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1/2016

Das Badische Landesmuseum 2016

OMG! - Objekte mit Geschichte im Badische Landesmuseum

Die Objekte im Detail: Ältere Objekte | Objekte des 20. Jahrhunderts

Zweifelhafte Nubier. Ist dieses Relief eine Fälschung? Relief, Ende 14. Jh. v. Chr. (?) © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Uli Deck

Zweifelhafte Nubier
Relief, Ende 14. Jh. v. Chr. (?)
Erwerb 1968
Ist dieses Relief eine Fälschung? – Es kann stilistisch dem Ende des 14. Jhs. v. Chr. zugeordnet werden und wurde 1968 aus dem Nachlass des Antikenhändlers Oxan Aslanian erworben. Stutzig macht jedoch Folgendes: Neben seiner Tätigkeit als Händler war Aslanian auch ein berühmter Fälscher, der in den 1930er Jahren weltweit mehrere Museen und Wissenschaftler hinters Licht führte. Seine hochwertigen Fälschungen brachten ihm sogar den Spitznamen „Berliner Meister“ ein. Die Echtheit des Reliefs müssen weitere Untersuchungen ergeben.

Lukratives Tauschgeschäft: Vor rund 60 Jahren wurde diese antike Bügelkanne in einem Krämerladen in Athen gegen einen Phillips-Rasierer eingetauscht. Foto: BLM/Th. Goldschmidt

Wahres statt Bares
Bügelkanne, 13./14. Jh. v. Chr.
Schenkung von Prof. Hans-Peter Knell 2013
Entspricht eine Mykenische Bügelkanne einem modernen Rasierer? Zumindest manchmal… Im Mai 2013 schenkte Prof. Hans-Peter Knell, ehemaliger Theaterregisseur in Karlsruhe, dem Badischen Landesmuseum diese Bügelkanne. Das Gefäß hatte er 1954 als junger Mann auf einer Reise durch Griechenland in einem Krämerladen in Athen entdeckt. Nach dreitägiger Verhandlung kam ein ungewöhnliches Ge-schäft zustande: Der Händler tauschte seine Bügelkanne gegen Knells elektri-schen Phillips-Rasierer. Ihre archäologische Bedeutung hatte der Krämer vermut-lich nicht geahnt.

Der wahre Schatz der Archäologen
Fingerring, 2.–3. Jh.
Spielsteine, 2.–3. Jh.
Terra Sigillata, 190–240 Jh.
Münze, 196–211 Jh.
Löffel, 3. Jh.
Hahn-Figur, 2.–3. Jh.
Muschel, 2.–3. Jh.
Ausgrabung 1984–87
Auch auf den ersten Blick unspektakuläre Objekte sind wichtig für die Rekonstruktion von Geschichte. Meistens landen jedoch genau diese in den Regalen der Museumsdepots und verschwinden damit aus dem Bewusstsein der Besu-cher. Das ausgestellte Material aus dem Römischen Gutshof bei Großsachsen liefert kleine, aber wichtige Indizien für die Deutung des Fundortes. Die Objekte veran-schaulichen, zusammen mit den freigelegten Bauresten, die zwischen 120–233 n. Chr. herrschende Alltagskultur und den zunehmenden Wohlstand des Guts-herrn.

Nur für einen Orden…
Sammlung Jespersen, Mittelsteinzeit-Frühmittelalter
Schenkung 1884
Warum lassen sich an vielen deutschen Museen Kollektionen vorgeschichtlicher Steingeräte aus Dänemark finden? Auch das Badische Landesmuseum besitzt eine 170 Teile umfassende „Vorgeschichtssammlung“. Der Däne Hans-Christian Jespersen schenkte sie 1884 dem Badischen Großherzog. Allerdings handelte Jespersen weniger aus Interesse an der Urgeschichte, als der Verleihung eines Ordens, den er vom Großherzog für seine Schenkung auch erhielt. Denn: Archäologische Artefakte waren Ende des 19. Jhs. ein beliebtes Mittel, um an die be-gehrten Auszeichnungen zu gelangen.

