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1/2015

Die Ortenau-Reise 2015

Die Ortenau ist der Landstrich zwischen den Flüssen Oos und Murg im Norden und Bleich im Süden, dem Rhein im Westen und dem Schwarzwaldkamm im Osten. Wenn im Herbst Nebel die Sicht behindert, dann behindert er hier zuerst und am längsten. Das soll auch der Name der Ortenau ursprünglich bedeuten – Nebelland, Sumpfland, vom keltischen Moro-Dunum, Sumpfort, Sumpfburg. Schaute man früher auf die archäologischen Fundkarten, klaffte zwischen Baden-Baden und Emmendingen eine Lücke, was mit der Unwirtlichkeit des Landes im Stromland von Bleich, Schutter, Kinzig und Rench zusammenhängen mochte, die nach ihrem Austritt aus dem Schwarzwald allesamt noch Kilometer weit parallel zum Rhein strömten, ehe sie endlich in ihn einmündeten. Inzwischen ist die Forschung weiter gekommen.

Im Osten, ungefähr auf dem Kamm des Schwarzwalds, grenzte die Ortenau an das Gebiet, das das Mittelalter unter „Schwaben“ verstand.

Burg Ortenberg bei Offenburg am Ausgang des Kinzigtals

Der Name soll von der Ortenburg, dem im Mittelalter so genannten „Stein von Ortenberg“ kommen. Ortenau – Ortenberg, das klingt wirklich für Ethymologen verführerisch. Allein, diese Analogie dürfte wohl nur dazu beigetragen haben, dass die Mortenau in der Neuzeit das anlautende M verlor. Klingt ja auch schöner, Ortenau, mehr nach dem italienischen Orto, dem Garten, als nach Mord und Totschlag.

Traditionelles Zentrum der Ortenau war über Jahrhunderte weg Straßburg, die Bischofsstadt, deren geistlicher Oberhirte aus einige Flecken Land in der Ortenau besaß. Modernes Zentrum ist Offenburg, die alte Reichsstadt, die im 19. Jahrhundert vom Abzweig der Schwarzwaldbahn von der Rheintalbahn profitierte, während letztere am einstmals reicheren und bedeutenderen Lahr vorbeizog und es links liegen ließ..

Landschaftlich zerfällt die Ortenau in drei deutlich von einander unterschiedene Teile. Im Ried, der Ebene direkt am Rhein, wuchs ehemals der Tabak, was sich heute noch in den Tabakschuppen in den Dörfern zeigt. Hier pulsiert der Verkehr, auf der Autobahn strömen die Fahrzeuge nach Süden und Norden, auf der Bahnlinie fahren die Fernzüge vom Rheinland in die Schweiz und nach Italien. Hier erstrecken sich aber auch noch ausgedehnte Waldgebiete. Der Vorberggürtel, aus eiszeitlichen Lößanwehungen bestehend, trägt Obst und Wein, der Ortenauer Riesling ist bei Kennern bekannt und hat einen sehr guten Ruf. An seinem Fuß zieht die Bundesstraße 3, die alte Verkehrsschlagader, entlang, hier und da durch Umgehungsstraßen aus den Orten herausgeholt. Darüber erhebt sich der Schwarzwald mit seinen dunklen Wäldern, hier tief eingeschnitten durch die weiten Täler der Rench, der Kinzig und der Schutter. Sie bringen es insgesamt auf fast 300 km Landschaft. Die höchste Erhebung der Ortenau ist der höchste Berg des Nordschwarzwalds, die Hornisgrinde mit 1.164 m.ü.N.N., auch der Kniebis bringt es auf 960 m Höhe. Die sonnigen Rebberge umfassen mit 2700 ha die zweitgrößte Fläche des Anbaugebiets Baden.

Will man die Ortenau in seine Seele aufnehmen, muss man alle drei Gegenden kennenlernen, muss den Rhein strömen sehen, den Schnaken in seinen Altarmen trotzen, Maiglöckchen in den Auwäldern suchen, durch die Rebberge wandern und Riesling kosten, muss schließlich Brandenkopf oder Kniebis erklimmen und tief den Duft der Tannen und der Ameisenhaufen einatmen. Und immer mal wieder im Hof einer malerischen Fachwerk-Wirtschaft sitzen, die es sowohl in der Ebene als auch in den Vorbergen zuhauf gibt.

Politisch ist die Ortenau seit der Kreisreform 1972 im Landkreis Ortenaukreis zusammengefasst. Damals gab es um die Auflösung der alten Landkreise zum Teil erbitterten Streit – aber den gab es überall. Bedenklicher ist die von Schreibtischtätern veranlasste Trennung des Weinbaugebiets zwischen Lahr und Ettenheim vom Weinbaugebiet Ortenau und seine Eingemeindung in den Breisgau. Politisches Kennzeichen in der Geschichte – und erst durch die Schaffung des Landes Baden zwischen 1803 und 1819 gewissermaßen überwunden – ist die hochgradige Zersplitterung in kleine und kleinste Herrschaftsgebiete, was sich durchaus auch in der Frage der Religion, der die Untertanen folgen mussten, fortsetzte.

Landeskunde online/ kulturer.be:
Die Ortenau

Die Ortenau ist Thema des ersten Kapitels von "Tradition trifft Innovation", einer modernen Landeskunde Badens bei der Badischen Heimat. Die ihr gewidmeten Seiten von "Landeskunde online/ kulturer.be" stellen Geschichte und kulturelles Erbe ebenso vor wie das moderne Leben, die Tradition ebenso wie die moderne Wirtschaftskraft, aber auch die Probleme der Gegenwart. Die Badische Heimat hatte der Ortenau 1935 ein eigenes Jahresheft gewidmet, dessen Aufsätze zwar nicht mehr in allen Teilen lesbar oder als seriös anzusehen sind, aber dessen Bildschatz in einem eigenen Kapitel erschlossen wird.

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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