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2/2015

Splitter aus der Landeskunde

Freischein zum Ausplündern - der mittelalterliche Adel und die Klöster

Die Zweiheit der veldenzischen Burgen Lichtenberg und Michelsberg ist ein deutlicher Ausdruck, wie der vom mittelalterlichen Adel ausgeübte "Schutz" über Kirchengut missbraucht werden konnte. Eine geistliche Institution brauchte in der Rechtsvorstellung des Mittelalters einen advocatus, einen Vogt, der sie vor Gericht vertrat, der die blutgerichtsbarkeit ausübte und der es auch militärisch schützte. Diese Vogtei war ursprünglich Bestandteil des "Eigenkirchenwesens", nachdem auch die Kirche und ihre Güter einen weltlichen Besitzer hatten. Der unmittelbare Besitzanspruch bestand zwar nach dem Investiturstreit des 11. Jahrhunderts nicht mehr, aber eine Klostervogtei war immer noch ein wichtiger Aktivposten im Besitz des Adels.

Es gibt Klöster, die wurden vom Adel regelrecht ausgeplündert, und gerade das frühe 13. Jahrhundert gibt noch einige Beispiele, dass manche Klöster ihren Besitz mit Zähnen und Klauen gegen die Ansprüche des Adels verteidigen mussten. In der engeren Umgebung sind das die Burg Windeck und die Gründung der Neustadt Weinheim, dann der Versuch des Herrn von Strahlenberg, sich Schriesheim anzueignen. Im späteren pfälzischen Umkreis beutet der Graf von Veldenz das Kloster auf dem Remigiusberg seine Stellung als Vogt geradezu schamlos aus, indem er zunächst 1214 Burg Lichtenberg auf Klostergebiet baut - ohne Genehmigung, und dann dem königlichen Einspruch trotzend -, dann, wohl um 1260, die Burg Michelsberg unmittelbar dem Kloster gegenüber.

Bild: Blick durch eine Fensteröffnung der Burg Michelsberg auf die benachbarte Kirche des ehemaligen Klosters Remigiusberg.

Im mittel- und südbadischen Bereich ist es vor allem die Stellung der Herren von Geroldseck, die auf langer Aneignung von Besitz des Klosters Schuttern (und evtl. noch weiterer Klöster) beruht. Die allerdings geht wohl schon auf das 11. und 12. Jahrhundert zurück und harrt noch ihrer detaillierten Erforschung.

In der Zeit der Reformation konnten viele Fürsten ihre Vogteirechte dazu ausnutzen, "ihre" Klöster zu "reformieren", d. h. aufzulösen und ihrem Fürstentum unmittelbar einzuverleiben.

Burg Michelsberg, von der gegenüber liegenden Seite des ehem. Klosters Remigiusberg aus gesehen

 
Bild: St. Peter im Schwarzwald
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