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2/2015

Aggressiver Amphibienkeim bedroht einheimische Feuersalamander

Tödlicher Salamanderpilz erstmals in Deutschland nachgewiesen

Amphibien gehören weltweit zur am stärksten bedrohten und am schnellsten schwindenden Wirbeltiergruppe. Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume durch den Menschen, ist vor allem eine weltweit auftretende Pilzerkrankung für den dramatischen Rückgang einzelner Arten verantwortlich. Ein internationales Forschungsteam um die Evolutionsbiologen Sebastian Steinfartz und Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig hat nun erstmals die Amphibien-Chytridpilze Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) und Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) in Deutschland nachgewiesen.

Bsal-infizierter Feuersalamander mit deutlich erkennbaren LäsionenBesonders „Bsal“, der auch als Salamanderpilz bezeichnet wird, ist hochgradig krankheitserregend und hat bereits in den Niederlanden und Belgien innerhalb weniger Jahre nachweislich zum Aussterben ganzer Populationen des Feuersalamanders in Freiheit geführt. Zurzeit gehe man davon aus, so die Braunschweiger Wissenschaftler, dass sich „Bsal“ über aus Asien importierte Molche in die natürlichen Vorkommen in den Niederlanden und Belgien gelangt sei. Eine Ausbreitung des Pilzes in Deutschland war daher ebenfalls sehr wahrscheinlich und zu befürchten.

Bild: Bsal-infizierter Feuersalamander mit deutlich erkennbaren Läsionen. © TU Braunschweig

Einem Team von Forscherinnen und Forschern um Dr. Sebastian Steinfartz und Prof. Miguel Vences vom Zoologischen Institut der Technischen Universität Braunschweig ist es im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Forschungsprojektes gelungen, den Salamanderpilz zum ersten Mal innerhalb Deutschlands nachzuweisen. Der positive Nachweis von „Bsal“, konnte in einer privaten Haltung von Feuersalamandern geführt werden. „Die infizierten Salamander zeigten klassische Symptome wie Hautblessuren und offene Geschwülste und starben innerhalb weniger Tage“ berichtet Steinfartz. Erstaunt waren die Forscher auch über die Aggressivität des Pilzes: Alle Feuersalamanderarten, auch solche, die nicht in Europa vorkommen, seien vom Pilz infiziert worden, berichten die Forscher in dem internationalen Fachjournal Amphibia-Reptilia.

Die Forscher sehen in der nachgewiesenen Infektion eine große Bedrohung für die einheimische Amphibienfauna. „Wir können jetzt nicht die Augen verschließen und müssen zusammen mit Naturschützern, Behörden und privaten Haltern handeln, um eine weitere Ausbreitung des Pilzes zu vermeiden“ argumentiert Vences. Um die freilebenden Salamanderpopulationen in Deutschland zu schützen, arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem mit der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) und mit den zuständigen Naturschutzbehörden zusammen. Besonders wichtig, so die Forscher, seien Quarantäne- und Sicherheitsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit privaten Haltern, aber auch ein intensives Monitoring für den Pilz in natürlichen Populationen. „Hoffnungsvoll stimmt, dass die Pilzinfektion, wenn sie rechtzeitig bei den Salamandern erkannt wird, durch eine kurzzeitige Anhebung der Temperatur auf 25°C effektiv bekämpft werden kann“, erklärt Steinfartz abschließend.

Zur Publikation
Joana Sabino-Pinto, Molly Bletz, Ralf Hendrix, R.G. Bina Perl, An Martel, Frank Pasmans, Stefan Lötters, Frank Mutschmann, Dirk S. Schmeller, Benedikt R. Schmidt, Michael Veith, Norman Wagner, Miguel Vences, Sebastian Steinfartz: First detection of the emerging fungal pathogen Batrachochytrium salamandrivorans in Germany. Amphibia-Reptilia (2015); DOI:10.1163/15685381-00003008.

Stephan Nachtigall Presse und Kommunikation
Technische Universität Braunschweig

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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