Landesverein Badische Heimat e.V.

Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg 2016

Ehemaliger Bahnwasserturm in Heidelberg

Bei einem Besuch der Architekturbiennale in Venedig fiel bei Armin Schäfer, Stephan Weber und Stefan Loebner der Entschluss, nach zehn Jahren erfolgreicher Tätigkeit endlich eigene Räume für ihr Architekturbüro Aag in Heidelberg zu suchen. Schnell geriet als mögliches Domizil der ehemalige Wasserturm am Rand des früheren Bahngeländes im Westen der Stadt in den Blick. Gegenwärtig entsteht dort mit der „Bahnstadt“ ein neues Stadtquartier. Der raue Charme, aber auch die monumentale Geste des 30 Meter hohen Turmes, hinter dessen dunkelroter Klinkerfassade eine eindrucksvolle Betonkonstruktion mit großem Wasserbehälter steckt, begeisterte die Architekten. Der Funktionsbau mit architektonischem Anspruch war in den 1920er-Jahren durch die Reichsbahndirektion zur Wasserversorgung der dampfbetriebenen Lokomotiven errichtet worden. Die beiden seitlich anschließenden Flügel beherbergten Werkstätten und Sozialräume.

2014 erwarb das Büro den lange Jahre leerstehenden und heruntergekommenen Bau, der bereits 1989 als Kulturdenkmal eingestuft worden war. Da das Raumangebot die erforderliche Fläche überstieg, entwickelten die Architekten ein Konzept, das dem dominierenden Gebäude unter dem Namen „Tankturm“ auch eine teilweise öffentliche Nutzung sichert und es zu einem Mittelpunkt des neuen Stadtteils macht. Auf zwei Etagen des Ostflügels, im ausgebauten Dach darüber sowie in den unteren Geschossen des Turms hat nun das Architekturbüro seinen Platz gefunden, während im Westflügel, in den Kellerräumen und in den Turmobergeschossen Veranstaltungsräume für geschäftliche und kulturelle Nutzungen angeboten werden. Als Mieter hat hier etwa der Heidelberger Verein für zeitgenössische Musik „Klangforum“ seine temporären Proberäume gefunden.

Die historische Bausubstanz wurde weitestgehend erhalten und vorsichtig repariert. Dies betrifft die originalen dunkelgrau gestrichenen Holzfenster mit ihren für die 1920er-Jahre typischen querrechteckigen Teilungen ebenso wie die in den Bahnwerkstätten eigens hergestellten groben Beschläge, die alten Installationen des Wasserturms oder die Betonoberflächen der Treppe im Turm sowie vor allem das Innere des ehemaligen Wassertanks, das mit seinen Kalk- und Rostablagerungen geradezu Kunstwerk-Charakter besitzt.

Es waren jedoch auch Eingriffe in das Gebäude notwendig. Die Büros und Veranstaltungsräume in den Flügelbauten erhielten eine isolierende Innenschale, die sich optisch geglückt als eine spätere Zutat zu erkennen gibt. Die Belichtung der ausgebauten Walmdächer erfolgt durch einen umlaufenden Lichtschlitz, der unter Erhaltung des originalen Dachstuhls durch den geschickten Wechsel der Dämmung zwischen innen und außen möglich wurde. Im Turm mussten eine für die neue Funktion erforderliche neue Treppe und ein Aufzug eingebaut werden. In ihrer Gestaltung sind diese Teile aus rostendem Stahl deutlich als nachträgliche Zutaten zu erkennen. Dies gilt auch für die beiden am Turm von der Feuerwehr geforderten Außenbalkone zum Anleitern im Brandfall sowie die Feuertreppe auf der Ostseite.

Alle diese Maßnahmen wurden mit den Denkmalbehörden abgestimmt und erfolgten auch nach Meinung der Jury mit Augenmaß und einer dem Bau angemessenen Weise. Die nicht alltägliche Umnutzung des Kulturdenkmals hat es in seinem historischen und architektonischen Aussagewert nicht geschmälert.

© Text: Schwäbischer Heimatbund 2016
© Bilder: Ulrich Graef (oben), Thomas Ott (unten)

Bild: Schloss Schwetzingen, Gartenfassade
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