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3/2015

„Raupe Nimmersatt“ macht sich breit - Invasive Zickzack-Blattwespe in Ostdeutschland entdeckt

Charakteristische Fraßspuren der Zick-Zack-Wespe © SDEI/Andrew Liston) Die eingewanderte Zickzack-Blattwespe breitet sich rasch in Deutschland aus. Wissenschaftler des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institutes in Müncheberg haben herausgefunden, dass das Insekt mit den charakteristischen Fraßspuren (Bild links - © SDEI/Andrew Liston) dabei Strecken zwischen 50 und 90 Kilometern im Jahr zurücklegen kann. Ein Befall durch den Schädling kann zu völligem Kahlfraß an Ulmen führen; erstmals wurde auch ein Vorkommen auf Zuchtformen der Laubbäume entdeckt. Die Studie wurde im Fachmagazin „Journal of Hymenoptera Research“ veröffentlicht.

Die Zickzack-Blattwespe heißt, wie sie frisst: Mal nach rechts, mal nach links beißen sich die Larven von Aproceros leucopoda durch die Blätter und erzeugen so ihre charakteristischen Fraßspuren.
Erstmals wurden die ursprünglich aus Ostasien stammenden Insekten vor fünf Jahren in Deutschland gesichtet. „Damals waren die Tiere aber nur vereinzelt im südöstlichen Bayern zu finden“, erzählt Dr. Stephan Blank vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und fährt fort: „Unsere aktuelle Untersuchung zeigt aber, dass sich die invasive Pflanzenwespe nun sowohl in Bayern als auch in weiten Teilen Ostdeutschlands ausgebreitet hat.“

Die bis zu einen Zentimeter langen Larven der Zickzack-Blattwespe fressen ausschließlich an Ulmen; ein Befall kann zu völligem Kahlfraß an den Laubbäumen führen. Schäden wurden sowohl in Wäldern als auch in Ortschaften und Gärten beobachtet, wo Ulmen als Zier- oder Alleebäume stehen.

Die Befürchtungen der Senckenberg-Wissenschaftler, die bereits 2013 die Öffentlichkeit zur Meldung von Funden des Insektes aufriefen, haben sich bestätigt: Die Zickzackwespe breitet sich weiter in Deutschland aus. „Und das in einem – für ein nur 6 Millimeter kleines Tier – rasantem Tempo“, erläutert der Müncheberger Insektenforscher. Zwischen 50 und 90 Kilometer kann die Blattwespe im Jahr zurücklegen.

Dies und die Tatsache, dass sich die eingewanderten Insekten sehr schnell vermehren – die Zickzackwespe bringt bis zu vier Generationen im Jahr hervor – „wird schnell zu einer weiteren Ausbreitung führen“, prophezeit Blank.

Ulmen sind in vielen Regionen Europas bereits vom sogenannten "Ulmensterben", einer aggressiven Pilzinfektion, betroffen. Um dem Sterben vorzubeugen, wurden resistente Ulmen gezüchtet, die häufig als Zierde entlang Straßen oder in Parks angepflanzt werden. „Doch auch vor diesen Zuchtbäumen macht die Zickzack-Blattwespe nicht halt“, weiß der Entomologe aus Müncheberg. Die heimische Flatterulme Ulmus laevis bleibt dagegen von den gefräßigen Larven meistens verschont – „warum weiß bisher niemand“, ergänzt Blank.

Auch in deutschen Nachbarländern, wie Belgien oder den Niederlanden, fühlt sich die Zickzack-Blattwespe mittlerweile wohl. Da diese Vorkommen bis zu 600 Kilometer von den Verbreitungsgebieten in Bayern oder Ostdeutschland entfernt liegen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Wespen auch passiv durch den Menschen verschleppt werden.

Die Zickzack-Blattwespe steht bereits als Schädling auf der Liste der Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum (EPPO). „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass die Zickzack-Blattwespe ernstzunehmendes Schadpotential an den europäischen Ulmenbeständen haben“, fasst Blank zusammen und ergänzt: „Wir freuen uns über Einsendungen und Beobachtungen zur Zickzack-Wespe, um den eingewanderten Schädling auch weiterhin beobachten zu können.“

Die aktuelle Verbreitungskarte des invasiven Schädlings und weitere Informationen finden Sie unter: http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=17858.

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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