Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

1/2016

Das Badische Landesmuseum 2016

OMG! - Objekte mit Geschichte im Badische Landesmuseum

Die Objekte im Detail: Ältere Objekte | Objekte des 20. Jahrhunderts

Die Jagd nach den 50er Jahren
13 Muschelkästchen, 1950er
Ankauf
Sind diese Muschelkästchen für Museen überhaupt sammlungswürdig? Als beliebtes Souvenir spiegeln sie die zunehmende Reiselust in den 1950er Jahren.
Massenhaft produziert, dokumentieren sie die damalige Alltagskultur und werden – heute aus der Mode gekommen – vielleicht in Zukunft kaum mehr zu finden sein. Dank der Sammellust des langjährigen Chefrestaurators Wolfgang Knobloch ist das Museum nun im Besitz solcher und vieler weiterer Alltagsgegenstände der
Wirtschaftswunderzeit.

Fantasien vom Orient
Dolchmesser mit Scheide, Anfang 20. Jh.
Schenkung 2011
Traumfabrik Film – auch bei diesen Dolchmessern ist Träumen erlaubt: Einst wa-ren sie im Besitz des Londoner Antiquitätenhändlers George Koch, der u.a. Re-quisiten an britische Film- und Fernsehstudios verlieh. Ob sie tatsächlich in einem Film ihren großen Auftritt hatten, ließ sich bislang noch nicht rekonstruieren. Ihre Form und Materialität führt in den Orient: Sie wurden für den touristischen Markt des Iran hergestellt und bedienen vermutlich bewusst westliche Klischees vom Orient. Gleichzeitig sind sie jedoch in ihrer Symbolik westlich beeinflusst.

Die Hexenmaske aus der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft diente 1987 bei einem Bankraub als Tarnung. Maske, 1980. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Kriminalfälle
Maske, 1980, Schenkung 2004
Zwei Münzen, 4. Jh., Zuteilung 2009
Hexenmaske und Münzen waren in Verbrechen verstrickt: So diente die eigens hierfür präparierte Maske einem Bankräuber 1987 als Tarnung und war im an-schließenden Prozess ein wichtiges Beweismittel.
Die beiden römischen Münzen mit den Profilen der Kaiser Valentinianus I. und Valens sind hingegen Hehlerware: Auf eBay illegal zum Kauf angeboten und er-steigert, wurden sie umgehend von der Polizei beschlagnahmt.

„Hitler sells“
Fahne, 1933–1945
Wandbild 1930er Jahre
Übernahme 2013
Hakenkreuz und Konterfei Adolf Hitlers fanden im Dritten Reich millionenfache Verbreitung: auf Plakaten, Fahnen oder Alltagsgegenständen. Aber auch heute noch floriert der Handel mit NS-Devotionalien, obwohl das öffentliche Zeigen und Verwenden sowie der Verkauf im großen Stil gesetzlich verboten sind.
Auch die ausgestellten Exponate sind bei einer Razzia beschlagnahmt worden. Die jetzige Präsentation wird durch eine gesetzliche Ausnahme ermöglicht, die u.a. für Institutionen der Kunst, Wissenschaft und Forschung gilt.

Zu Unrecht vergessen?
Schale mit Hakenkreuzen, 1933
Vase mit Reichsadler, 1939
Vase mit Tierherde, 1930–1935,
Erwerb 1982
1982 erwarb das Badische Landesmuseum 14.000 Keramiken von der Majolika-Manufaktur Karlsruhe. Beinahe zufällig befanden sich hierunter auch die ausgestellten Exponate – denn damals wären Objekte mit nationalsozialistischer Symbolik von den meisten Museen kaum gezielt angekauft worden.
Heute ist es ein Glücksfall, dass sie als wichtige Zeugnisse bewahrt werden konnten. Das Werk von Gustav Heinkel verdeutlicht dies anschaulich: In seinem breiten künstlerischen Schaffen finden sich neben NS-geprägten z. B. auch experimentelle, moderne Keramiken.

Brandschutt – Ausgewählte Metallobjekte aus dem zerstörten Karlsruher Schloss erzählen vom Schrecken des Krieges. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Nur Brandschutt?
Ausgewählte Metallobjekte aus dem zerstörten Karlsruher Schloss
Altbestand
27.09.1944 – bei einem heftigen Luftangriff der Alliierten wurde das Karlsruher Schloss fast vollständig zerstört. Große Teile der Sammlung hatte man vorher auslagern können, dennoch verblieb eine nicht unerhebliche Anzahl im Schloss-keller und fiel dem Brand zum Opfer. Jenseits ihrer ursprünglichen Bedeutung sowie historischen Einordnung erzählen die Exponate jetzt die Geschichte vom Schrecken des Krieges – und wie sie dennoch „überlebt“ haben.

Rettung in letzter Minute vor dem Abriss des Heidelberger Schlosspark-Casinos: Flötenspielerin von Emil Sutor, 1931. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Gerettet und wiederentdeckt
Saxophonspielerin, 1931
Zuteilung 1987
Eigentlich würde dieses Gipsrelief heute nicht mehr existieren. Geschaffen wurde es Anfang der 1930er Jahre vom badischen Künstler Emil Sutor für das Heidelberger Schlosspark-Casino. Die Saxophonspielerin schmückte als Teil eines Quartetts den dortigen Tanzraum. Als das Casino 1971 abgerissen wurde, konnten die Gipsreliefs gerettet und in Heidelberg eingelagert werden. 1987 wurden sie dem Badischen Landesmuseum übergeben und gerieten hiernach in Vergessenheit.

