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1/2008

Erdgeschichte auf eigene Faust entdecken

Tag des Geotops am 21. September 2008 - Neues Kartenwerk des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beschreibt spannende Erdgeschichte und landschaftliche Vielfalt

Am Sonntag, den 21. September 2008 findet bundesweit - vergleichbar dem schon seit Jahren bekannten "Tag des Denkmals" - der "Tag des Geotops" statt. Er wird federführend von der Fachsektion GEOTOP der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG) , gemeinsam mit der Akademie der Geowissenschaften zu Hannover (AGH) und der Paläontologischen Gesellschaft (PG) organisiert.

In ganz Deutschland sind Interessierte eingeladen, nach Herzenslust einen Blick in das Innere der Erde zu riskieren und sich von Fachleuten vor Ort in die Geschichte der Entstehung des jeweiligen Geotops einführen zu lassen.

Die Angebote für Baden-Württemberg sind unter www.tag-des-geotops.de - Baden-Württemberg - verzeichnet.

(rpf) Das geologische Potenzial Baden-Württembergs, das mit seinen Kuriositäten und Raritäten die landschaftliche Vielfalt und das reiche Kulturerbe des Landes bereichert, muss im Sinne des sanften Tourismus genutzt und bewahrt werden. In diesem Bereich hat das Land insgesamt besondere Stärken. Um die vorhandenen Potenziale noch stärker zu nutzen, hat das Wirtschaftsministerium im März 2008 ein zweijähriges Sonderprogramm "Sanfter Tourismus" gestartet. .

Für Interessierte und Entdecker hat das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (im Regierungspräsidium Freiburg) daher eine umfassende geotouristische Karte aufgelegt, die rund 2.300 Ziele mit Bezug zur Erdgeschichte in Baden-Württemberg beschreibt.

Erdgeschichte leicht verständlich
Neben der südlichen Lage und den zahlreichen kulturellen Highlights hat sich Baden-Württemberg vor allem wegen seiner vielfältigen Natur zu einem bevorzugten Tourismusland entwickelt. Der besondere Reiz liegt im engräumigen Nebeneinander verschiedener Landschaften. Bestimmte Muster und Wiederholungen im Landschaftsbild werfen Fragen nach deren Ursachen auf. Hier setzt der Geotourismus an: Er macht erdgeschichtliche Besonderheiten für den Besucher zugänglich und bereitet sie verständlich auf. Das freut auch die Touristiker: Nach Ansicht von Fachleuten entwickelt sich der Geotourismus immer mehr zu einem nicht zu unterschätzenden Werbefaktor, zumal viele Urlauber kleinen, inhaltsreichen Urlaubsangeboten im Land zunehmend den Vorzug gegenüber längeren "dolce far niente-Urlauben" geben. Von welcher Seite man es auch sieht: Die Geologie ist der Schüssel zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise im Zusammenspiel von Oberflächenrelief, Gestein, Rohstoffvorkommen, Boden sowie Landnutzung und deren Einflüsse auf die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung.

Landschaft von unten betrachtet
Vieles, was den Reiz und Charakter einer Landschaft ausmacht, hängt eng mit der Erd- und Landschaftsgeschichte zusammen. So sorgen im Schwarzwald schon vor Jahrmillionen einsetzende und bis heute anhaltende Hebungsvorgänge für Abtragung des Deckgebirges und Freilegung des Grundgebirges. Die höchsten Erhebungen und tiefsten Täler liegen im Südschwarzwald und bestehen kurioserweise aus Granit und Gneis, den ältesten, gewöhnlich an der Basis des Schichtpakets liegenden Gesteinen. Das kühl-feuchte Klima der Hochlagen, das steile Relief mit sauren, steinigen Böden lassen vielerorts nur Wald- und Grünlandnutzung zu und prägen bis heute das Landschaftsbild. Zum Schwarzwald gehören aber auch einladende Städtchen und die typischen Schwarzwaldhöfe, die sich aufgrund des schwierigen Geländes vorwiegend entlang der tief eingeschnittenen Täler aneinander reihen. Dazu kommen der Bergbau sowie bedeutende Mineral- und Thermalwasservorkommen als weitere Standortfaktoren mit geologischem Hintergrund, die Städten wie Freiburg und weithin bekannten Badeorten beträchtliche Einnahmen mit nachhaltigen Einflüssen auf die städtebauliche und kulturelle Entwicklung bescherten.

