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Gesundheitsbewusstsein und
Sommertemperaturen lenken Aufmerksamkeit auf die Mineralwässer
in Baden-Württemberg
"Der Klimawandel bringt steigende Sommertemperaturen
- richtiges Trinken ist wichtig" - eine aktuelle Zeitungsmeldung,
die nicht erstaunt. Der Klimawandel bringt immer öfter steigende
Temperaturen. Das zeigt sich vor allem im Sommer - Hitzewellen
von über 30 Grad kommen häufiger. Sie belasten den Organismus
und können ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben, warnt
der Medizin-Meterologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst
(DWD) in Freiburg. Bei hohen Temperaturen kann vor allem Flüssigkeitsmangel
zum Gesundheitsrisiko werden, und zwar besonders für Kleinkinder,
Säuglinge und ältere Menschen, aber auch Personen, die durch
Lebens- und Arbeitsbedingungen, Hitze verstärkt ausgesetzt
sind. Um dem vorzubeugen, eignet sich als Getränk natürliches
Mineralwasser, das den Körper nicht nur mit ausreichender
Flüssigkeit, sondern auch mit wertvollen Mineralien und Spurenelementen
versorgen. Das wissen auch viele Verbraucher: In Deutschland
liegt der statistische Pro-Kopf-Verbrauch bei über 125 Litern
im Jahr.

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Zur Deckung dieses Bedarfes trägt Baden-Württemberg wesentlich
bei: Unser Land gilt seit alters her als klassisches Heilbäder-
und Mineralwasserland. So werden heute noch in rd. 40 meist
mittelständischen Betrieben über 120 Mineral- und Heilwassersorten
hergestellt. Hierfür werden insgesamt zirka 2 Mio. m³ Wasser
pro Jahr benötigt.
Keine Verknappung der Mineralwasservorräte
zu befürchten
Das Fachwissen um die
Mineral- und Heilwässer in Baden-Württemberg wird seit ca.
100 Jahren vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau
(LGRB) vorgehalten und weiter geführt. Das LGRB ist überzeugt,
dass bei den Mineral- und Heilwässern trotz gestiegener Verbrauchszahlen
keine Knappheit oder Verschlechterung der Qualität zu erwarten
ist. Mineral- und Heilwässer stammen nämlich aus unterirdischen
Systemen, die - anders als sonstige Grundwässer - meist durch
sehr langsame Fließprozesse, hohe Verweilzeiten und geringe
Fließraten im Gebirge gekennzeichnet sind. Diese Grundwässer
unterliegen daher in der Regel nur geringen Mengenschwankungen
als Folge von Nass- oder Trockenjahren, sofern die Vorkommen
nicht überbewirtschaftet werden.
Lange Verweilzeit im Untergrund führt zu
Mineralienanreicherung
Durch die langsamen Fließprozesse
und die lange Verweilzeit im Untergrund unterscheiden sich
die Heil- und Mineralwässer von den sonstigen Grundwässern,
indem sie sich stärker mit Mineralien anreichern. Unabhängig
von der Mineralisationshöhe sind die Mineralwässer meist durch
eine vielseitige Mineral- und Spurenstoffzusammensetzung charakterisiert,
wie sie bei sonstigen Grundwässern nicht angetroffen wird. Die
große Vielfalt an Mineralwässern in Baden-Württemberg liegt
am tektonischen Bau und der Schichtstufenlandschaft. Beide
Faktoren bewirken, dass die sehr unterschiedlich beschaffenen
Gesteinseinheiten von Erdaltertum bis Erdneuzeit in systematischer
Abfolge nacheinander an die Oberfläche treten. Jede Gesteinsfolge
ist durch unterschiedlich beschaffene Grundwässer und Fließprozesse
charakterisiert. Klassische Mineralwässer stammen meist aus
Bereichen im Gneisgebirge (z. B. Mittlerer Schwarzwald) mit
CO2-reichen Wasservorkommen oder aus Gebieten mit Kalk-, Dolomit-
und Gipssteinen, die dem Grundwasser hohe Lösungsinhalte bis
z. T. weit über 2 g/l verleihen können. In Abhängigkeit des
Fließsystems können sich ganz verschieden beschaffene Grundwässer
bilden.

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Mineralwässer müssen anerkannt werden
Die Mineralwässer
nehmen eine Sonderstellung unter den Grundwässern ein, da
sie nur dann als solche anerkannt werden, wenn durch wissenschaftliche
Methoden eine hohe natürliche Geschütztheit, die Konstanz
der Mineralisation und die Reinheit des Wassers nachgewiesen
und vom LGRB bestätigt wurden. Die Anerkennung erfolgt nach
den strengen Vorgaben der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung
(MTVO) durch das zuständige Regierungspräsidium. Wesentliche
Voraussetzung für die Anerkennung von Mineralwässern ist ein
guter natürlicher Schutz, ohne dass ein Wasserschutzgebiet
benötigt wird. Dieser Schutzgedanke war bislang auf Stoffeinträge
von der Oberfläche begrenzt und berücksichtigte nicht potentielle
schädliche Einträge in der Tiefe, beispielsweise verursacht
durch tiefere Bohrungen. Durch die zunehmende Nutzung der
oberflächennahen Geothermie mittels Erdwärmesonden entstehen
u. U. Nutzungskonflikte, die nur anhand von Detailkenntnissen
der Mineralwasserfließsysteme vermieden werden können. Nicht
zuletzt deswegen ist das LGRB für die Erteilung und Überwachung
von Bohrkonzessionen zuständig. Außerdem ist für die Mineralwasserentnahme
auch eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich, bei der
geklärt wird, wie viel Wasser einer Quelle bzw. einem Brunnen
entnommen werden darf. Hierfür zuständig ist die Untere Verwaltungsbehörde,
i. d. R. also das Landratsamt, das LGRB erstellt notwendige
Fachgutachten. Nach Angleichung des früheren deutschen Mineralwasserrechts
und dem EU-Mineralwasserrecht werden seit einigen Jahren auch
in Baden-Württemberg zunehmend Mineralwässer mit geringem
Mineralstoffgehalt abgefüllt. Diese Mineralwässer entstammen
ebenfalls gut geschützten Fließsystemen, weisen als Folge
z. B. gering löslicher Gesteine aber nur geringe Mineralstoffgehalte
auf. Sie sind trotz Prädikatisierung in ernährungsphysiologischer
Sicht vielen Leitungswässern sehr ähnlich.