100 Jahre sollte es dauern bis diese Pötte an ihren jetzigen Aufbewahrungsort gelangten, inzwischen waren die Gefäße mit Tarnfarbe überstrichen. Hallstattzeitliche Gefäße, 800–650 v. Chr. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Des Pfarrers Pötte
Drei Hallstattzeitliche Gefäße, 800–650 v. Chr.
Ausgrabung 1911, Rückgabe 2010
Fast 100 Jahre sollte es dauern, bis diese Exponate an ihren jetzigen Aufbewah-rungsort gelangten. Bei einer Ausgrabung der Badischen Altertümerverwaltung wurden die drei Gefäße 1911 aus einem Grabhügel der älteren Hallstattzeit im Kraichgau geborgen und inventarisiert. Der mithelfende, ortsansässige Pfarrer behielt kurzerhand die ausgestellten Objekte als persönliches Andenken.
Obwohl das Badische Landesmuseum sie über Jahre hinweg zurückverlangte, kamen erst seine Erben der Forderung nach – und übergaben die Gefäße, welche inzwischen mit Tarnfarbe überstrichen waren.

Weltkriegsbeute
Zwei eisenzeitliche Keramikgefäße, ca. 400 v. Chr.
Abgabe 1915
Münzfund, 3. Jh.
Abgabe nach 1945
Die hier präsentierten Exponate haben eines gemeinsam: Sie wurden im Ersten Weltkrieg von deutschen Soldaten in Frankreich entdeckt.
Die eisenzeitlichen Keramikgefäße waren ursprünglich Teil einer Grabbeigabe und kamen nach ihrem Fund im Schützengraben direkt ins Badische Landesmuseum.
Fast zur gleichen Zeit fanden Soldaten in der Champagne einen römischen Münz-hort. Möglicherweise einst vor einer drohenden kriegerischen Auseinander-setzung vergraben, wurden die Münzen – ironischerweise wiederum bei einer Schlacht – dem Erdboden entrissen.

Die Sammlung Maler
Weihrauchständer, 520–500 v. Chr.
Fünf Kannen, 5.–6. Jh. v. Chr.
Lituus-Fragment, 4. Jh. v. Chr.
Erwerb 1853
Das Badische Landesmuseum verdankt diese Sammlung der Weitsicht einer Per-son: Friedrich Maler. Dieser war als Badischer Geschäftsträger in Rom tätig und erjagte Kunstschätze für die Großherzogliche Sammlung. Für Etruskische Bronzen konnte er den Großherzog jedoch zunächst nicht begeistern.
Überzeugt vom historischen und künstlerischen Wert, kaufte Maler mehr als 800 Bronzen über die Jahre hinweg auf eigene Rechnung. Erst als der Louvre in Paris Interesse bekundete, bewilligte der badische Großherzog den Ankauf. Heute ist die Kollektion eine der ältesten Konvolute des Badischen Landesmuseums.

Zwei und drei macht vier?
Glasfensterscheibe
Bodenseeraum, um 1300
Das Wiedervereinen von zusammengehörenden Objekten, Konvoluten oder Sammlungen erfordert Geduld und auch ein gewisses Quäntchen Glück.
Bei der Versteigerung einer der bedeutendsten Glassammlungen in den 1890ern konnte die Großherzogliche Sammlung für Altertums- und Völkerkunde u.a. zwei von vier Glasfensterscheiben eines mehrteiligen Christus Zyklus erwerben. Erst 100 Jahre später gelang es, eine der beiden anderen Scheiben anzukaufen. Das Badische Landesmuseum hofft, irgendwann auch die verschollene vierte Scheibe zu finden und mit den anderen wieder zusammenführen zu können.

