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1/2013

EU-Studie: Klimawandel hat Europa bereits spürbar verändert (2)

Beobachteter Klimawandel und Zukunftsprognosen – einige zentrale Aussagen

(idw) Das letzte Jahrzehnt (2002-2011) war das wärmste in Europa registrierte; die Temperatur in Europa (nur Landgebiete) lag im Durchschnitt um 1,3° C über dem vorindustriellen Niveau. Klimamodelle prognostizieren, dass die Temperaturen in Europa im ausgehenden 21. Jahrhundert um 2,5- 4° C höher liegen wird als am Ende des 20. Jahrhunderts, wenn keine ambitionierte globale Klimaschutzpolitik verfolgt wird.

Hitzewellen haben hinsichtlich der Häufigkeit und Dauer zugenommen und im vergangenen Jahrzehnt Zehntausende von Todesfällen verursacht. Der prognostizierte Anstieg von Hitzewellen könnte gemäß dem Bericht in den nächsten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Zahl der hiermit verbundenen Todesfälle führen, wenn sich die Gesellschaften nicht anpassen. Im Gegensatz wird ein Rückgang der auf Kälte zurückzuführenden Todesfälle in zahlreichen Ländern prognostiziert.

Während die Niederschläge laut Bericht in den südlichen Regionen rückläufig sind, nehmen sie im nördlichen Europa zu. Für diese Trends wird eine Fortsetzung prognostiziert. Den Voraussagen zufolge wird der Klimawandel zunehmend Flusshochwasser verursachen, insbesondere in Nordeuropa, da der Wasserkreislauf durch hohe Temperaturen intensiviert wird. Allerdings ist es schwierig, den Einfluss des Klimawandels in den Beobachtungsdaten zu Überschwemmungen in der Vergangenheit zu erkennen.

Durch Niedrigwasser in Flüssen verursachte Trockenperioden haben sich in Südeuropa im Hinblick auf Intensität und Häufigkeit verstärkt. Der minimale Wasserstand von Flüssen wird den Prognosen zufolge im Sommer sowohl in Südeuropa als auch in vielen anderen Teilen Europas erheblich zurückgehen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß.

Die Arktis erwärmt sich deutlich schneller als andere Regionen. In der Arktis wurde in den Jahren 2007, 2011 und 2012 ein Rekordtief für das Meereis verzeichnet, wobei die Mindestausdehnung, die in den 1980ern beobachtet wurde, fast um die Hälfte zurückging. Die Schmelze des grönländischen Eisschildes verdoppelte sich seit den 1990ern, mit einem jährlichen Masseverlust von 250 Mrd. Tonnen während des Zeitraums von 2005 bis 2009. Die Gletscher in den Alpen büßten seit 1850 ungefähr zwei Drittel ihres Volumens ein. Modelle prognostizieren eine Fortsetzung dieser Trends.

Der steigende Meeresspiegel erhöht das Risiko einer Überflutung der Küsten bei Stürmen. Der globale durchschnittliche Meeresspiegel verzeichnete im 20. Jahrhundert einen jährlichen Anstieg von 1,7 mm; in den vergangenen Jahrzehnten belief sich der jährliche Anstieg auf 3 mm. Die Prognosen für die Zukunft weichen stark voneinander ab. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass der Anstieg des Meeresspiegels im 21. Jahrhundert höher sein wird, als im 20. Jahrhundert. Allerdings ist der Anstieg des Meeresspiegels an den europäischen Küsten unterschiedlich, beispielsweise aufgrund von regionalen Landhebungen oder -senkungen.

Abgesehen von den Gefahren durch Hitzewellen hebt der Bericht ebenfalls die Bedeutung anderer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hervor. Der Klimawandel spielt eine Rolle bei der Übertragung von bestimmten Krankheiten. Beispielsweise ermöglicht der Klimawandel der Zecke Ixodes ricinus, welche Zeckenborreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis überträgt, weiter im Norden zu gedeihen. Eine weitere Erwärmung macht Europa auch als Lebensraum für krankheitsübertragende Mücken und Sandmücken geeigneter. Die Pollensaison ist länger und stellt sich 10 Tage früher ein als vor 50 Jahren, was sich ebenfalls auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Viele Studien haben vielseitige Veränderungen bei den Eigenschaften von Pflanzen und Tieren ermittelt. Beispielsweise blühen Pflanzen früher im Jahr, während die Blüte von Phytoplankton und Zooplankton im Süßwasser ebenfalls früher einsetzt. Andere Tiere und Pflanzen verlagern ihren Standort aufgrund der Erwärmung ihrer Lebensräume nach Norden oder bergaufwärts. Da die Migrationsrate zahlreicher Arten nicht ausreichend ist, um mit der Geschwindigkeit des Klimawandels Schritt zu halten, könnte dies in der Zukunft ihr Aussterben zur Folge haben.

Während in Südeuropa möglicherweise weniger Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung steht, könnten sich die Wachstumsbedingungen in anderen Gebieten verbessern. Die Vegetationsperiode hat sich in Europa für verschiedene Anbauprodukte verlängert, und Prognosen zufolge wird dieser Trend anhalten. Gleichzeitig breiten sich Anbaukulturen, die auf ein warmes Klima spezialisiert sind, in weiter nördlich gelegene Breiten aus. Allerdings wird aufgrund der Hitzewellen und Dürren in Mittel- und Südeuropa ein Rückgang des Ernteertrags für bestimmte Kulturen prognostiziert.

Mit den ansteigenden Temperaturen ist die Bedarf nach Heizung ebenfalls zurückgegangen, wodurch Energie eingespart werden kann. Allerdings muss dies gegen die stärkere Energienachfrage zur Kühlung während der heißeren Sommer aufgewogen werden.

Publikation:
European Environment Agency: Climate change, impacts and vulnerability in Europe 2012. ISBN 978-92-9213-346-7. doi:10.2800/66071
Der Gesamtbericht ist nur in englischer Sprache verfügbar und findet sich online unter
http://www.eea.europa.eu/publications/climate-impacts-and-vulnerability-2012

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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