heft 3/2013, S. 585-590

Freiburg gilt als eine sportbegeisterte Stadt. Auch wenn dem Sport-Club Freiburg in der Außenwirkung eine überragende Rolle zukommt, defi niert sich der Sport in Freiburg in seiner Vielfalt weit darüber hinaus: Eine breite Leichtathletikszene, Tausende leidenschaftliche Fahrradfahrer auf Renn- und Mountainbikestrecken, eine hervorragende Bäderstruktur für die Schwimmer und tolle Wintersportmöglichkeiten. Viel geleistet wird auch von den Ehrenamtlichen in 168 Vereinen, die das Rückgrat des Sports bilden. Die Identifikation mit der Region spielt dabei gleichfalls eine bedeutende Rolle: Sport bringt die Menschen hinaus vor die Tore der Stadt. Schließlich sind es nämlich auch die landschaftlichen Reize des Schwarzwaldes und der Rheinebene, die zu Bewegung und Sport einladen.

Günter Schruft: Der Wein in und um Freiburg. Entwicklungen und neue Trends
Heft 3/2013, S. 591-603

Die Erzeugung von Wein in und um Freiburg findet unter optimalen, nahezu mediterranen Klima-Bedingungen und vielfältigen Boden-Gegebenheiten mit Sicherheit seit dem frühen Mittelalter statt.

Dabei stellt die Universitätsstadt Freiburg einen idealen Mittelpunkt dar, indem hier wichtige fachliche Einrichtungen ihren Sitz haben. Ein besondere Stellung hinsichtlich der Wein- Erzeugung stellen der im Westen der Stadt gelegene Tuniberg sowie der markante Kaiserstuhl dar. Der im Süden von Freiburg gelegene badische Weinbau-Bereich Markgräfl erland ist nicht nur durch den besonderen Gutedel-Wein bekannt, sondern bringt seit geraumer Zeit auch edle Weine, vor allem der Burgunder-Gruppe hervor. Die Bemühungen der jungen Winzer-Generation bei der Erzeugung und Vermarktung ihrer Weine sowie die guten Gegebenheiten für touristische Unternehmungen werden angesprochen.

Günther Klugermann: Vom Eisweiher zum »Belustigungsort«. Die Anfänge des Waldsees in Freiburg
Heft 3/2013, S. 604-609

Aus der ursprünglichen Absicht, Eisweiher für die Bierbrauer anzulegen, entwickelte der Freiburger Verschönerungsverein die Idee eines größeren Sees, der auch im Sommer zum Bootlefahren nutzbar wäre. Die zutreffende Vorstellung, ein solchermaßen angezogenes Publikum wäre auch einer Verköstigung gegenüber nicht abgeneigt, führte über Behelfsbuden zur Errichtung eines festen Gasthauses, das im September 1883 öffnete. Statt der aufgegebenen Eisentnahme vergnügte man sich im Winter fortan mit Schlittschuhlaufen. Das von der Bevölkerung immer stärker angenommene Freizeitziel Waldsee erfuhr in den folgenden Jahren mehrere Vergrößerungen der Wasserfläche und die Erweiterung des Restaurants, beide umgeben von einer neu geschaffenen Parklandschaft . Mit dem Jahr 1886 waren die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen.

Hugo Ott: Dr. Joseph Wirth. Zentrumspolitker — Reichskanzler (geb. 6. September 1879 in Freiburg, gest. 3. Januar 1956 in Freiburg)
Heft 3/2013, S. 611-621

In Freiburg hatten sich etliche Hochmögende schwer daran getan, dem Andenken an den Reichskanzler gerecht zu werden. Das verdankte sich der Nachkriegszeit mit den Problemen des Kalten Krieges und der totalen Differenzen in der West-Ost-Politik. 1979 sollte der 100. Geburtstag möglichst still vorübergehen. »Die unterlassene Ehrung des Reichskanzlers Josef Wirth. Blüten eines provinziellen Antikommunismus. Ein dokumentarisches Lesebuch. Hrsg. von Gernot Erler und Karl-Otto Sattler 1980« – dieses Buch rüttelte auf. Längst ist diese Haltung überwunden, und Dr. Joseph Wirth hat den ihm gebührenden Rang erhalten. Die Joseph- Wirth-Stiftung e. V. ist beim Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg in guten Händen und arbeitet erfolgreich in der Friedens- und Verständigungspolitik.