Im Zweiten Weltkrieg wurden 17 Gemälde aus dem Besitz der Familie Storck im Badischen Landesmuseum eingelagert. Nach dem Krieg forderte die Witwe lediglich 16 Gemälde zurück – das Portrait ihres verstorbenen Mannes war nicht darunter. Bildnis des Willy F. Storck, 1911. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Gerettet und gestrandet
Bildnis des Willy F. Storck, 1911
Schenkung von Prof. Dr. Joachim W. Storck 2011
Dieses Porträt des Willy F. Storck vom Künstler Hans Brasch ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Sowohl seine expressive Farbgebung als auch seine Erwerbungsgeschichte sind in der hiesigen Sammlung einzigartig.
Im Zweiten Weltkrieg wurden 17 Gemälde aus dem Besitz der Familie Storck im Badischen Landesmuseum eingelagert. Nach dem Krieg forderte die Witwe lediglich 16 der Gemälde zurück, das Porträt ihres verstorbenen Mannes war nicht darunter. Ihre Beweggründe sind nicht bekannt und werden wohl für immer ihr Geheimnis bleiben.

Bilder mit Geschichte
Gemälde Altertum, 1875, Erwerb 2014
Gemälde Neuzeit, 1884, Erwerb 1988
Das Gemälde Altertum und die kleinformatige Skizze Neuzeit des Karlsruher Ma-lers Ferdinand Keller (1842–1922) bildeten die Vorlagen für zwei monumentale Wandfresken. Sie hingen im Treppenhaus des Großherzoglichen Sammlungsge-bäudes in Karlsruhe – dem heutigen Staatlichen Museum für Naturkunde. 1944 wurde das zum Teil zerstörte Fresko Altertum abgenommen, gesichert und an unbekannten Ort verbracht. Das Fresko Neuzeit war hingegen durch Bombenein-schläge zu stark beschädigt und wurde letztlich abgerissen.

Zehn Trachtenpuppen, 1980er Jahre. Mit dem Verkauf der Sammlung an das Badische Landesmuseum verband die Sammlerin ihr damaliges politisches Engagement: Den Erlös nutzte sie anschließend zum Freikauf eines palästinensischen Gefangenen. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Die Liebe zum Detail
Zehn Trachtenpuppen, 1980er
Erwerb 2010
Das muss Heimatliebe sein! – Gerlinde Scherer ließ in den 1980er Jahren für ihre Privatsammlung verschiedene Schwarzwälder Puppen-Trachten von befreundeten Bäuerinnen möglichst authentisch anfertigen. Mit dem Verkauf der Sammlung an das Badische Landesmuseum verband die Sammlerin ihr damaliges politisches Engagement: Den Erlös nutzte sie zum Freikauf eines palästinensischen Gefangenen.

Ostertisch
Leuchter, Ikone, Drei Teller, Fünf Ostereier, 1980
Ankauf 2004
Eine Sammlung ist immer so gut wie ihre Dokumentation – das Beispiel Maud Pohlmeyer verdeutlicht dies auf vorbildliche Weise. Sie sammelte religiöse Volkskunst aus verschiedenen Teilen der Erde: Weihnachtskrippen, Votivgaben, Pietà-Darstellungen, Heiligenfiguren etc. Dabei wies sie stets nach, woher die Objekte stammten, und machte ihre Sammlung ab 1980 der Öffentlichkeit zugänglich.
Sämtliche ausgestellten Objekte des inszenierten ukrainischen Ostertischs hatte Pohlmeyer aus dem Kloster des Studiten-Ordens Maria Schutz, einem byzantinisch-slawischen Frauenkloster in Emmerich am Rhein, erworben.

Grottenmöbel, um 1890–1930. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Uli Deck

Fantastische Grottenmöbel
Grottenmöbel, um 1890–1930
Übernahme 2007
Die Geschichte der extravaganten Grottenmöbel war lange Zeit vergessen. Als das Mobiliar in den 1930er Jahren vermehrt auf dem Kunstmarkt auftauchte, rätselten Kunsthistoriker über Entstehungszeit und -ort. Meist wurden sie ins Barockzeitalter datiert. Doch Spuren maschineller Herstellung und eine Verkaufsbroschüre führten zu einer venezianischen Firma, die diese Stücke wahrscheinlich 1890–1930 produ-zierte. Von dem hier gezeigten Ensemble ist lediglich bekannt, dass es einem Karlsruher Zahnarzt-Ehepaar gehört haben soll und hiernach in der Requisite des Badischen Staatstheaters verwahrt wurde.

Ein Schmuckstück? Toilettenkanne aus gegerbtem Leder, Mitte 20. Jh. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Ein Schmuckstück?
Toilettenkanne, Mitte 20. Jh.
Toilettenschlauch , 21. Jh.
Toilettenkanne, 21. Jh.
Schenkung 2011
In den 1960er Jahren kaufte das deutsche Ehepaar Boomers im Iran zahlreiche Antiquitäten, darunter diese Kanne aus gegerbtem Leder. Sie zierte als kurioses Schmuckstück jahrelang ihre Teheraner Wohnung.
Jedoch ist die Kanne kein gewöhnlicher Dekor, sondern diente vielmehr der körperlichen Hygiene nach dem Toilettengang. Im Iran sowie in weiten Teilen Asiens und der islamischen Welt ist es bis heute üblich, dafür Wasser zu verwenden. In öffentlichen Toiletten finden sich inzwischen Plastikkannen, in privaten Haushal-ten werden jedoch Wasserschläuche bevorzugt.

 

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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