Landesverein Badische Heimat e.V.

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2/2016

200 JAHRE MITTENDRIN

Zum Jubiläum der Stadtkirche Karlsruhe

Eine Ausstellung in der Krypta der Evangelischen Stadtkirche
10. Juli 2016 bis 11. September 2016
Eröffnungsgottesdienst am 10. Juli um 10:30 Uhr

Am Pfingstsonntag im Jahr 1816 wurde die Evangelische Stadtkirche in Karlsruhe feierlich eingeweiht. Sie steht somit nun schon seit 200 Jahren im Herzen der Stadt am Marktplatz. Dieses Jubiläum ist Anlass für die Ausstellung „200 JAHRE MITTENDRIN“, die zusammen mit einer Reihe weiterer Veranstaltungen das Entstehungsjahr des Gotteshauses feiert.

Karlsruhe, Stadtkirche am MarktplatzDer Titel der Schau verweist dabei nicht nur auf die zentrale Lage des Weinbrenner-Baus inmitten der Stadt, sondern steht auch symbolisch für die wichtige Funktion der Kirche als Zentrum einer evangelischen Gemeinde.
Historische Ton- und Bildaufnahmen sowie Reproduktionen originaler Dokumente zeigen daher zum einen die Entwicklung der Kirche als Bau. Zum anderen sollen sie das stete Wandeln als Institution darlegen und Besucherinnen und Besucher animieren, eigene Gedanken und Erinnerungen einzubringen. Aktuelle Kunstwerke von Oleg Kauz, Dorina Strecker und Hilke Turré dienen als Dialogobjekte. Sie werden die Atmosphäre des einst prunkvoll mit Sternen ausgemalten Innenraums der Krypta wieder aufleben lassen.

Den symmetrisch angeordneten Nischen der Krypta folgend, ist die Ausstellung in acht Themenkomplexe aufgeteilt. Am Anfang steht die Grundsteinlegung im Jahr 1807 am 22. Geburtstag des Erbgroßherzogs Karl Ludwig Friedrichs.

Neun Jahre lagen zwischen Baubeginn und Weihe durch den ersten Pfarrer und Dekan Knittel. Mit dem stilistisch an antiken Tempeln angelehnten Bau konnte der damalige Badische Baudirektor einen wesentlichen Bestandteil zur Realisierung seiner langen, prachtvollen Achse zwischen Schloss und Ettlinger Tor, heute bekannt unter dem Namen „Via Triumphalis“, verwirklichen. Zusammen mit dem Rathaus, das 1825 fertig gestellt werden konnte, war so ein großräumiger Marktplatz entstanden, auf dem sich das städtische Leben, umrahmt von geistiger und weltlicher Macht, abspielte.

Zu Beginn des 20 Jahrhunderts erlebte die Stadtkirche eine Reihe von Veränderungen, so wurde beispielsweise das Kupferdach im Ersten Weltkrieg durch Schiefer ersetzt. Auch musste der Turm in den 1920er Jahren unterfangen werden, da er sich durch das Absinken des Grundwasserspiegels zusehends neigte. Im Dezember 1944 wurde die Kirche durch Bombenangriffe endgültig zerstört. Lediglich die Säulen und die Außenwände sowie Teile des Turms blieben erhalten.

Mit dem Ende des Kriegs stellten sich Fragen nach dem Umgang mit den Überresten. Schon im Herbst machten sich vor allem Jugendliche aus dem „Dörfle“ daran, die Trümmer der Kirche zu bergen und Zierrat zu sichern.
Ihr heutiges Aussehen erhielt sie durch den Architekten Horst Linde, dessen Entwurf aus einem Architekturwettbewerb als Sieger hervorging. Doch auch andere Entwürfe, unter anderem vom prominenten Karlsruher Architekten Egon Eiermann, standen zur Disposition und sollen in der Ausstellung mit Zeitdokumenten belegt werden.

