Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

1/2014

Badische Heimat: Netzwerkarbeit und Crowdfunding

Basierend auf der Internet-Präsentation der Badischen Heimat "Landeskunde online/kulturer.be" ist der Verein derzeit bei den Vorbereitungen, verschiedene Akteure im Bereich des kulturellen Erbes in einem Netzwerk zusammen zu bringen, um so weitere Aspekte der Kulturarbeit in die Wege zu leiten. Grundidee des Crowdfunding ist, bei einer Vielzahl von Sponsoren kleinere bis mittlere Beträge einzuwerben, um so Kulturarbeit, besondern mit Kindern und Jugendlichen zu finanzieren.

Die Idee des Crowdfunding ist bestechend: Wenn für die Arbeit der Internet-Redaktion, also für Fahrtkosten, Material etc., um die 5 – 6000 € als Jahresetat angesetzt werden, braucht man „nur“ 150 Spender, die mit jeweils 40 € dabei sind. Das richtet sich vor allem an Firmen und Institutionen, die mit den Themen des Internetprojekts in einer thematischen, regionalen oder anderen Beziehung stehen. Engagiert sich natürlich jemand mit einem höheren Betrag, verringert sich die Zahl.

Damit verbunden ist eine deutliche Ausweitung in der Arbeit der Badischen Heimat. Die Online-Medien des Vereins werden noch mehr als bisher dazu genutzt, landeskundliche Themen aufzuarbeiten. Und zwar flächendeckend. Den Anfang machte im letzten Jahr die Bodenseeregion, in diesem Jahr wird die Arbeit am Schwarzwald fortgesetzt.

Netzwerk „Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken“

1569, vor 445 Jahren, machte sich am 20. Februar in Bergzabern Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken auf, um mit über 8000 Reitern, über 8000 Fußsoldaten und an die 40 Geschützen den bedrängten Hugenotten in Frankreich zu Hilfe zu kommen. Der Weg führte über Hochfelden, entlang der Vogesen und durch Burgund. Bei Nessun in der Nähe von Limoges, nach 800 km Weg, ereilte ihn am 11. Juni der Tod. Sein Leichnam wurde zunächst in Angoulême bestattet, dann über La Rochelle auf dem Seeweg nach Deutschland zurückgebracht. Die Interventionsheere erlitten am 3. Oktober 1569 gegen die Truppen des Königs eine schwere Niederlage, dabei verlor auch der südwestdeutsche Adlige Quirin Gangolf von Geroldseck sein Leben.

Dieses Netzwerk ist dem Gedächtnis derer gewidmet, die mit 1569 nach Frankreich aufbrachen und unterwegs oder in der Schlacht von Moncontour im 2. Hugenottenkrieg ihr Leben ließen. Das Besondere daran: Die Orte des Feldzugs werden persönlich besucht - zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Kommunale und regionale Behörden, Institutionen und Unternehmen entlang dieses Wegs sind eingeladen, mit einem kleinen Netzwerkbeitrag dieses Gedächtnis zu erhalten.

Der erste Netzwerk-Tag: Kurpfalz und Pfalz-Zweibrücken im Elsass - Auf den Spuren des Pfalzgrafen Wolfgang

Pfalzgraf Wolfgang (Bild: Haus der bayerischen Geschichte/wikimedia commons) zog von Bergzabern aus, wo er schon vorher seine Residenz aufgeschlagen hatte, über Weißenburg nach Hochfelden, wo er Musterung hielt.

Weißenburg, Kleinstadt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz, mit etwa 7800 Einwohnern, geht zurück auf die Abtei St. Peter und Paul, die von austrasischen Edlen im 7. Jahrhundert hier auf einer Insel des Flüsschens Lauter gegründet wurde. Sie wurde 661 erstmals erwähnt. Der heilige Pirmin führte 753 hier die Benediktinerregel ein. Der Grundbesitz der Abtei erreichte in der Folgezeit einen Umfang von 200 km2, Weißenburg wurde zum reichsten Kloster des Elsass und errang 974 den Rang eines Fürstentums.

Im 11. Jahrhundert wurde die Klosterkirche im romanischen Stil neu erbaut, davon ist noch der mächtige romanische Glockenturm über der Vierung erhalten.

