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3/2016

Heinrich Hansjakob zum 100. Todestag

Jüngst ist er wieder ins Gerede gekommen, der badische Volksschriftsteller Heinrich Hansjakob. Manche nennen ihn auch Heimatschriftsteller. Er hat ab und zu deftige antisemitische Reden geführt, weswegen das von der Stadt Freiburg in Auftrag gegebene Gutachten über die politische Korrektheit der Straßennamen in der Stadt zu dem Ergebnis kam, dass zumindest ein erklärendes Schild unter den Straßennamen gehört. Vielleicht ein Zusatz "hat ab und zu deftige antisemitische Reden geführt". Das ist dann gleichwertig zu dem, worum er sich verdient gemacht hat.

Heinrich Hansjakob war katholischer Geistlicher und Schriftsteller. Er wurde 1837 in Haslach im Kinzigtal geboren, wo er auch 1916 starb. Dazwischen lebte und kämpfte er gegen soziale Ungerechtigkeit und soziale Not, saß zweimal für seine radikalen Ansichten im Gefängnis, wurde Abgeordneter der katholischen Volkspartei im badischen Landtag und nutzte den Landtag als Bühne für seine Ansichten.

Dann erkennt er, dass die ständige Konfrontation des Staates und der Parteien mit der Kirche, der sog. "Kulturkampf", eine "sittliche Verrohung der Bürger" nach sich gezogen hat, und er führt einer Aussöhnung das Wort. Von seinen Parteifreunden deswegen angegriffen, trennt er sich von seiner Partei.

Er gerät wegen seiner Ansichten nicht nur in Konflikt mit dem Gesetz, sondern auch mit seiner Partei und dem erzbischöflichen Ordinariat. Und seinen Dickschädel bedeckt er - ganz in Einklang mit der Tradition seiner politischen und sozialen Haltung - mit dem Heckerhut, der durch ihn zum "Hansjakobhut", seinem "Markenzeichen" wird.

Er ist zeitlebens ein politischer Pfarrer. Als Seelsorger in Hagnau sieht er in einem Zusammenschluss der Winzer ein Mittel gegen die sozialen Probleme der Weinbauern und das Diktat der Weinhändler - er gründet hier die erste Winzergenossenschaft.

Als Stadtpfarrer in St. Martin in Freiburg wird er als Prediger bekannt, und gleichzeitig werden seine Bücher, die von den Menschen seiner Kinzigtäler Heimat handeln, mehr und mehr gelesen. Aus dem katholischen sozial engagierten Politiker und Pfarrer wird der Heimatschriftsteller. Es ist nicht die glatte Heimatidylle, es ist die rauhe, kantige Welt der Schwarzwaldbauern, die er thematisiert. Er fördert, ganz im Stil der Zeit, die Trachten ebenso wie die alemannische Sprache seiner Heimat. Über 70 Bücher machten ihn zum meistgelesenen Autor seiner Zeit.

Auf diesem Hintergrund sind tatsächlich seine antisemitischen Äußerungen nicht einfach abzutun. Er wurde gelesen, und er hat die Meinung seiner Leser beeinflusst. Ob man ihn heute deswegen in eine Reihe mit anderen Antisemiten stellen und verurteilen darf, darf bezweifelt werden. Der Stil der Zeit, sein Stil war ganz sicher nicht von unserer Auffassung von politischer Korrektheit geprägt - das muss man wissen, wenn man ihn liest. Es auf ein Straßenschild zu schreiben gibt dem noch mal einen ganz anderen Rang und wertet seine übrige Tätigkeit unangemessen ab.

In Kürze informiert: erzbistum-freiburg.de/html/heinrich_hansjakob.html
Ausführlicher: de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Hansjakob
Sachwalter: Hansjakob-Gesellschaft, Freiburg (dort auch Verzeichnis der Erinnerungsstätten)

 


Bild: St. Peter im Schwarzwald
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