Landesverein Badische Heimat e.V.

Das Heft "Badische Heimat"

Abstracts aus Heft 2/2011

Badische Heimat Heft 2/2011Julian Würtenberger: Trinationale Metropolregion

Die am 9. Dezember 2010 gegründete Trinationale Metropolregion soll den Oberrhein zu einer grenzüberschreitenden Exzellenzregion weiter entwickeln.

Sie folgt darin einem der modernsten Konzepte, die es im Bereich der Politikwissenschaft gibt, nämlich dem Modell der Gouvernance. Dahinter steckt der Gedanke, dass in einer globalisierten Gesellschaft, Steuerung und Regelung nicht mehr nur vom Staat ausgehen. Impulsgeber müssen alle gesellschaftlich relevanten Akteure sein sein.

Ziel ist es, in den vier Handlungsfeldern Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgergesellschaft gemeinsam Strategien zu entwickeln und durch Bündelung und Koordination der Arbeit im TMO-Raum ein funktionales Netzwerk für alle Beteiligten zu erreichen.

 
Hermann Althaus: Neuerstellung der alten Sühnekapelle zu Ehren der hl. Anna in Freiburg-Ebnet

Eine  Annakapelle bei Freiburg- Ebnet wurde auf historischem Grund durch Betreiben der katholischen Kirchengemeinde St. Hilarius, Ebneter Bürger und Sponsoren, a. 2010 neu errichtet. An dieser alten Weggabelung nach St. Peter bzw. ins Höllental hat die Freiburgerin Anna von Snewlin-Landeck, verheiratet mit Friedrich von Sickingen, etwa 1568 eine Kapelle errichten lassen, deren Stiftung möglicherweise  als Sühne für einen Auftragsmord (1356) ihres Vorfahren Johann Jakob Snewlin  an  Abt Konrad des Augustinerkloster St. Märgen  gedacht war. Für die neue Kapelle hat der Künstler Thomas Rees (Kappel) aus einem Lindenholzstamm eine interessante AnnaSelbDritt geschaffen und auch den historischen Hintergrund verarbeitet. Sein Thema: Mord, Sühne und Zerstörung - Glaube Hoffnung und Mut zum Neuen.

 
Reiner Haehling von Lanzenauer: Das Kloster Lichtenthal und sein Landesherr Karl Friedrich

Das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal bei Baden-Baden war im Jahre 1245 von der badischen Markgräfin Irmengard gegründet worden. Im Laufe der Zeit drohten den frommen Frauen immer wieder Gefahren: Mit der Reformation, beim Bauernaufstand 1525, während des Dreißigjährigen Krieges oder im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand wegen der Säkularisation gar der Fortbestand des Frauenklosters in Frage. Zwar kam es jetzt auch in Lichtenthal zu weitgehenden staatlichen Eingriffen, aber die engere Klostergemeinschaft durfte unter einer Äbtissin weiterwirken. Grund für diese Ausnahmeregelung des Landesherrn Karl Friedrich von Baden waren einerseits außenpolitische Einwirkungen, andererseits bei Hof die Sorge um die markgräfliche Grablege in der Fürstenkapelle. Demzufolge konnte das Kloster im Jahre 1995 sein 750-jähriges Jubiläum begehen.

 
2010 wurde im Kunsthandel ein druckgraphisches Werk angeboten, das den Titel „Venustempel“ trägt. Louis-Joseph Le Lorrain (1715-1759) hat die Bilddokumentation eines „Festapparates“ geschaffen und nicht ungewollt den Eindruck gefördert, dass es sich bei dem Fürstbischof von Speyer um einen Vasall der französischen Krone handele. Der Künstler geht nicht darauf ein, wer der Baron von Hutten war, der in unbekanntem Zeitraum den Fürstbischof von Speyer am französischen Hof als Minister vertrat und aus welchem Anlass das Bild geschaffen wurde, doch konnte dieses Geheimnis aufgelöst werden. Denn Fürstbischof Franz Christoph von Huttens (1743-1770) eingeengter Handlungsspielraum und die daraus resultierenden Nachteile führten zu neuen Verhandlungsmassnahmen mit der Krone Frankreichs, dessen Druck immer stärker wurde. Er sandte seinen Neffen, Friedrich Karl Adolf von Hutten zum Stolzenberg (1730-1764) nach Paris, der seit 1753 als Gesandter mit den französischen Behörden zwecks Sondierung der „Oberqueichischen Besitztümer“. verhandelte.

