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Der neue Bruchsal-Führer
aus der Reihe der Silbergrauen Führer begleitet den Besucher
durch die Schlossanlage
Neuer Silbergrauer Führer für Schloss
Bruchsal
Nur 80 Jahre dauerte die glanzvolle Zeit des Bruchsaler Schlosses.
1802 gelangte die ab 1722 errichtete Residenz der Fürstbischöfe
von Speyer in den Besitz des Landes Baden. Nach 1832 verfiel
die Anlage zusehends und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts
wieder als kunsthistorisch wertvolles Ensemble erkannt. Nach
schweren Zerstörungen in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs
wurde das Schloss in seinem äußeren Umriss und
seinen Fassaden wieder aufgebaut, der Mittelteil mit Treppenhaus
und Festsälen originalgetreu rekonstruiert.
Balthasar
Neumanns berühmtes Treppenhaus, die Malereien der Erdgeschossräume,
aber auch Reste der barocken Gartenkonzeption zeugen von dem
kenntnisreichen Bauherrn Kardinal Damian Hugo von Schönborn,
der in der Anlage Einflüsse unterschiedlichster Herkunft verarbeiten
ließ. Unter seinem Nachfolger Franz Christoph von Hutten entstanden
die prunkvollen Rokokodekorationen der Festsäle und der heute
verlorenen Appartements der Beletage. Im Schlossgarten mit
seinem reichen Baumbestand haben auch das 19. und 20. Jahrhundert
ihre Spuren hinterlassen.
Die Autorin Sandra Eberle, ehemals wissenschaftliche Volontärin
bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten,
jetzt freie Kunsthistorikerin, stellt zunächst die Baugeschichte
der Anlage dar, die ja bekanntlich vor allem dadurch geprägt
ist, dass der Bauherr, Damian Hugo von Schönborn, Fürstbischof
von Speyer, sich plötzlich entschloss, im bereits begonnenen
Corps de Logis ein Mezzaningeschoss einzufügen. Dass
er damit den gesamten Plan des Treppenhauses über den
Haufen warf, kümmerte ihn wenig. Balthasar Neumann, Hof-
und Stararchitekt der Schönborn, sprang ein und lieferte
mit seinem Treppenhaus-Plan den Entwurf, dessen Genialität
angesichts der Leichtigkeit, die er vermittelt, erst auf den
zweiten Blick auffällt.
Auch der Nachfolger Bischof Schönborns, Franz von Hutten,
orientierte sich an der Kunstmetropole der Schönborns,
an Würzburg, von wo er ab 1751 die Künstler der
Innenausstattung holte. Sandra Eberles Ausführungen sind
hier durchweg detailreich und logisch, ohne jedoch zu trocken
zu wirken.
Die Geschichte des Schlosses in badischem Besitz, von der
Einrichtung der Residenz für die Markgräfin Amalie
von Baden, die hier ihren Witwensitz bezog, bis zu Zerstörung
und Wiederaufbau, bildet das letzte Kapitel in der umfangreichen
Bau- und Nutzungsgeschichte.
Daran schließt sich ein ausführlicher Rundgang
durch die Anlage an. Zu ihr gehört auch der gesamte Bereich
der Nebengebäude, die das Bruchsaler Schloss in seiner
Einzigartigleit kennzeichnen.

Die Autorin Sandra Eberle M.A. bei der Vorstellung des
Führers
Sandra Eberle, die man schon von fundierten Führungen
im Bruchsaler Schloss kennt, ist - wie man es von der renommierten
Reihe der Silbergrauen Führer gewohnt ist - der Spagat
zwischen der notwendigen Ausführlichkeit ihrer Darstellungen
und der erforderlichen Kürze durchweg gelungen. Der Band
ist reich illustriert, enthält aktuelles Fotomaterial
und alte Ansichten von den Innenräumen vor der Zerstörung.
Eigentlich selbstverständlich, und dennoch angenehm praktisch
ist der Verweis auf die Pläne in der vorderen und hinteren
Umschlagklappe.
Nur angedeutet ist im Band die bereits im Bau befindliche
Rekonstruktion der Appartements in der Bel Etage, Verlag und
Herausgeber hoffen hier auf einen regen Verkauf des Führers
(von dem man zweifellos ausgehen kann), so dass im nächsten
Jahrzehnt ein neuer Führer *mit* den neuen Räumen
erscheinen kann.
Zwei kurze Kapitel über das Städtische Museum und
das deutsche Musikautomatenmuseum (von Thomas Adam bzw. Brigitte
Heck) sowie eine Zeottafel, ein Glossar und ein Verzeichnis
ausgewählter Literatur runden den Band ab.
56 Seiten mit 8-seitigem Umschlag, 53 Farbabbildungen, 16
S/w-Abbildungen sowie zwei Übersichtsplänen
Format 12,5 x 23,5 cm, Broschur
Verkaufspreis € 4,50
Deutscher Kunstverlag, München
ISBN 978-3-422-02120-4
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