Landesverein Badische Heimat e.V.

Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg
Preisträger 2004

Altes Pumpwerk in Mannheim-Neckarau, Aufeldstraße 19

Das 1903 als neugotischer Industriebau errichtete, ehemalige Abwasserpumpwerk mit Kläranlage entsorgte 82 Jahre lang die Abwässer des Mannheimer Stadtteils Neckarau und der Schwetzinger Vorstadt. Absatzbecken und Rechen entfernten groben Schmutz, große Pumpen beförderten die Abwässer auf das Niveau des Hauptsammelkanals, von wo sie in den Rhein flossen. Erst 1986 wurde die Anlage endgültig stillgelegt. Geplant hat den eklektizistischen Klinkerbau der in Stettin geborenen Mannheimer Stadtbaudirektor Richard Perrey (18661937). Überraschend ist seine bemerkenswerte künstlerische Gestaltung, die sich an Motiven der norddeutschen Backsteingotik orientiert: Rote Klinkersteine und im Kontrast dazu grüne Wandfliesen prägen die Giebelfront sowie die gegliederten Fassaden und geben dem Gebäude einen sehr repräsentativen Charakter.
Ungewöhnlich und beispielhaft ist auch der Schritt des Künstlers Dietmar Brixy, Wohnen und Arbeiten in einem Industriedenkmal zusammen zu führen und die Raumzusammenhänge und den alten Maschinenpark wie selbstverständlich in das neue Nutzungskonzept zu integrieren. Eine genaue Bestandsaufnahme zu Beginn der Sanierung machte jedoch deutlich, dass viele Teile, vor allem die maroden Bauteile in der Kanalisation und speziell in der Dachkonstruktion, von den Faulgasen der Abwasseraufbereitung so stark angegriffen waren, dass sie nicht mehr repariert werden konnten, sondern erneuert werden mussten. Der große Verdienst von Bauherr und Eigentümer Dietmar Brixy und seinem Architekten Matthias Henrich ist der sorgsame Umgang mit der Grundstruktur des Gebäudes und der weit gehende Erhalt der Fassaden mit ihrem interessanten Erscheinungsbild. Eine für die Umnutzung des Gebäudes wichtige und notwendige Entscheidung war die Schließung des offenen Mitteltraktes, in dem früher die vorbei fließenden Abwässer beobachtet werden konnten. Dieses Zugeständnis der Denkmalpflege gab dem Architekten die Möglichkeit, den Mittelteil optimal als Wohn und Essbereich zu nutzen und ihm gleichzeitig die Funktion eines Grundrissverteilers zu geben. Der Begriff einer Wohnhalle ist hier wörtlich zu nehmen: 17 Meter beträgt die Höhe des Raumes vom Fußboden bis zur Deckenkonstruktion mit ihren Stahlträgern und Spanngliedern.

Alle Bildrechte liegen beim Schwäbischen Heimatbund (Foto Siegfried J. Gragnato / SHB)

Bild: Karlsruhe, Großherzogliches Residenzschloss
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