Feier zur goldenen Hochzeit von Großherzog Friedrich I. am 20. September 1906, © Stadtarchiv Karlsruhe, Sign.: 8_Alben_312_28
Feier zur goldenen Hochzeit von Großherzog Friedrich I. am 20. September 1906, © Stadtarchiv Karlsruhe, Sign.: 8_Alben_312_28

Die Kirche wurde sich ihrer Bedeutung als Ort im Zentrum der Stadt und der Gemeinde zunehmend bewusster und öffnete ihre Tore für Projekte der städtischen Gesellschaft. So zeigen Fotos in der Ausstellung, dass in den 1970er Jahren die Krypta von Muslimen für Gebete genutzt wurde. Zudem wurde ein Museum eingerichtet. Das damals noch heimatlose ZKM organisierte in der Krypta eine Reihe von Ausstellungen. In diesem Jubiläumssommer findet eine weitere Form von Öffentlichkeit statt. Der Portikus wird gastronomisch genutzt, womit auch ein Zeichen für die Öffnung des Hauses gesetzt werden soll.

Dass Kirche nicht starr ist, sondern sich immer an neue Situationen und gesellschaftliche Normen anpassen muss ist ein wesentlicher Bestandteil einer lebendigen Gemeinde. Schon die Kleinsten finden ihren Platz in der Kinderstadtkirche, die für das Jubiläum ein eigenes, spannendes Projekt realisierte. Auch die Kirchenmusik und weitere Aktivitäten geben der Kirche ein lebendiges Gesicht.

Neben rein historischen und dokumentarischen Werken möchte die Schau auch Räume zur Besinnung bieten. Zwei Skulpturen von Hilke Turré rücken die menschliche Figur ins Zentrum und erinnern daran, dass der Mensch fragil und verletzlich ist, letztlich aber doch, vor allem in der Gemeinschaft, stark sein kann.

Arbeiten des Videokünstlers Oleg Kauz erinnern an die Ausmalung der Krypta mit einem Sternenhimmel, gleichzeitig schlagen sie inhaltlich einen Bogen zu den Anfängen der Krypta als Ausstellungsraum, der in die Anfangsjahre des ZKM datiert. Eine weitere Videoarbeit stammt von der jungen Künstlerin Dorina Strecker, die durch auf- und absteigenden Wolken ein Sinnbild für Wandlung und Veränderung schafft. Zugleich ist ihr Werk ein Stück Himmel im Untergeschoss der Kirche. Von ihrem Werk aus können Besucherinnen und Besucher bei gutem Wetter den Kirchturm besteigen und Karlsruhe von oben betrachtet, um so Weinbrenners Idee einer Kirche inmitten der Stadt unmittelbar nachvollziehen zu können.

Kuratiert wurde die Schau von Peter Liptau und Marco Hompes mit Unterstützung durch das Stadtarchiv Karlsruhe, das saai, die Firma Adam Wieland, die die Ausstellungsarchitektur in Form von Eiermann-Tischgestellen zur Verfügung stellte, und dessen daran angelehnte neuen Stellwände hier eine Premiere erfahren, dem Glockensachverständigen Kurt Kramer, dem Stadtmuseum und dem Badischen Landesmuseum.
Die Ausstellung wird am 10. Juli nach dem Gottesdienst (10.30 Uhr) in der Krypta eröffnet und u.a. von Bürgermeister Wolfram Jäger gewürdigt. Um 14 Uhr findet schließlich eine Führung unter dem Titel „Von der Krypta bis zum Engel“ mit „Friedrich Weinbrenner“ statt.


200 JAHRE MITTENDRIN
Krypta der Evangelischen Stadtkirche
Eröffnungsgottesdienst mit anschließender Ausstellungseinführung: So. 10.7.2016, 10.30 Uhr
10. Juli 2016 bis 11. September 2016
Mi.-Sa.: 14.00 - 17.00 Uhr, So.: 13.00 - 17.00 Uhr
Eintritt: frei

Aktuelle Informationen und Veranstaltungen:
10.Juli: 14 Uhr „Von der Krypta bis zum Engel“ – Führung mit Friedrich Weinbrenner
weitere Veranstaltungshinweise unter Facebook: 200 JAHRE MITTENDRIN und unter www.stadtkirche-karlsruhe.de
Kuratiert von Marco Hompes M.A. und Peter Liptau M.A.
Kontakt: Pfarrer Dirk Keller, dirk.keller@stadtkirche-karlsruhe.de, Telefon 0721-9204916
Kontakt: Pfarrerin Claudia Rauch, claudia.rauch@stadtkirche-karlsruhe.de, Telefon 0721-28342


Bild: St. Peter im Schwarzwald
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