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2/2016

Tropische Sekundärwälder können unerwartet große Mengen CO2 aufnehmen

Durch Waldrodung in den Tropen werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt. Wenn die gerodeten Flächen regenerieren und Sekundärwalder nachwachsen, binden diese erneut CO2. Eine Gruppe Wissenschaftler, zu der auch Dylan Craven vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) gehört, konnte jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science Advances für lateinamerikanische Wälder zeigen, dass dieses CO2-Bindungspotential erstaunlich hoch ist.

Demnach könnten Sekundärwälder in Lateinamerika in den nächsten vier Jahrzehnten etwa dieselbe Menge CO2 binden, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten dort durch Verbrennung fossiler Energieträger und durch industrielle Prozesse freigesetzt worden ist. Somit bietet die Förderung natürlicher Waldregeneration eine preiswerte Möglichkeit, klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu binden und gleichzeitig die biologische Vielfalt zu fördern.

Nirgendwo auf der Welt schreitet der Verlust ursprünglicher Wälder, sogenannter Primärwälder, so schnell voran wie in den Tropen. Um Flächen für Ackerbau und Viehzucht zu gewinnen, roden Menschen Urwälder und setzen dabei den in den Bäumen gespeicherten Kohlenstoff als klimaschädliches CO2 frei. Schätzungen zufolge gehen 8 bis 10 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen auf das Konto von Abholzung und Übernutzung tropischer Wälder. Klimaschutzprogramme zielen bisher vor allem auf die Vermeidung dieser CO2-Emissionen, z. B. durch das Verhindern von Waldrodungen.

Wenn die gerodeten Flächen nicht mehr genutzt werden, wachsen dort neue Wälder, sogenannte Sekundärwälder. Diese binden einen Teil des bei der Rodung freigesetzten CO2. In einer vorangegangenen Studie konnten die auch an der aktuellen Studie beteiligten Wissenschaftler für Lateinamerika bereits im Februar im Fachmagazin Nature zeigen, dass es durchschnittlich nur 66 Jahre dauert, bis die Sekundärwälder 90 Prozent des ursprünglich gespeicherten Kohlenstoffs erneut gebunden haben (oberirdische Biomasse).

Während die Gesamtwaldfläche in Lateinamerika weiterhin abnimmt, nimmt die Fläche nachwachsender Sekundärwälder zu. In den untersuchten Ländern Lateinamerikas bedecken Sekundärwälder 28 Prozent der Gesamtfläche. Als Sekundärwälder gelten neu angepflanzte Wälder bis zum Alter von 60 Jahren. Die Wissenschaftler wollten wissen, welches Potential diese Wälder haben, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden. Mithilfe von Daten über Alter und Fläche dieser Wälder in Lateinamerika modellierten sie deren oberirdische CO2-Bindung.

Die berechnete oberirdische Kohlenstoffaufnahme beträgt demnach 8,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff - entsprechend 31 Milliarden Tonnen CO2 - über einen Zeitraum von 40 Jahren. Diese Menge entspricht den CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und industriellen Prozessen in Lateinamerika von 1993 bis 2014.

"Es ist erstaunlich wie viel Kohlendioxid diese Sekundärwälder aufnehmen können", sagt Dylan Craven, Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und einer der Autoren der Studie. "Und das bei sehr geringen Kosten. Denn es müssen keine Bäume gepflanzt werden, die kommen von ganz allein. Man muss die jungen Wälder bloß schützen gegen eine erneute Abholzung."

Die neue Studie liefert wichtige Informationen für CO2-Minderungsstrategien in tropischen Ländern, insbesondere in Lateinamerika. Verbunden mit dem Schutz ungerodeter Wälder sowie nachhaltiger Waldnutzung bietet die Förderung natürlicher Waldregeneration somit eine preiswerte Möglichkeit, klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu binden und gleichzeitig biologische Vielfalt zu fördern. Volker Hahn

Publikationen:
Chazdon et al. (2016): Carbon sequestration potential of second-growth forest regeneration in the Latin American tropics. Science Advances. 13 May 2016: Vol. 2, no. 5, e1501639. doi: 10.1126/sciadv.1501639
http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.1501639

Wald in Panama

Foto: Dylan Craven, iDiv

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig


Bild: St. Peter im Schwarzwald
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