 
Yvonne Istas: Die Zizenhausener Terrakotten

Der Sammelbegriff „Zizenhausener Terrakotten“ steht für eine Vielzahl farbig gefasster Tonfiguren, die seit 1799 im Stockacher Ortsteil Zizenhausen von Anton Sohn (1769-1840) und seinen Nachkommen gefertigt wurden. Ob provokative Karikaturen oder verspielte Genreszenen, Krippenfiguren oder der Basler Totentanz – die Themenbereiche waren weit gefächert. Die Stadt Stockach konnte 2003 den Nachlass der Familie Sohn, bestehend aus ca. 540 Musterfiguren und 1040 Modeln, einigen Gemälden und Schriftquellen übernehmen. Die Sammlung wird vom 5. Juli bis 5. November 2011 im Stadtmuseum Stockach ausgestellt. Der Textbeitrag in der Badischen Heimat behandelt die Biographie der Familie Sohn, beschreibt die Herstellung der Figuren, gibt einen Überblick über die in Ton umgesetzten Themen und stellt Anton Sohn auch als Maler vor.

 
Michael Kitzing: Leopold Rückert (1881-1942): Sozialdemokrat – badischer Staatsminister und Verteidiger der Weimarer Demokratie

Der Aufsatz gibt einen Überblick über das Lebenswerk des badischen Verkehrs- und Arbeitsministers Leopold Rückert, der als engagierter Verteidiger der Weimarer Demokratie in Baden vorgestellt wird. Da Rückert in einer ganzen Reihe von Funktionen, nicht nur als Minister, sondern auch als langjähriger Reichs- bzw. Landtagsabgeordneter sowie als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion wie auch des Haushaltsausschusses maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Freistaates Baden hatte, bietet der Beitrag auch einen kleinen Überblick über die Entwicklung des ehemaligen Großherzogtums in den 1920er Jahren.

 
Gottfried Leiber: Karl Friedrich und die Planungen Friedrich Weinbrenners

Es war eigentlich wie heute. Offenbar konnte auch ein Oberbaudirektor Friedrich Weinbrenner seine gestalterischen Ideen selten in der Form verwirklichen, wie er sie zu Beginn entwickelt hatte, und das galt für Bauwerke wie für den Städtebau gleichermaßen. Wenn es seinerzeit um bedeutsame öffentliche Bauvorhaben, Straßen und Plätze ging,  mussten die Pläne dem Regenten vorgelegt werden.  Carl Friedrich  entschied persönlich über das Vorhaben – und nur zu oft zum Leidwesen Weinbrenners. Dabei machten sogar Denkmale keine Ausnahme wie an dem prominenten Beispiel Pyramide auf dem Marktplatz zu zeigen ist.

 
Franz Littmann: Karl Friedrich von Baden und Johann Peter Hebel

An vier Themenkomplexen – Vernunft und Religion , Wissenschaft und Ökonomie , Aufklärung und Ethik , Reformpolitik und Dialogkultur – werden weitgehende Übereinstimmungen in den weltanschaulichen Grundsätzen von Karl Friedrich  und Johann Peter Hebel verdeutlicht .
Es zeigt sich , dass der Dialog als wesentliches Strukturmerkmal sowohl von Hebels „Beispielgeschichten“ als auch von Karl Friedrichs Regierungsverständnis angesehen werden kann .
Derzeit aktuelle Forderungen im Hinblick auf „Politikverdrossenheit“  wie z.B. Bürgerbeteiligung oder Nachhaltigkeit spielten bereits vor 200 Jahren im Denken und Handeln dieser beiden von der Aufklärung geprägten Persönlichkeiten  die entscheidende Rolle.