Besondere Mineralwässer: Thermal- und Heilwässer
Besonderes Augenmerk verdienen Mineralwässer,
die durch Zutritte vulkanischer Gase eine besondere Mineralstoffzusammensetzung
erhalten. Zu dieser Gruppe gehören auch Grundwässer, deren
Fließprozesse über mehrere Jahrtausende andauernd oder die
bis zu einigen 1000 m Tiefe zirkulieren (Thermalwässer), wie
es für die Mittelgebirge charakteristisch ist. Aufgrund der
extrem langen Fließzeiten laufen hier komplexe Wasser-Gesteins-Reaktionen
ab. Zum Teil wurden diese Wässer sogar noch während der letzten
Eiszeit gebildet und sind daher langfristig vor Schadstoffeinträgen
geschützt. Neben Mineralwasser werden auch noch Heilwässer
sowie Tafel- und Quellwässer angeboten. Heilwässer gelten
als Fertigarzneimittel und unterliegen dem Arzneimittelgesetz.
In ihnen können einzelne Bestandteile in so hohen Konzentrationen
auftreten, dass eine medizinische Wirkung nachgewiesen ist,
die für Therapien genutzt werden kann. Für die Anerkennung
von Heilwässern sind daher zusätzlich balneologische Gutachten
erforderlich. Bei Tafel- und Quellwässern sind bei der Herstellung
zusätzliche Aufbereitungsverfahren zulässig, die für natürliche
Mineralwässer nicht gelten; sie sind daher gut vergleichbar
mit normalem Trinkwasser, werden aber in der Regel nur mit
ausgewogenem Mineralgehalt angeboten.
Trink- und Leitungswasser
Das
Trink- oder Leitungswasser stammt in Baden-Württemberg überwiegend
aus Grundwasser, aber auch aus Uferfiltrat von Flüssen, sowie
dem Bodensee und Stauseen. Durch Aufbereitungsverfahren und
intensive Kontrolle ist eine ständige einwandfreie Qualität
und Einhaltung der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung gewährleistet.
In vielen Landesbereichen ist das Trinkwasser als Folge der
geologischen Verhältnisse nur gering mineralisiert. Dagegen
treten in anderen Landesteilen hohe Härtegrade auf, die zwar
günstig für die Versorgung des Körpers mit Mineralien wären,
sich aber ungünstig auf die Verkalkung technischer Geräte
auswirken. Von besonderer Güte sind solche Trinkwässer, die
ausgewogen mineralisiert sind, frei von unverwünschten Inhaltsstoffen
sind und direkt aus dem Boden in das Versorgungsnetz gefördert
werden können (d. h. ohne Aufbereitung).
Mineralwasser: Besser als Leitungswasser?
Die oft gestellte Frage, ob Mineralwässer
nun "besser" als "Leitungswasser" sind, ist nicht mit einem
eindeutigen "Ja" oder "Nein" zu beantworten. Das hängt wesentlich
von der Trinkwasserherkunft, ganz wesentlich aber vom persönlichen
Geschmack ab. Mineralwässer mit geringer Mineralisation sind
ähnlich wie Leitungswasser gute Durstlöscher. Mineralwässer
(sowie Grundwässer) mit hoher Mineralisation liefern zusätzlich
Mineralstoffe zum Nulltarif (d. h. ohne Kalorien). Zusätzlich
kann zwischen den Geschmacksvarianten mit / mit wenig / ohne
Kohlensäure gewählt werden.
Das LGRB empfiehlt, beim Kauf von Mineralwässern einen Blick
auf das Etikett zu werfen, um festzustellen, ob es sich um
ein eher "klassisches" Mineralwasser oder ein Wasser mit geringer
Mineralisation handelt. Weiterhin sind Hinweise auf besondere
Mineralstoffe zu beachten (z. B. "calciumreich" oder geeignet
zur Zubereitung von Säuglingsnahrung). Aus ökologischen Gründen
sollten Mineralwässer der Region bevorzugt werden, da keine
weiten Transportstrecken erforderlich sind: Der Südwesten
Baden-Württembergs z. B. verfügt über gute Mineralwasser-Säuerlinge
aus dem Renchtal oder dem Tal der Wolf.
[Vom RP Freiburg]
© beide Bilder: Peterstaler Mineralbrunnen
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