Zeichen der Landschaft lesen
Nicht nur im Schwarzwald, sondern auch in anderen Landschaften paust sich der geologische Werdegang durch. Natürliche und künstliche Geländeaufschlüsse wie Höhlen, Bachanschnitte bzw. Steinbrüche, Bergwerke oder Baugruben sind "Fenster in die Erdgeschichte", die man gerade in Baden-Württemberg in Hülle und Fülle vorfindet. Die Zeichen in der Landschaft sind allerdings nicht einfach zu deuten. Viele Zusammenhänge werden nur von Fachleuten erkannt und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen dokumentiert. Diese sind in der Regel auf den Fachanwender, weniger für den interessierten Laien oder Hobbygeologen zugeschnitten. Ein erfolgreicher Geotourismus muss sich aber an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen und braucht spannende, leicht verständliche Produkte. In der Reiseliteratur hat man vielfach reagiert, indem man einleitende Kapitel zur Geologie anbietet. Auch für Baden-Württemberg sind solche Übersichtsdarstellungen immer häufiger zu finden. Meistens fehlen jedoch Darstellungen mit lokalem Bezug, bei denen der Schwerpunkt auf dem konkreten Einzelobjekt liegt.

Auf Entdeckungstour mit Geowissen
Angeregt durch das "Jahr der Geowissenschaften" startete das LGRB im Jahre 2002 mit der Herausgabe des Führers "Erlebnis Geologie" eine Geotourismusoffensive. "Die beachtliche Resonanz - die erste Auflage mit 10.000 Exemplaren war schon nach eineinhalb Jahren vergriffen - war Anlass zur Vertiefung und Ausweitung des Themas in Form eines neuen Kartenwerks", so Prof. Dr. Ralph Watzel, Leiter des Landesamtes.

Die seit 2006 vollständig vorliegende Geotouristische Karte von Baden-Württemberg präsentiert in den Teilblättern "Schwarzwald mit Umgebung", "Nord" und "Südost" über 2.280 geotouristische Ziele. Besucherbergwerke, Schauhöhlen, Museen und Naturschutzzentren mit geowissenschaftlichen Ausstellungen sowie geologische Lehrpfade vermitteln Geowissen mit direktem Bezug zur umgebenden Landschaft. Die Beschreibung ausgewählter Gesteinsaufschlüsse, frei zugänglicher Höhlen, beeindruckender Felsformationen, Quellen, Wasserfällen und lohnender Aussichtspunkte regt den Leser zu eigenen Entdeckungstouren an. Jedes der drei Kartenblätter besteht aus einer Übersichtskarte und einem Erläuterungsband. Die Karten zeigen die Lage der Einzelobjekte vor dem farbigen Hintergrund der geologischen Karte. Dem Betrachter erschließt sich so direkt der geologisch-erdgeschichtliche Rahmen zu jedem eingetragenen Geo-Objekt. Eine Auflistung aller geotouristischen Ziele auf der Kartenrückseite mit Übersichtsprofil der Schichtenfolge und zugehörigen Fotos ausgewählter Objekte sowie eine sehr anschauliche 3D-Ansicht des Kartenausschnitts helfen beim Kartenlesen.

Das Kartenwerk ist ein wichtiger Beitrag zur weiteren geotouristischen Erschließung Baden-Württembergs. Sein besonderer Wert liegt in der Möglichkeit, die Erdgeschichte auf eigene Faust und mit anderem Blickwinkel zu entdecken. Das Erkennen von Zusammenhängen zwischen dem geologischen Werdegang und dem subjektiven Landschaftsbild hinterlässt beim Kartennutzer bleibende Eindrücke. Er erfährt aber auch, wie sich die Erde im Laufe der Jahrmillionen gewandelt hat. "Die vergangene Entwicklung der Erde lässt uns aber auch in ihre Zukunft blicken. In Anbetracht globaler Veränderungen, wie zum Beispiel des Klimas, ist es deshalb Aufgabe der Geowissenschaften, eine breite Öffentlichkeit für Geothemen zu sensibilisieren", so Ralph Watzel.
Die dreibändige geotouristische Karte von Baden-Württemberg kann zum Preis von 11,80 € je Einzelband im LGRB Online-Shop unter http://www.lgrb.uni-freiburg.de/ oder im Buchhandel bestellt werden.

[Joachim Müller-Bremberger, RP Freiburg]

 
Bild: Bruchsal, Barockresidenz
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