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4/2014

Vom Nutzen der Vielfalt - erster Agrobiodiversitätsgipfel in Bruchsal

Der »Agrobiodiversitätsgipfel« der Umweltakademie Baden-Württemberg am 29.10. befasste sich mit der Bedeutung der Vielfalt von alten Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen in der Landwirtschaft .

Bruchsal. Jeden Tag sterben weltweit etwa 150 Tier- und Pflanzenarten aus – darunter auch solche, die Lebensmittel liefern. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind so auf der ganzen Welt schätzungsweise 75 Prozent aller Kulturpflanzensorten ausgestorben, in Europa sind es sogar mehr als 90 Prozent. Heute decken gerade einmal 30 Pflanzenarten 95 Prozent des Welternährungsbedarfs ab.

Dieses Artensterben war am Mittwoch, 29. Oktober das Thema des ersten bundesweiten Agrobiodiversitäts-Gipfels der Umweltakademie Baden-Württemberg in Bruchsal mit mehr als 150 Teilnehmern. „Eine hohe Agrobiodiversität, also eine große Artenvielfalt, ist von größter Bedeutung für die Landwirtschaft und die Ernährung. Die Verfügbarkeit verschiedenster Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen ist enorm wichtig, um die Ernährung lokal und global zu sichern. Nur so kann man den Herausforderungen der Zukunft aktiv begegnen“, sagte Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg am Mittwoch in Bruchsal. Mit dem Gipfel solle die Bewahrung der Vielfalt als unersetzliches Erbe sowie eine nachhaltige Lebensmittelproduktion als Beitrag zum Schutz der Kulturlandschaft in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden.


Schwäbisch-Hällisches Landschwein - nicht auf Fleischproduktion gezüchtet, sondern mit bewusstem Qualitätsstandard gehalten. Bild: Umweltakademie/Hutter

Auf den ersten Blick höre sich der Begriff der Agrobiodiversität immer etwas sperrig an, dabei beschreibe er die durch Landwirte und Viehzüchter über Jahrtausende entwickelte biologische Vielfalt in der Landwirtschaft, betonte Prof. Dr. Roman Lenz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU). „Nur durch einen umfassenden Genpool können Ertragsrisiken eingedämmt und eine zuverlässige Ernährungssicherung gewährleistet werden.“ Früher waren die alten Rassen Mehrnutzungstiere. Eine Kuh etwa wurde nicht nur zur Milchproduktion gehalten, sondern auch als Fleischlieferant und als Zugtier. Heute hat man eine enorme Spezialisierung auf einen einzelnen Nutz-Bereich, dadurch werden die alten Rassen um Längen abgehängt. Wenn sich heute ein Landwirt für die Milchwirtschaft entscheide, nehme er die neu gezüchtete Kuhrasse, die bis zur dreifachen Menge Milch erzeuge. Das wiederum ziehe ein schleichendes Aussterben der alten Arten nach sich, so Claus-Peter Hutter.

Der Erhalt jener alten Arten ist nach Ansicht der Experten allerdings nur gemeinsam mit der Landwirtschaft und dem Handel möglich. Denn die Landwirtschaft zerstöre zwar die biologische Vielfalt, sei gleichzeitig aber auch der wichtigste Produzent von Biodiversität in Deutschland. „Der Intensivierungsdruck im Agrarbereich verlangt nach kooperativen Wegen zur Umsetzung von Artenschutzbelangen in der landwirtschaftlich genutzten Fläche“, sagte Claus-Peter Hutter. Hierzu gehöre neben der Förderung des ökologischen Landbaus auch der Erhalt vielfältiger Fruchtfolgen sowie die Vermarktung regional angepasster Sorten und Rassen. „Die globale Ernährungssicherung ist eine der größten Zukunftsaufgaben für die Staatengemeinschaft“, betonte der Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg.

Veranstaltet wurde der Agrobiodiversitäts-Gipfel unter dem Motto „Vom Wert zum Mehrwert alter Nutztiere und –pflanzen“ von der Umweltakademie Baden-Württemberg, der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) sowie weiteren Kooperationspartnern aus Deutschland und Österreich. Ziel der Tagung war es, den Wert und die Bedeutung biologischer Vielfalt vor allem in der Landwirtschaft aufzuzeigen und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.

Bild: St. Peter im Schwarzwald
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