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1/2013

More than Honey: Wissenschaftler fordern umfassende Maßnahmen gegen Bienensterben

Zum Start von Kinofilm „More than Honey“ / Insektizide und Monokulturen nur ein Problem / Wissenschaftler der Universität Hohenheim erforschen Lösungen

(idw) Insektizide, Monokulturen, gezüchtete Hochleistungsköniginnen. Der Mensch setzt den Honigbienen immer mehr zu. Der Dokumentarfilm „More than Honey“, der jetzt in den Kinos angelaufen ist, zeigt, wo was schief läuft in der Imkerei. Aktuell beschäftigen sich auch Wissenschaftler der Universität Hohenheim mit dem Phänomen Bienensterben. Ihre These: ein ganzes Bündel verschiedener Einflüsse haben Bienen und Völker geschwächt. Lösungen soll das bundesweite Forschungsprojekt FIT-BEE erarbeiten. Detailinfos zu Projekten und Partnern: http://fitbee.net.

Großimker transportieren tausende Bienenvölker mit Lastwagen tagelang von einer Plantage zur anderen, um sie zur Bestäubung der Blüten einzusetzen. Die Bienen bekommen nur eine Sorte Nektar und Pollen, sind mangelernährt und zudem durch Spritzmitteln geschwächt, die in den Monokulturen versprüht werden müssen. Szenen aus dem Dokumentarfilm – und ein Beispiel für ein Extrem, dem die Völker auf Dauer nicht gewachsen sind.

„Hier werden nicht nur die eingesetzten Bienen regelrecht verheizt, sondern auch wilde Bienenarten, die normalerweise die Blüten bestäuben würden, verdrängt“, sagt Dr. Klaus Wallner, Mitarbeiter in der Hohenheimer Landesanstalt für Bienenkunde.

In Europa seien die Strukturen noch gesünder, meint Wallner. „Hier hat die Imkerei Tradition: Es existiert ein dichtes Netz verantwortungsbewusster Imker, die ihre Völker weit genug auseinander positionieren und für eine ausgewogene Ernährung sorgen.“ Ohne Imker, so sein Fazit, stünde die Honigbiene „schon lange auf der Roten Liste bedrohter Tierarten.“

Auch in Europa kein Grund zur Entwarnung

Ein Grund zur völligen Entwarnung sei dies trotzdem nicht. Zunehmend hätten auch diejenigen Imker höhere Verluste, die „eigentlich alles richtig machen“, bestätigt auch der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, Dr. Peter Rosenkranz.

Und die Probleme häufen sich. „Inzwischen haben wir alle zwei bis drei Jahre einen Winter, den bis zu 30 Prozent der Völker nicht überleben.“ Für Dr. Rosenkranz ein Hinweis, dass der „Superorganismus“ Biene insgesamt geschwächt sein könnte.

In dem bundesweiten Projekt FIT-BEE suchen Forscher und Praktiker in einem breiten Bündnis nach Ursachen und Lösungen für die regelmäßig auftretenden Bienenschäden. Ihre These: ein ganzes Bündel unterschiedlicher Faktoren haben Bienen und Völker geschwächt. In insgesamt sieben Modulen beschäftigen sich die Forscher mit Wechselwirkungen zwischen Einzelbiene, Bienenvolk, Bienenkrankheiten und Umwelteinflüssen.

Von Hohenheimer Seite werden dabei zwei der sieben Teilprojekte durchgeführt:

1. Neue Sprühtechnik für Pestizide schützt Bienen

Der Einsatz von Insektiziden geht auch nicht ohne weiteres an den Bienen vorbei. „Wir wissen, dass die meisten Pflanzenschutzmittel die Biene nicht sofort umbringen. Aber sie haben durchaus Kontakt dazu und es gibt vielleicht Langzeiteffekte, die man nicht ausschließen darf. Und die machen Pflanzenschutz zu einem ernstzunehmenden Baustein im Puzzle um das Bienensterben“, erklärt Dr. Wallner.

Dazu untersuchen die Forscher Honigblase und Pollenkörbchen der Bienen regelmäßig nach Rückständen und entwickeln neue Spritztechniken für Landwirte: „Jetzt haben wir beispielsweise in Kooperation mit Herstellern von Spritzdüsen eine Möglichkeit gefunden, Insektizide auf Rapsfeldern zu sprühen, ohne dass die Blüten mit dem Gift in Berührung kommen.“

Eine Technik, die die Pflanzen unterhalb der Blütenebene besprüht, verschont die Blüten und versorgt so den ohnehin eher gefährdeten Teil der Pflanze intensiver. Das kommt gleichermaßen den Landwirten und Imkern entgegen und hilft nicht zuletzt der Bienengesundheit.

2. Entwicklung besserer Präparaten gegen die Varroa-Milbe

„Das Hauptproblem bei den Bienenkrankheiten ist nach wie vor die Varroa-Milbe: Sie befällt die Bienen, überträgt gefährliche Viruserkrankungen und und ist mit den herkömmlichen Präparaten sehr schwer zu bekämpfen“, so Dr. Rosenkranz: „Nicht alle Imker können sich durchgehend so intensiv um erkrankte Völker kümmern wie es dieser gefährliche Parasit eigentlich erfordert.“

Leider hat die Industrie an der Entwicklung geeigneter Bekämpfungsmittel nur begrenztes Interesse, da sich im Bereich der Imkerei die Entwicklungskosten kaum lohnen. „Deshalb forschen wir zusammen mit einem kleinen Unternehmen an der Entwicklung biologischer Bekämpfungsmethoden. Im Rahmen des Projektes konnten wir bereits ein Patent für die Anwendung von Sexualduftstoffen der Milbe anmelden. Trotz dieses Teilerfolges ist es laut Dr. Rosenkranz bis zu einer praxisreifen Anwendung noch ein langer Weg.

2,3 Mio. Euro für die Bienenforschung – FIT BEE stützt sich auf breites Forschungsbündnis

Dieses große Verbundprojekt soll nicht zuletzt dazu beitragen die Honigbienen in Europa vor dem zu bewahren, was ihnen in China bereits geschehen ist: In ganzen Regionen ist keine einzige Biene mehr zu finden. Obstbäume werden dort von Wanderarbeitern bestäubt, mit winzigen Pinseln und Pollen, die sie von Händlern beziehen.

Insgesamt beteiligen sich 14 Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen an dem Projekt. Die Koordination liegt bei der Universität Hohenheim. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) fördert FIT BEE mit 2,3 Millionen Euro. 480.000 € gehen direkt an die Universität Hohenheim – und machen das Projekt „FIT BEE“ zu einem der Schwergewichte der Forschung.

Der Film "More than Honey" http://www.morethanhoney.senator.de/

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universität Hohenheim

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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