|
Dossier: Sybilla Augusta und Rastatt
Die Biographie der Markgräfin in Stichworten
Kindheit,
Jugend, erste Ehejahre
1675 Geburt am 21. Januar auf Schloss Ratzeburg. Sie
stammte aus der bedeutenden böhmischen Familie Sachsen-Lauenburg,
ihr Vater war einer der wohlhabendsten Fürsten des Reiches.
Sibylla Augusta und ihre drei Jahre ältere Schwester Anna
Maria Franziska sind die einzigen Kinder, die das Erwachsenenalter
erreichen. Die Schwestern erhalten eine sorgfältige Erziehung
und Ausbildung, unter anderem durch Geistliche des Piaristenordens.
1681 stirbt die Mutter Maria Hedwig Auguste von Pfalz-Sulzbach.
Tod des Vaters. Sibylla Augusta übernimmt die Verwaltung
ihrer reichen Güter in Böhmen selbst. Die Anteile der Schwestern
am Erbe werden bis hin zum einzelnen Möbelstück ganz genau
in zwei sogenannten Teilungsinventaren festgehalten.
1690 Der Kaiser vermittelt Heiratskandidaten für die
15-jährige Sibylla Augusta und ihre Schwester, zwei seiner
verdienten Feldherren. Sibylla Augusta entscheidet sich für
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden Ihre Hochzeit wird
auf Schloss Raudnitz am 27. März 1690 gefeiert.
In den folgenden Jahren
folgt Sibylla Augusta ihrem Gatten auf seinen Feldzügen. Sie
bringt in zwölf Jahren neun Kinder zur Welt; nur drei erreichen
das Erwachsenenalter. Nebenbei sorgt sie für den Neu- und
Ausbau der Residenz in Böhmen, das Weiße Schloss in Schlackenwerth:
in Baden kann das Markgrafen-Paar wegen des Krieges nicht
residieren.
Regentin
| 1707 |
Januar. Tod des Ehemanns. Sibylla Augusta tritt die
Regentschaft an.
April. Sibylla Augusta entlässt den italienischen Baumeister
und stellt Johann Michael Ludwig Rohrer aus Böhmen als
neuen Hofarchitekten ein.
Mai. Der französische Marschall Villars und seine Truppen
nehmen Rastatt ein und fordern Kontributionen von 400.000
Gulden.
Frühjahr. Sibylla Augusta stutzt den Hofstaat auf weniger
als die Hälfte: 155 Hofangestellte bleiben von über 300
übrig.
August. Die Markgräfin schließt langwierige Verhandlungen
mit der Kurpfalz ab. Es geht um die Teilung der vorderen
Grafschaft Sponheim. |
| 1708 |
Die Markgräfin beleiht 15 Diamanten aus ihrem eigenen
Erbe. 108.000 Gulden braucht sie, um die verpfändete Hälfte
der Grafschaft Eberstein im Murgtal auszulösen. |
| 1714 |
Frieden von Rastatt: Fast 100 Jahre Krieg werden beendet |
|
12. April. Sibylla Augusta erneuert die Erlasse zur
Förderung des Wiederaufbaus der Residenzstadt Rastatt.
Die Wirtschaft beginnt zu wachsen: Die Markgräfin erlässt
neue Zunftordnungen. |
| 1715 |
Sibylla Augusta gründet in Rastatt ein Piaristenkolleg,
eine kostenlose Schule |
|
Die Freundschaft mit Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn
entsteht. Er wird ihr engster Berater in weltlichen wie
in geistlichen Dingen. |
| 1717 |
Die große Jesuitenmission in Rastatt beginnt. Sibylla
Augustas Religionspolitik zeigt intolerante Züge. |
| 1719 |
Reise nach Rom und Besuch bei der Verwandtschaft in
Florenz. Sibylla Augusta ist stark vom religiösen Erlebnis
der heiligen Stätten beeindruckt - und schränkt zunehmend
die Freiheiten ihrer nicht-katholischen Untertanen ein. |
| 1720 |
Große Reliquienprozession am Geburtstag der Markgräfin
(21. Januar). |
| 1721 |
Reise nach Wien zu Finanzverhandlungen mit Kaiser Karl
VI.: Sibylla Augusta erreicht eine Teilrückzahlung von
750.000 Gulden. Für ihren klugen Pragmatismus spricht,
dass sie darauf verzichtet, weiter "mit einem so großen
herrn" zu feilschen - zumal der Aufenthalt in Wien beträchtliche
Spesen verursacht. |
| 1722 |
Der Kaiser mahnt die Markgräfin, die Bestimmungen des
Westfälischen Friedens einzuhalten und die Rechte der
protestantischen Untertanen nicht zu verletzen. |
|
Mit seinem 25. Geburtstag am 7. Juni erlangt Markgraf
Ludwig Georg die Großjährigkeit. Markgräfin Sibylla Augusta
übergibt die Regierung und bezieht ihren Witwensitz auf
Schloss Ettlingen |
| 1733 |
Am 10. Juli stirbt Markgräfin Sibylla Augusta nach langer
Krankheit in Ettlingen. Wie von ihr festgelegt, wird ihr
Leichnam schlicht bekleidet und auf Brettern in der Ettlinger
Schlosskapelle aufgebahrt. Am 12. Juli wird sie in der
Rastatter Schlosskirche in einem einfachen Holzsarg bestattet
- nicht als reiche Fürstin, sondern als demütige Dienerin
Gottes. Dazu gehört die Inschrift auf ihrem Grabstein:
"Betet für die große Sünderin Augusta". |
|
EXTRA SCHÖN - Markgräfin
Sibylla Augusta und ihre Residenz.
Eine Sonderausstellung der Staatlichen
Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und des Wehrgeschichtlichen
Museums Rastatt.
12. Juli bis 21. September 2008
|
Text: Schlösser
& Gärten
|