Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

3/2014
Es war einmal in Freiburg - Geschichten nach der Stunde null

Fotoalbum aufgetaucht - wer kennt diese Personen?

Eine Freiburger Familie hatte vor Jahren ein Fotoalbum bei einer Nachlassversteigerung der Freiburger Heilsarmee erworben. Sie übergab es uns im Februar 2014 nach unserem Zeitzeugenaufruf. Seltsam, beklemmend, aber auch ungeheuer faszinierend ist es, mit diesem Fotoalbum eine Zeitreise durch die Geschichte einer Familie und einer Stadt in Trümmern zu unternehmen.

Blättern wir es auf, erblicken wir bis dato unveröffentlichte Fotos der Freiburger Trümmerwüste und gewinnen Einblicke in die Geschichte zweier Frauen, deren Haus in der Friedrichstr. 35 komplett zerstört wurde, die sich dann aber auf dieser Ruine, inmitten des Trümmermeeres ein kleines Gartenparadies einrichtete. Ein kleines Idyll in einem Meer aus Wahnsinn.

Natürlich möchten wir dieses Fotolbum der Familie zurückgeben und hoffen inständig, dass es einige der hier vor etwa 65 Jahren fotografierten Personen noch gibt - oder zumindest deren Familienangehörige. Und natürlich brennen wir darauf, die Geschichten hinter diesen Fotografien zu erfahren.

Aber um die zu finden, hoffen wir auf IHRE “sachdienlichen Hinweise”, ganz im Stile von Aktenzeichen XY ungelöst...
Vielleicht kennen Sie ja die eine oder andere Person?
Dann melden Sie Sich doch bitte umgehend hier: adam.dirk@gmail.com

Die Protagonisten des Fotoalbums sind:

Tochter + Mutter Steyert

Die Album-Eigentümerin ist auf den Bildern etwa 45 Jahre alt, also ca. 1900 geboren. Sie scheint nach dem Bombenangriff weder Mann noch Kinder zu haben. Aber sie hat bis zum Bombenangriff 1944 mit Ihrer Mutter in der Friedrichstr. 35 gewohnt (“Unser Haus”). Aus dem Amtl. Einwohnerbuch von 1943 wissen wir, dass die Hauseigentümerin der Friedrichstr. 35 die Witwe “Melanie Steyert” war. Nun könnte diese “Melanie” entweder die rund 80-jährige Mutter, oder ihre Tochter, also die Album-Eigentümerin gewesen sein. Da wir es nicht sicher sagen können, nennen wir die Album-Eigentümerin ab sofort einfach “Frau Steyert”, obwohl allein das schon eine Annahme ist. Denn sollte diese “Melanie Steyert” in Wirklichkeit die Mutter gewesen sein, könnte die Tochter nach Heirat einen anderen Namen getragen haben. Aber all das wissen wir (noch) nicht.
Wer alles ist nun in diesem Fotalbum zu sehen?

 

 
 

Traute, Hannelore, Carl und Saula

  
Sehr häufig sind im Album der Frau Steyert Aufnahmen der Geschwister “Hannelore”(*ca. 1936) und “Traute” (*ca. 1940) zu sehen. Sie wiederum sind die Töchter von “Saula” (* ca. 1905) und “Carl (* ca. 1900). Wir vermuten, dass “Carl” der Bruder von Frau Steyert war und die beiden Mädels Hannelore und Traute somit ihre Nichten. Das Problem: Wir wissen nicht, wie Saula, Carl, Hannelore und Traute mit Nachnamen hiessen (evtl. ebenfalls “Steyert”) und ob sie überhaupt in Freiburg wohnten - viele Fotos sind zum Beispiel in München entstanden.
Wer kennt Traute und Hannelore (“Hanne”) und weiß, wo sie heute wohnen?

 

Familie Striepecke


Tatsache ist, dass sich Mama und Tochter Steyert in den folgenden Jahren auf der Ruine ihres Hauses in der Friedrichstr. 35 langsam ein kleines Garten-Idyll errichteten, in dem immer wieder Freunde zu Besuch waren. Besonders häufig zu Gast: Die Familie Striepecke, besonders Tochter “Gerda”( *ca. 1934), die den geheimnisvollen Garten des öfteren zum Sonnenbad nutzte und zu Frau Steyert trotz des Altersunterschiedes ein wunderbar vertrautres Verhältnis pflegte. Ganz wichtig: Die Familie Striepecke wohnte vor dem Bombenangriff ebenfalls in der Friedrichstr. 35 - es waren also ehemalige Mieter der Steyerts!
Wer weiß, was aus Gerda Striepecke (*~1934) geworden ist?