Wolfgang Hug: Freiburgs Aufbruch in das neue Jahrtausend. »Die Ära Böhme«
Heft 3/2013, S. 622-629

Zwanzig Jahre lang (1982–2002) hat Dr. Rolf Böhme als Oberbürgermeister die Entwicklung von Freiburg geprägt, im Einvernehmen mit den Dezernenten und mit wechselnden Mehrheiten im Stadtrat. Zusammen mit dem 1. Bürgermeister Dr. von Ungern-Sternberg sorgte er für ein starkes städtebauliches Wachstum, besonders nach Westen (mit den neuen Stadtteilen Rieselfeld und Vauban). Mit dem Neubau des Hauptbahnhofes und des Konzerthauses entstanden herausragende Highlights im Stadtbild. Große Verkehrsprojekte wie der Bau der neuen B 31 und neuer Straßenbahnlinien sowie der Ausbau von Industriezonen förderten die Wirtschaftskraft der Stadt. In Böhmes Amtszeit wurde das Stadttheater saniert, das Museum für Stadtgeschichte (Wentzingerhaus) eingerichtet, die dreibändige »Geschichte der Stadt Freiburg « geschaffen, die 15. Fakultät der Universität entwickelt. Freiburg gewann in der »Ära Böhme« ein modernes, kraft volles Profil.

Andreas Meckel: 10 Jahre Stolpersteine in Freiburg. Ein Gedenkprojekt mit großer Resonanz
Heft 3/2013, S. 630-637

Das Stolpersteinprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig hat inzwischen über die Grenzen Deutschlands hinaus Verbreitung gefunden. Freiburg war die erste süddeutsche Stadt, in der auf Betreiben der Initiatorin Marlis Meckel diese – vom Rat der Stadt einstimmig beschlossene – ungewöhnliche Form des Gedenkens realisiert wurde. In den mehr als zehn Jahren des Bestehens der Freiburger Stolperstein-Initiative sind 350 Stolpersteine meist vor den ehemaligen Wohnungen der Opfer des NS-Terrors in der Stadt verlegt worden. Angesichts der Monstrosität der NS-Verbrechen werden auch in Zukunft mit der Unterstützung der Bevölkerung und der Medien weitere Verlegungen für die Angehörigen der betreffenden Opfergruppen (neben jüdischen Verfolgten und Ermordeten u. a. auch politische Widerständler, Zeugen Jehovas, Euthanasieopfer Deserteure, Homosexuelle) stattfinden.

Johannes Werner: »Nicht mehr wie ein Mensch«. Über den Kruzifixus von Franz Gutmann in der Universitätskirche in Freiburg
Heft 3/2013, S. 638-643

Im Chorraum der Universitätskirche in Freiburg, die im Zweiten Weltkrieg ihre barocke Ausstattung verlor, steht seit nunmehr 25 Jahren ein übergroßer Kruzifixus, den der Schwarzwälder Bildhauer Franz Gutmann (geb. 1928) geschaffen hat: ein nach wie vor anstößiges, ja erschreckendes Werk. Dieser Kruzifixus, der insofern keiner ist, als ihm die Arme fehlen, weist gerade dadurch auf ältere Vorbilder hin; und das gewaltige Haupt erinnert mit seiner Dornenkrone wohl kaum zufällig an Beispiele aus der spätmittelalterlichen Kunst am Oberrhein, namentlich an Nicolaus Gerhaert und an Matthias Grünewald (wobei diese Dornenkrone das Gesicht des Gottessohnes ebenso verbirgt wie sich Gott einst im Dornbusch verbarg). So stellt dieses ganz und gar moderne Werk gleichwohl viele Assoziationen her – auch an die Gottesmutter, der diese Kirche geweiht ist, und an die heiliggesprochene Edith Stein, Schwester Teresia Benedicta »a Cruce«, nach der sich die hier beheimatete Hochschulgemeinde aus gutem Grund nennt.