Während des 12. und 13. Jahrhunderts wuchs die Stadt, die um das Kloster entstanden war, schnell an und versuchte sich von der Herrschaft des Klosters zu befreien. Zahlreiche Konflikte gehen auf diese Emanzipationsbestrebungen zurück. Die Stadt kann schließlich den Stadtrat selbst besetzen und erreicht den Höhepunkt ihrer politischen Entwicklung. Ihr Reichtum geht auf die Produktion von Stoffen, Wein und Kastanien zurück.

Im 14. Jahrhundert betont Weißenburg seine Unabhängigkeit von der Abtei und wurde 1354 Mitglied im Zehnstädtebund, den Bündnis des freien Reichsstädte im Elsass. Das Stadtregiment verweigerte es, den Eid auf den neuen Abt abzulegen.

Abt Philipp von Erpach hinterließ bei seinem Tod 1469 die Abtei hochverschuldet. Der neue Abt, Johann von Bruck, versuchte den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Allerdings entschied sich Kurfürst Friedrich I., der Siegreiche, sowohl als Landvogt von Hagenau als auch als Präfekt der Dekapolis zum Eingreifen und entsandte Inspekteure und Mönche der Bursfelder Kongregation ins Kloster. Der Abt aber zog sich zusammen mit dem Prior Anton von Leiningen nach Schloss Drachenfels zurück. Die Reformbestrebungen erstreckten sich auch auf die Besitzungen des Klosters, die in die Hand der Bürger gekommen waren. Diese begehrten daraufhin auf und die Leute des Kurfürsten verjagten. Sie verlangten auch die Rückkehr des alten Abts ins Kloster. Die Verluste beider Seiten zwangen die Beteiligten im Februar 1470 zu einem Kompromiss, den die Bürger von Weißenburg allerdings durch die Besetzung des der Pfalz überlassenen Vorwerks St. Pantaleon und die Anerkennung Ludwigs des Schwarzen von Veldenz als Landvogt aufkündigten. Unter Vermittlung Kaiser Friedrichs III. kam, vor allem nach dem Sieg Friedrichs über den Grafen von Veldenz, im Dezember 1471 ein Frieden zu Stande, nach dem Abt Johann von Bruck und sein Prior ihre Ämter behielten, aber auch der Reformkonvent im Kloster blieb.

Im Gefolge dieser Auseinandersetzungen war Weißenburg durch den Kurfürsten belagert und zerstört worden. Zwischen 1485 und 1503 tyrannisierte Johann von Dratt, der Feldherr (grand maréchal) des Kurfürsten Philipp des Aufrichtigen, die Einwohner – das ist der Ursprung der Legende von Hans Trapp, dem üblen Begleiter von Nikolaus und Christkind im Elsass.

Der Einfluss der Kurpfalz auf Weissenburg, die Dekapolis und die Reichslandvogtei Hagenau fand mit dem Kölner Spruch, mit dem Kaiser Maximilian den Landshuter Erbfolgekrieg beendet, ein Ende.

Blick vom Jakobsweg auf Kleeburg
Blick vom Jakobsweg auf Kleeburg

Der Weg Wolfgangs folgte entweder dem Jakobsweg über die südlich anschließenden Höhen, oder etwas weiter östlich über Ingolsheim. Mit dem Kölner Spruch 1504 endete auch die kurpfälzische Herrschaft in den hier südlich von Weißenburg sich anschließenden Dörfern, die Maximilian an Herzog Alexander von Zweibrücken gab. Oberhofen und Steinseltz gehören beide zur Vogtei Kleeburg. Dieses Dörfchen von gerade einmal 700 Einwohnern gab den Namen für eine Seitenlinie der Pfalzgrafen und Herzöge von Zweibrücken. Bevor man aber an der Residenz dieser Linie, dem kleinen Dorf Birlenbach, vorbeikommt, streift man Bremmelbach, das die Zweibrücker im Lauf des 17. Jahrhunderts, ebenso wie Birlenbach selbst, kauften.

Johann Casimir, der Bruder des Herzogs Johann II. von Zweibrücken, begann 1620 oberhalb des Ortes Birlenbach mit dem Bau des Schlosses Catharinenburg. Den Namen erhielt das Schloss nach seiner Gemahlin Katharina, der Schwester Gustav Adolfs, des Schwedenkönigs. Karl Gustav, ihr Sohn, bestieg den schwedischen Thron als Karl X. nach der Abdankung der Königin Christina, der Tochter Gustav Adolfs, und übergab Kleeburg seinem Bruder Adolf Johann. Gustav Samuel vereinigte es wieder 1718 mit dem Herzogtum Zweibrücken.


Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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