Ralfi, Heinz und Tante Käte

Interessant ist natürlich der jüngste Spross des Fotoalbums: “Ralfi”, getauft am 22.9.1945. Welches Verhältnis Frau Steyert zu Ralfis Vater “Heinz” und Tante “Käte” hatte - wir können nur spekulieren. Womöglich ist Mama Steyert die ältere Schwester von Tante “Käte”, die wiederum Mutter von Heinz und somit Oma von Ralfi ist. Die verwandschaftliche Beziehung rechtfertigt somit die Einladung zur Kindstaufe.

Leider haben wir keinerlei Hinweis, wie die attraktive Mutter von Ralfi heisst, die vermutlich auf dem Tauf-Gruppenbild Ralfi auf den Armen hält. Sie taucht im Foto-Album im Gegensatz zu Heinz nicht wieder auf.

Immer in der Nähe von Ralfi ist aber eine “Betty” zu sehen. Weil sie sich aber zu sehr im Hintergrund hält, glauben wir nicht, dass sie die Mutter von Ralfi ist, eher das Kindermädchen. Für die These Kindermädchen könnte auch sprechen, dass der schnittige Papa “Heinz” recht wohlhabend gewesen sein könnte. Denn womöglich besaß er 1948 schon ein Auto - eine absolute Seltenheit. Als Wohnort für Heinz und Ralfi kommt auch Weil (am Rhein) in Frage, da dort ebenfalls Fotos existieren.

“Ralfi” ist heute schlappe 69 Jahre alt und sicher putzmunter.
Wir hoffen alle, dass er sich schnellstmöglich meldet

Emmy und Fritz Lobenstein

Freunde scheint Frau Steyert auch in der Schweiz gehabt zu haben. Denn im Fotoalbum finden sich mehrer Bilder von “Emmy” und Fritz Lobenstein (*17.8.1916), die im Tessin (Locarno?) gewohnt haben könnten und 1949 vermutlich einen Sohn von vielleicht 4 Jahren hatten.
Wer weiß etwas über die Lobensteins?

Der Ruinengarten und Büromöbel Scheffler

Besonders faszinierend finden wir die Fotos ab 1950. Auf und aus den Trümmern ihres Hauses in der Friedrichstr. 35 hatten Mama und Tochter Steyert mittlerweile ein kleines Gartenparadies angelegt. Die Frauen lachen jetzt viel häufiger, überalll wuchern Blumen. Man kann förmlich beobachten, wie das Kriegstrauma allmählich in den Hintergrund gerät. Aber die Idylle inmitten des Trümmermeeres war nun bedroht vom überall einsetzenden Wiederaufbau. Direkt neben dem Steyertschen Garten wuchs an der Friedrichstr. das Gebäude “Gebr. Scheffler Büromöbel” empor. Und hinter dem Steyertschen Garten, an der Kreuzung Katharinenstr. / Katharinenhof wurde eine Wohnbaracke errichtet, in der scheinbar eine junge Familie wohnte.
Zumindest sieht man auf den Bildern aus dem Frühjahr 1951 sowohl eine junge Frau, als auch einen Bub und ein Mädel von höchstens 4 am Haus stehen.

Unsere Fragen:Wer weiß, welche Familie mit zumindest zwei Kindern in dieser Behelfs-Baracke an der Ecke Katharinenstr. / Katharinenhof gewohnt hat?


Wer kann etwas über diese Baracke erzählen?
Bitte UNBEDINGT melden!!

Wer kann etwas über die ersten Jahre der “Gebr. Scheffler Büromöbel” erzählen?
Hatte man Kontakt zum Steyertschen Garten?

Was passierte in der Friedrichstr.35 und in den Nachbargebäuden am 27.11.44?

Zudem bitten wir Zeitzeugen, die uns erzählen können, was beim Bombenangriff in der Friedrichstr. 35 und in den unmittelbaren Nachbargebäuden passiert ist.

 

Vor dem Angriff waren in der Friedrichstr. 35 folgende Personen gemeldet:
(in Klammern der Wohnort dieser Personen zwei Jahre NACH dem Bombenangriff 1947)

Steyert, Melanie Wwe.,Priv 3. Stock (1947: Wilhelmstraße 28)
Rohrwasser, Hermann, Uhrenreparaturstätte, 1. Stock (1947: Eichbergstr. 22)
Erren, August, Apotheker, 2. Stock (Günterstalstr. 52)
Striepecke, Wilhelm, Kfm., Tel: 7547, 4. Stock (1947: Colombistr. 5)
Andreis, Emilie Hulda, Sekretärin, 5. Stock (1947: FEHLT)
Vogt, Andreas, Schlosser, 5. Stock (1947: Klarastr. 72)

Bild: Surbourg, Dept. Bas-Rhin
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