Landesverein Badische Heimat e.V.

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2/2015

Splitter aus der Landeskunde

Ab- und Aussterben

Immer wieder hört man von Dynastien und Familien des Mittelalters und der Neuzeit, sie seien ausgestorben. Das erinnert irgendwie an Dinosaurier und Neanderthaler.
Das Aussterben von Familien ist jedoch eher ein juristischer als ein biologischer Begriff. Was nach dem Zeitpunkt des Aussterbens nicht mehr da ist, ist ein Mensch aus einem bestimmten Verwandtenkreis, der bestimmte Herrschaftsrechte ausübte. Um ein Beispiel zu nennen:

Georg Pencz: Bildnis des Pfalzgrafen Ottheinrich, um 1550. St. Petersburg, Eremitage (The Yorck Project/Digital Publishing/ Wikimedia Commons/ arthemitage.org)Als mit Kurfürst Ottheinrich die alte Kurlinie ausstarb, war niemand mehr aus der Nachkommenschaft von König Ruprechts Sohn Ludwig III. da, der berechtigt gewesen wäre, das Amt des Kurfürsten von der Pfalz auszuüben und über die Kurpfalz zu regieren.

Bild: Georg Pencz: Bildnis des Pfalzgrafen Ottheinrich, um 1550. St. Petersburg, Eremitage (The Yorck Project/Digital Publishing/ Wikimedia Commons/ arthemitage.org)

Kurfürstenwürde und Besitz gingen an den nach Reichsrecht nächsten Berechtigten über, das war der zu dieser Zeit älteste lebende Nachkomme von Ludwig III. Bruder Stephan und seines ältesten Sohnes Johann von Simmern, Herzog Friedrich II. von Simmern, als Heidelberger Kurfürst Friedrich III.

Letztendlich sind von allen 18 dynastischen Linien der Nachkommen des ersten wittelsbachischen Pfalzgrafen Ludwig, der 1214 die Pfalzgrafschaft erhielt, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts alle bis auf eine einzige "ausgestorben". Das war die Linie des Pfalzgrafen von Zweibrücken-Birkenfeld-Bischweiler, und ihr Vertreter Maximilian Joseph erbte alles, was noch da war.

Und natürlich wusste jeder der Beteiligten, wer einem künftigen Erbe am nächsten stand. Das könnte, je nach politischer Lage, ein beruhigendes oder ein beängstigendes Gefühl sein.

So wie aber die Gene der ausgestorbenen Dinosaurier noch in unseren Vögeln und Reptilien fortleben, leben auch die Gene der "alten Kurlinie" in sehr vielen der europäischen Fürsten- und Königshäuser fort. Biologisches Aussterben geht nicht wirklich. Da müssten von Anfang an ausschließlich Söhne gezeugt worden sein.
Aber was, wenn einmal überhaupt niemand aus der männlichen Nachkommenschaft mehr lebt? Dann wird der Lehensbesitz vom Herrn eingezogen - und wenn auch wirklich kein anderer Erbe mehr da ist, fällt auch das Privateigentum an den Grafen/Herzog/Herrn zurück.

Und eines der "ausgestorbenen" Geschlechter lebt ebenfalls in seinen Genen noch fort: Das britische Königshaus hat in seiner Ahnentafel - Walther von Geroldseck, den Erbauer der Stammburg Hohengeroldseck. Sein lezter männlicher Nachkomme, Jakob, gestorben 1634, hatte keine männlichen und erbberechtigten Verwandten mehr. Biologie ist eben Biologie.

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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