Hermann Althaus: Bundschuhfest in Freiburg-Lehen– Erinnerung an den Bauernaufstand von 1513. Die »Bundschuheiche« des Holzbildhauers Thomas Rees erzählt vom Aufbruch in die Neuzeit
Heft 3/2013, S. 644-648

15 000 Besucher aus dem Freiburger Umfeld feierten mit den tradtionsbewußten Lehener Bürgern
das 500. Jubiläum des Aufstandes von Jos Fritz gegen die weltlichen und kirchlichen
Obrigkeiten. Mittelalterliches Leben auf dem Dorf war angesagt und kein Besucher wurde
enttäuscht. Der Kappler Holzschitzkünstler Th omas Rees hatte aus einer vom Blitz getroff enen
Eiche rund um den Stamm die religiösen, wirtschaft lichen und politischen Probleme der
Umbruchzeit vom Übergang zur Renaissance herausgearbeitet. Die sechs Meter hohe Säule
wurde zur Eröff nung des Festes im Beisein der heutigen Obrigkeit der Öff entlichkeit übergeben.
Eine meisterhafte und nachhaltige Darstellung der Bundschuhereignisse.

Heinrich Hauß: Freiburg – »Stadt der Badischen Heimat«. Ein historischer Rückblick
Heft 3/2013, S. 649-655

Anlässlich des Sonderheftes »Freiburg« wird an die historische Bedeutung Freiburgs als »Stadt der Badischen Heimat« erinnert. Ort, Personen und Heimatpolitik in der Zeit von der Gründung der Badischen Heimat bis zur Wiedergründung des Vereins werden als »freiburgbezogen « beurteilt.

Der Stadt Freiburg und den in ihr für den Verein agierenden Personen wird ein prägender Einfl uss auf den Landesverein zugeschrieben. Freiburg ist doppelter Gründungsort der Badischen Heimat und mit den Haus der Badischen Heimat in der Hansjakobstraße bis heute Sitz der Geschäftsleitung. Die europäische Perspektive Badens, die Rolf Böhme 1999 im Jubiläumsheft für Freiburg und die Region entwickelt hat, wird als erneuter Impuls Freiburgs für den Landesverein interpretiert. Auch in der Zukunft ist der Landesverein auf einen Ort angewiesen, von dem aus er agieren kann.

Thomas Zotz: 900 Jahre Ebnet. Ersterwähnung und frühe Geschichte
Heft 3/2013, S. 656-663

Die Ersterwähnung von Ebnet im Rotulus Sanpetrinus zu ca. 1113 gibt Gelegenheit, Einblick in die Herrschaftsgeschichte des Raumes in der frühen Zähringerzeit zu gewinnen. Der Ort kann indes auf eine weitaus ältere Vergangenheit zurückblicken, die sich in dem Patrozinium der Ebneter Kirche St. Hilarius und St. Remigius spiegelt, spielten diese beiden Heiligen doch im Fränkischen Reich der Merowingerzeit (6./7. Jh.) eine Rolle. Ebnet war damals wie auch später verkehrsgeographisch wichtig durch seine Lage am Übergang von der Rheinebene zum Schwarzwald. Nach der Ortsherrschaft der Herzöge von Zähringen und der Grafen von Freiburg hatten hier im späteren Mittelalter die Snewlin von Landeck das Sagen und verfügten offenbar über ein festes Haus, das 1493 einem Anhänger des elsässischen Bundschuh zeitweise Asyl gewährte.

Bild: Karlsruhe, Großherzogliches Residenzschloss
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