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1/2008

Gesundheitsbewusstsein und Sommertemperaturen lenken Aufmerksamkeit auf die Mineralwässer in Baden-Württemberg

"Der Klimawandel bringt steigende Sommertemperaturen - richtiges Trinken ist wichtig" - eine aktuelle Zeitungsmeldung, die nicht erstaunt. Der Klimawandel bringt immer öfter steigende Temperaturen. Das zeigt sich vor allem im Sommer - Hitzewellen von über 30 Grad kommen häufiger. Sie belasten den Organismus und können ernsthafte Folgen für die Gesundheit haben, warnt der Medizin-Meterologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg.

Bei hohen Temperaturen kann vor allem Flüssigkeitsmangel zum Gesundheitsrisiko werden, und zwar besonders für Kleinkinder, Säuglinge und ältere Menschen, aber auch Personen, die durch Lebens- und Arbeitsbedingungen, Hitze verstärkt ausgesetzt sind. Um dem vorzubeugen, eignet sich als Getränk natürliches Mineralwasser, das den Körper nicht nur mit ausreichender Flüssigkeit, sondern auch mit wertvollen Mineralien und Spurenelementen versorgen. Das wissen auch viele Verbraucher: In Deutschland liegt der statistische Pro-Kopf-Verbrauch bei über 125 Litern im Jahr.


Mit neuen Produktlinien und einem jungen Image wirbt Peterstaler Mineralwasser um neue Märkte

Zur Deckung dieses Bedarfes trägt Baden-Württemberg wesentlich bei: Unser Land gilt seit alters her als klassisches Heilbäder- und Mineralwasserland. So werden heute noch in rd. 40 meist mittelständischen Betrieben über 120 Mineral- und Heilwassersorten hergestellt. Hierfür werden insgesamt zirka 2 Mio. m³ Wasser pro Jahr benötigt.

Keine Verknappung der Mineralwasservorräte zu befürchten

Das Fachwissen um die Mineral- und Heilwässer in Baden-Württemberg wird seit ca. 100 Jahren vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) vorgehalten und weiter geführt. Das LGRB ist überzeugt, dass bei den Mineral- und Heilwässern trotz gestiegener Verbrauchszahlen keine Knappheit oder Verschlechterung der Qualität zu erwarten ist. Mineral- und Heilwässer stammen nämlich aus unterirdischen Systemen, die - anders als sonstige Grundwässer - meist durch sehr langsame Fließprozesse, hohe Verweilzeiten und geringe Fließraten im Gebirge gekennzeichnet sind. Diese Grundwässer unterliegen daher in der Regel nur geringen Mengenschwankungen als Folge von Nass- oder Trockenjahren, sofern die Vorkommen nicht überbewirtschaftet werden.

Lange Verweilzeit im Untergrund führt zu Mineralienanreicherung

Durch die langsamen Fließprozesse und die lange Verweilzeit im Untergrund unterscheiden sich die Heil- und Mineralwässer von den sonstigen Grundwässern, indem sie sich stärker mit Mineralien anreichern. Unabhängig von der Mineralisationshöhe sind die Mineralwässer meist durch eine vielseitige Mineral- und Spurenstoffzusammensetzung charakterisiert, wie sie bei sonstigen Grundwässern nicht angetroffen wird.

Die große Vielfalt an Mineralwässern in Baden-Württemberg liegt am tektonischen Bau und der Schichtstufenlandschaft. Beide Faktoren bewirken, dass die sehr unterschiedlich beschaffenen Gesteinseinheiten von Erdaltertum bis Erdneuzeit in systematischer Abfolge nacheinander an die Oberfläche treten. Jede Gesteinsfolge ist durch unterschiedlich beschaffene Grundwässer und Fließprozesse charakterisiert.

Klassische Mineralwässer stammen meist aus Bereichen im Gneisgebirge (z. B. Mittlerer Schwarzwald) mit CO2-reichen Wasservorkommen oder aus Gebieten mit Kalk-, Dolomit- und Gipssteinen, die dem Grundwasser hohe Lösungsinhalte bis z. T. weit über 2 g/l verleihen können. In Abhängigkeit des Fließsystems können sich ganz verschieden beschaffene Grundwässer bilden.


Black Forest still: Motiv der Peterstaler Mineralwasser aus der Werbung für das neue stille Wasser.

Mineralwässer müssen anerkannt werden

Die Mineralwässer nehmen eine Sonderstellung unter den Grundwässern ein, da sie nur dann als solche anerkannt werden, wenn durch wissenschaftliche Methoden eine hohe natürliche Geschütztheit, die Konstanz der Mineralisation und die Reinheit des Wassers nachgewiesen und vom LGRB bestätigt wurden. Die Anerkennung erfolgt nach den strengen Vorgaben der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung (MTVO) durch das zuständige Regierungspräsidium. Wesentliche Voraussetzung für die Anerkennung von Mineralwässern ist ein guter natürlicher Schutz, ohne dass ein Wasserschutzgebiet benötigt wird.

Dieser Schutzgedanke war bislang auf Stoffeinträge von der Oberfläche begrenzt und berücksichtigte nicht potentielle schädliche Einträge in der Tiefe, beispielsweise verursacht durch tiefere Bohrungen. Durch die zunehmende Nutzung der oberflächennahen Geothermie mittels Erdwärmesonden entstehen u. U. Nutzungskonflikte, die nur anhand von Detailkenntnissen der Mineralwasserfließsysteme vermieden werden können. Nicht zuletzt deswegen ist das LGRB für die Erteilung und Überwachung von Bohrkonzessionen zuständig.

