Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

3/2015

Aus den Tiefen der Bibliothek

Es ist kein dunkles Kapitel nur der Badischen Heimat, das sich da in den Schätzen äußert, die aus der Bibliothek des Vereins in der Freiburger Hansjakobstraße gehoben wuden - es ist ein dunkles Kapitel der deutschen Nation. Ohne die Möglichkeit, ihre eigenen Maßstäbe zu relativieren, ohne die Möglichkeit, die Niederlage im 1. Weltkrieg aufzuarbeiten, warf sich ein ganzes Volk den Nationalisten in die Arme. Und das nicht erst 1933, sondern schon 1918.
Wir bringen hier aus der Asservatenkammer unserer Bibliothek einige "Blüten", die uns heute ein Lachen abnötigen könnten, wenn es nicht so ernst wäre. Soziales ist dabei ebenso wie Nationales.
Die Titel waren schon vor einiger Zeit ausgesondert und stehen längst nicht mehr in der Arbeitsbibliothek. Sie demonstrieren die Selbstverständlichkeit, mit der zwischen 1890 und 1930 nationale Phrasen den Blätterwald durchzogen, sie demonstrieren (und entlarven) die Werte, die im nationalen Lager galten. Aus diesem Grund wandern die Titel aus der Bibliothek ins Archiv.


Die "Soziale Frage" wurde als "Krankheit" angesehen, die es zu heilen galt. Ein Titel aus der Frühzeit des Vereins, als er sich noch der "ländlichen Wohlfahrtspflege" widmete. Ein Titel von 1883.


"Armut" ist heute ein in der Soziologie üblicher Begriff. Von "Armenverbänden" würde heute auch niemand mehr gerne reden. 1892.


1890 stand man am Anfang einer Bewegung, die in der Natur einen notwendigen Ausgleich, ja einen Gegenpol gegen die ungesunde städtische Umwelt sah.


Dass sich die Wissenschaft der Volkskunde im Grunde von Anfang an in den Dienst des Nationalismus stellte, ist zwar bekannt, aber eine so deutliche Stellungnahme überrascht dann doch hin und wieder (Titel von 1913).


Was hier fast wie eine Satire anmutet ("Stell dir vor, der Krieg ist vorbei und du hast nichts anzuziehen"), ist natürlich eine harte Streitschrift für das Deutsche, das Angestammte, das Ursprüngliche und Traditionelle und gegen das Fremde, das Städtische in der Kleidung. Selbstverständlich hat man in der Steiermark Tracht zu tragen, meint der Verfasser.


Diese Schrift könnte eigentlich fast aktuell sein, wenn sie nicht einen unerträglichen antimodernistischen Grundton hätte.


Eine sozialpolitische Informationsschrift, an der wenig zu kritisieren ist. Nur der unverfrorene Gebrauch des Worts "Krüppel" befremdet heute doch sehr.


Fast möchte man sagen "Lasst uns für die Erhaltung der deutschen Kultur kämpfen", wenn es hier um kulturelles Erbe in unserem Sinn und nicht um nationalistisches Gedankengut ginge.


Der Herausgeber, die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, verrät schon, um was es hier geht: Um die Gefahr der Syphilis und anderer Krankheiten. Und die wird, so der Autor, "auf dem Lande vielfach noch nicht" erkannt. Die Badische Heimat hat - überflüssig, darauf hinzuweisen - seit ungefähr 95 Jahren ein anderes Arbeitsgebiet. Oder doch erst seit 70 Jahren?


"Flugblatt dem Deutschtum zum Schutz und Trutz" heißt das Blatt von 1882, das den nationalen Bestrebungen der Ungarn die nationalen Bestrebungen der Deutschen in Ungarn entgegenstellt - um nicht zu sagen, den Nationalismus der Einen mit dem Nationalismus der Anderen beantwortet.

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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