Unter Verdacht!
Tapisserie, Oudenaarde/Ostflandern(?), um 1700
Zuteilung nach 1945
Diese Wandtextilie kann erst nach 1945 im Inventar nachgewiesen werden – was Misstrauen erweckte und eine Überprüfung seiner Erwerbungsgeschichte notwendig machte. Doch der Anfangsverdacht bestätigte sich nicht:
Die Tapisserie, die einst der Familie Krupp gehörte, wurde 1940 bei der Versteigerung ihrer Villa Meineck in Baden-Baden für die Einrichtung der neuen Reichsuniversität Straßburg rechtmäßig erworben. Da das Bauprojekt des Karlsruher Architekten Schelling kriegsbedingt nicht verwirklicht werden konnte, wurde der Teppich eingelagert und letztlich dem Badischen Landesmuseum zugeteilt.

Ein reisefreudiges Apothekergefäß: Albarello, Castelli (?), Anfang 16. Jh. © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Th. Goldschmidt

Ein reisefreudiges Apothekengefäß
Albarello , Castelli(?), Anfang 16. Jh.
Ankauf 1972
Als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Eigentum harrt dieses pharmazeutische Gefäß seit 2007 der Restitution. Der sogenannte Albarello gehörte zur Majolika-Sammlung des jüdischen Kunstmäzens Dr. Alfred Pringsheim, die aus ca. 440 Stücken bestand. Nach der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens war es Pringsheim nicht mehr möglich, seine Sammlung aus NS-Deutschland auszuführen. Um ausreisen zu können, war er gezwungen, seine komplette Sammlung 1938 bei Sotheby’s in London zu versteigern. So gelangte das Gefäß über Paris nach New York, wo es 1972 vom Badischen Landesmuseum erworben wurde.

Ein schlechter Tausch
Bauer mit Schneeball, um 1760
Kleine Polin, 1774
Tasse mit Untertasse, um 1765
Ringtausch 1935
Diese Porzellane stehen beispielhaft für den wohl schlechtesten Tausch des Badischen Landesmuseums. 1935 wurde zwischen verschiedenen Institutionen des Landes Baden und der Stadt Mannheim ein Ringtausch durchgeführt: Aus Mannheim gingen eine Schädelsammlung und ägyptologische Stücke an die Uni-versitäten Freiburg und Heidelberg sowie einige Objekte an die Landessammlung für Naturkunde Karlsruhe. Das Badische Landesmuseum gab hingegen fast seine komplette ethnographische Sammlung im Wert von min. 30.000 RM ab und er-hielt im Gegenzug lediglich sieben Frankenthaler Porzellane im Wert von 1.500 RM.

Im Laufe der Zeit
Standuhr, London, 2. Hälfte 18. Jh.
Zuteilung 1919
Das Besondere an dieser Uhr: Auf der Türinnenseite des Gehäuses haben sich über die Jahrhunderte hinweg drei Schriftstücke erhalten, die eine fast lückenlo-se Herkunftsgeschichte erzählen. Die Standuhr kam 1803 von Mannheim nach Karlsruhe ins Kriegsministerium. Ab 1871 unter preußischer Verwaltung, wurde die Uhr in die Intendantur des 14. Armeekorps gebracht. Im Zuge des Aufbaus eines Heeresmuseums ist sie 1919 dann dem Badischen Landesmuseum übereignet worden.

Grottenmöbel, um 1890–1930 © Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Foto: Uli Deck

Ein Brief von Heinrich Schliemann
Schliemann Autograph
25.04.1886
Schenkung 1886
Bei Digitalisierungsarbeiten 2004 entdeckte die Museumsbibliothekarin des Badi-schen Landesmuseums etwas Außergewöhnliches: In der französischen Erstaus-gabe von Heinrich Schliemanns veröffentlichtem Grabungsbericht aus Tiryns be-fanden sich ein handschriftlicher Brief und eine Fotografie des berühmten Ar-chäologen. Über die Jahrzehnte waren sie wohl in Vergessenheit geraten – ob-wohl gerade der Brief die Rolle Schliemanns in einem damaligen Karlsruher Skan-dal klärt.

 

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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