 
Heinz Nienhaus: Vor rund 150 Jahren reiste Grenzacher Heilwasser in versiegelten Tonkrügen

Im Jahre 1863 bohrte man in Grenzach nach vermuteten Salzlagern und stieß dabei auf eine Mineralquelle. Da die Analyse durch Geheimrat Prof. Dr. Bunsen sehr positiv ausfiel und Bunsen die Auffassung vertrat, das Grenzacher Wasser sei hinsichtlich seiner chemischen Beschaffenheit den viel gerühmten böhmischen Heilquellen Karlsbad, Marienbad und Franzensbad durchaus vergleichbar, begann man mit der gewerblichen Nutzung der Quelle; u.a. versandte man das Grenzacher Wasser schon in den 1860er Jahren in handgedrehten, versiegelten Tonkrügen, später in Glasflaschen. In der Absicht Grenzach zu einem Heilbad auszubauen, errichtete man in den 1870er Jahren ein respektables Kurhaus mit Kurpark und einer Trinkhalle, in der ein Orchestrion die Kurkapelle ersetzte.
Unter anderem wohl wegen der geringen Ergiebigkeit der Grenzacher Mineralwasservorkommen ließ sich das Heilbad Grenzach jedoch nicht realisieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich einige namhafte Firmen mit großräumigen Industrieanlagen in Grenzach an, die der Entwicklung zum Heilbad ohnehin entgegenstand. Aus vielerei Gründen wurde der Kurbetrieb schon in den 1930er Jahren eingestellt, der gewerbliche Mineralwasserversand aber erst 1972 endgültig aufgegeben.

 
Johannes Werner: Ein illegitimer Sohn. Franz Josef Herr und das badische Herrscherhaus

Franz Josef Herr war ein illegitimer und niemals legitimierter Sohn des Markgrafen, Kurfürsten und Großherzogs Karl Friedrich von Baden; Ergebnis eines der Seitensprünge, die dieser sich, nach dem Brauch seines Hauses, oft und gern erlaubte. Karl Friedrich ermöglichte ihm eine kirchliche, katholische Karriere, in der er es weit brachte. Als katholischer Priester und zugleich illegitimer Sohn und Intimus des evangelischen Landesherrn spielte Herr, wenn auch hinter den Kulissen, eine Hauptrolle in den konfessionellen Konflikten, die sich bei der Bildung des Großherzogtums, der Säkularisation der Klöster und der Gründung des Erzbistums ergaben.

In Wieden. Nach Aufzeichnungen von Conrad Gröber

In dem ‚Römischen Tagebuch’, das Conrad Gröber, der spätere und umstrittene Erzbischof von Freiburg, als Alumne des ‚Collegium Germanium’ von 1893 bis 1898 schrieb, beschrieb er nicht nur ein Rom, das es längst nicht mehr gibt, sondern auch, aus der Erinnerung, die Orte, an denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hatte. Zu ihnen zählte Wieden, ein Dorf im südlichen Schwarzwald. Hier lebte, als Pfarrer, Gröbers gleichnamiger Onkel, den er in den Ferien gerne besuchte. Hier durfte er nach Herzenslust lesen, schreiben und träumen, oder auch anstelle des Onkels den Sohn des Waldhüters unterrichten, der später Bischof in China werden sollte. Diese Aufzeichnungen zeigen den Schwarzwald, aber vor allem Gröber selber in einem anderen Licht; sein ‚Römisches Tagebuch’, in dem sie sich finden, ist ein unvergleichliches Dokument, dessen Edition derzeit vorbereitet wird.

 

Bild: Karlsruhe, Großherzogliches Residenzschloss
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