Außerdem ist für die Mineralwasserentnahme auch eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich, bei der geklärt wird, wie viel Wasser einer Quelle bzw. einem Brunnen entnommen werden darf. Hierfür zuständig ist die Untere Verwaltungsbehörde, i. d. R. also das Landratsamt, das LGRB erstellt notwendige Fachgutachten.

Nach Angleichung des früheren deutschen Mineralwasserrechts und dem EU-Mineralwasserrecht werden seit einigen Jahren auch in Baden-Württemberg zunehmend Mineralwässer mit geringem Mineralstoffgehalt abgefüllt. Diese Mineralwässer entstammen ebenfalls gut geschützten Fließsystemen, weisen als Folge z. B. gering löslicher Gesteine aber nur geringe Mineralstoffgehalte auf. Sie sind trotz Prädikatisierung in ernährungsphysiologischer Sicht vielen Leitungswässern sehr ähnlich.

Besondere Mineralwässer: Thermal- und Heilwässer

Besonderes Augenmerk verdienen Mineralwässer, die durch Zutritte vulkanischer Gase eine besondere Mineralstoffzusammensetzung erhalten. Zu dieser Gruppe gehören auch Grundwässer, deren Fließprozesse über mehrere Jahrtausende andauernd oder die bis zu einigen 1000 m Tiefe zirkulieren (Thermalwässer), wie es für die Mittelgebirge charakteristisch ist. Aufgrund der extrem langen Fließzeiten laufen hier komplexe Wasser-Gesteins-Reaktionen ab. Zum Teil wurden diese Wässer sogar noch während der letzten Eiszeit gebildet und sind daher langfristig vor Schadstoffeinträgen geschützt.

Neben Mineralwasser werden auch noch Heilwässer sowie Tafel- und Quellwässer angeboten. Heilwässer gelten als Fertigarzneimittel und unterliegen dem Arzneimittelgesetz. In ihnen können einzelne Bestandteile in so hohen Konzentrationen auftreten, dass eine medizinische Wirkung nachgewiesen ist, die für Therapien genutzt werden kann. Für die Anerkennung von Heilwässern sind daher zusätzlich balneologische Gutachten erforderlich. Bei Tafel- und Quellwässern sind bei der Herstellung zusätzliche Aufbereitungsverfahren zulässig, die für natürliche Mineralwässer nicht gelten; sie sind daher gut vergleichbar mit normalem Trinkwasser, werden aber in der Regel nur mit ausgewogenem Mineralgehalt angeboten.

Trink- und Leitungswasser

Das Trink- oder Leitungswasser stammt in Baden-Württemberg überwiegend aus Grundwasser, aber auch aus Uferfiltrat von Flüssen, sowie dem Bodensee und Stauseen. Durch Aufbereitungsverfahren und intensive Kontrolle ist eine ständige einwandfreie Qualität und Einhaltung der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung gewährleistet. In vielen Landesbereichen ist das Trinkwasser als Folge der geologischen Verhältnisse nur gering mineralisiert. Dagegen treten in anderen Landesteilen hohe Härtegrade auf, die zwar günstig für die Versorgung des Körpers mit Mineralien wären, sich aber ungünstig auf die Verkalkung technischer Geräte auswirken. Von besonderer Güte sind solche Trinkwässer, die ausgewogen mineralisiert sind, frei von unverwünschten Inhaltsstoffen sind und direkt aus dem Boden in das Versorgungsnetz gefördert werden können (d. h. ohne Aufbereitung).

Mineralwasser: Besser als Leitungswasser?

Die oft gestellte Frage, ob Mineralwässer nun "besser" als "Leitungswasser" sind, ist nicht mit einem eindeutigen "Ja" oder "Nein" zu beantworten. Das hängt wesentlich von der Trinkwasserherkunft, ganz wesentlich aber vom persönlichen Geschmack ab. Mineralwässer mit geringer Mineralisation sind ähnlich wie Leitungswasser gute Durstlöscher. Mineralwässer (sowie Grundwässer) mit hoher Mineralisation liefern zusätzlich Mineralstoffe zum Nulltarif (d. h. ohne Kalorien). Zusätzlich kann zwischen den Geschmacksvarianten mit / mit wenig / ohne Kohlensäure gewählt werden.

Das LGRB empfiehlt, beim Kauf von Mineralwässern einen Blick auf das Etikett zu werfen, um festzustellen, ob es sich um ein eher "klassisches" Mineralwasser oder ein Wasser mit geringer Mineralisation handelt. Weiterhin sind Hinweise auf besondere Mineralstoffe zu beachten (z. B. "calciumreich" oder geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung). Aus ökologischen Gründen sollten Mineralwässer der Region bevorzugt werden, da keine weiten Transportstrecken erforderlich sind: Der Südwesten Baden-Württembergs z. B. verfügt über gute Mineralwasser-Säuerlinge aus dem Renchtal oder dem Tal der Wolf.

[Vom RP Freiburg]
© beide Bilder: Peterstaler
Mineralbrunnen

 
Bild: Bruchsal, Barockresidenz
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