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1/2015

Neue Wege im Rapsanbau

Die Anbauflächen von Raps wachsen in Deutschland kontinuierlich. Im Kampf gegen Schädlinge wie den Rapsglanzkäfer kommen deshalb auch steigende Mengen von Insektiziden zum Einsatz. Wissenschaftler der Uni Würzburg haben jetzt eine einfache Alternative zu dieser „chemischen Keule“ entdeckt.

Durch den zunehmenden Anbau von Biokraftstoffen wie etwa Raps haben sich die Landschaften in Deutschland drastisch verändert. So ist nach Angaben der Welternährungsorganisation die Anbaufläche von Raps in den vergangenen 20 Jahren um knapp 50 Prozent gewachsen; parallel dazu hat sich die Rapsproduktion in dieser Zeit verdoppelt. Dieser Zuwachs kommt auch Schädlingen wie dem Rapsglanzkäfer der Art Meligethes aeneus zu Gute: Regelmäßig sorgt er für deutliche Ertragseinbußen; nur mit intensivem Einsatz von Insektiziden lässt er sich in Schach halten.

Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus). Foto: Gudrun Schneider
Rapsglanzkäfer (Brassicogethes aeneus). Foto: Gudrun Schneider

Publikation im Journal of Applied Ecology

Neue Erkenntnisse zeigen jetzt, dass sich der Schädlingsdruck mit relativ einfachen Mitteln vermindern lässt: Wenn die Landwirte den Flächenanteil von Raps innerhalb einer Region über mehrere Jahre hinweg koordinieren, sinkt die Zahl der Schädlinge deutlich. Das berichtet ein Forschungsteam aus dem Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie (Zoologie III) der Universität Würzburg in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology.

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler untersucht, wie sich die Anbaufläche von Raps und die jährliche Zu- oder Abnahme der Anbaufläche auf den Rapsglanzkäferbefall und die biologische Schädlingskontrolle durch eine Schlupfwespe auswirken. Verantwortlich dafür waren die beiden Doktorandinnen Gudrun Schneider und Verena Riedinger; betreut wurden sie von Jochen Krauss, Andrea Holzschuh und Ingolf Steffan-Dewenter. Die Studie wurde als Teil des EU-Projektes SCALES und des Sonderforschungsbereichs „Insect Timing“ durchgeführt.

Auf den ersten Blick wirken die Ergebnisse der Biologen ernüchternd: Trotz regelmäßiger Insektizidbehandlungen in den konventionell bewirtschafteten Feldern kam es durch den Rapsglanzkäfer zu massiven Ertragsverlusten. Unter diesen Bedingungen war die Zahl natürlicher Feinde von Rapsglanzkäfern wie etwa der Schlupfwespe zu niedrig, um eine wirksame Schädlingskontrolle zu ermöglichen. „Eine nichtwendende Bodenbearbeitung und mehr blütenreiche Strukturen könnten die Etablierung größerer Gegenspielerpopulationen fördern“, schlägt deshalb Gudrun Schneider vor.

Kluges Flächenmanagement reduziert Zahl der Schädlinge

Auf den zweiten Blick zeigt die Studie allerdings einen positiven Aspekt: In Landschaften, in denen sehr viel mehr Raps als im Vorjahr angebaut wurde, traten weniger Schädlinge auf; in der Folge erzielten die Landwirte höhere Erträgen. Jochen Krauss schließt daraus: „Der Schädlingsdruck könnte durch kluges Management deutlich reduziert werden. Dazu müssten sich Regionen jährlich in ihrer Anbaufläche im Raps abwechseln. Dort, wo in einem Jahr viel Raps stand und sich die Schädlinge etabliert haben, darf im nächsten Jahr nur wenig Raps stehen, denn die Feinde der Schädlinge können dann auf den wenigen Feldern mit Raps diese gut kontrollieren“.

In anderen Regionen, in denen im Vorjahr wenig Raps stand, kann dagegen im Folgejahr viel Raps angebaut werden, da sich die Schädlinge über alle Rapsfelder hinweg so stark verdünnen, dass sie nur noch wenig Schaden anrichten können. „Ein räumlich-zeitliches Management der Anbauflächen in einer Region ist eine Konzept in der Landwirtschaft, das mit dieser Studie einen neuen Impuls bekommen könnte“, so Professor Ingolf Steffan-Dewenter, der Leiter des Lehrstuhl Tierökologie und Tropenbiologie.

Konsequenzen für die Landwirtschaft

Sollten sich die Ergebnisse auch für weitere Anbaukulturen bestätigen, könnten in Zukunft mehrere Landwirte in einer Region ihren Anbau koordinieren, so dass der Schädlingsdruck auf die angebauten Feldfrüchte verringert werden kann. Diese Maßnahme könnte den Einsatz von Insektiziden deutlich vermindern. Weitere Maßnahmen zur Förderung natürlicher Gegenspieler, beispielsweise eine schonende Bodenbearbeitung oder das Anlegen von Blühstreifen, werden von den Autoren der Studie als wichtig erachtet.

Schneider, G., Krauss, J., Riedinger, V., Holzschuh, A., Steffan-Dewenter, I. (2015) Biological pest control and yields depend on spatial and temporal crop cover dynamics. Journal of Applied Ecology 52: 1283-1292. doi: 10.1111/1365-2664.12471

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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