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der Ablage gekramt
Der Heimatbegriff
im 21. Jahrhundert
I. Stimmen zum Begriff Der Begriff «Heimat» entspringt
der persönlichen Erfahrung, dem Bewusstsein der eigenen
Herkunft oder dem Umfeld, in dem man «zu Hause» ist.
Er entfaltet seinen Wert in einer Umgebung, die uns vertraut
ist und Vertrauen gibt, mit der man sich verbunden fühlt
und mit der man in einem Grundkonsens leben kann. Gleichzeitig
ist Heimat auch der Ort, an dem man sich in seiner Muttersprache
ausdrücken und zurechtfinden kann. Das heisst nicht,
keine andere Sprache zu sprechen oder zu lernen; aber es
bedeutet auch ein Recht auf seine eigene, zuerst erlernte «Heimatsprache».
Flavio Cotti, Bundespräsident der Schweiz,
zum 150jährigen Jubiläum des Bundesstaates der
Schweizer Eidgenossenschaft (NZZ, Sonderbeilage 2. 5. 1998)
In Gottschalks „Handbuch" hatte ich von dem uralten
Dom und von dem berühmten Kaiserstuhl zu Goslar viel
gelesen. Als ich aber beides besehen wollte, sagte man mir:
der Dom sei niedergerissen und der Kaiserstuhl nach Berlin
gebracht worden. Wir leben in einer bedeutungsschweren Zeit:
tausendjährige Dome werden abgebrochen, und Kaiserstühle
in die Rumpelkammer geworfen.
Heinrich Heine, Die Harzreise Sämtliche Schriften
Bd. 3 (Ullstein TB), 1981, S. 122/23
"
Es ist zuwenig, wenn eine Stadt nur noch ihre Denkmäler
erhält", mahnt Haspel [Baudenkmalpfleger in Berlin].
Denn die Denkmäler stellen nur "eine erlesene Auswahl" alter
Gebäude dar.
Berliner Zeitung, 27.10.1995
Von dem Augenblicke an, wo ein ernstlicher Wille zum Denkmalschutz
da war, mußte man auch darüber sich klar werden:
er sei nicht durchführbar ohne eine Beschränkung
des Privateigentums, ohne Beschränkung der Interessen
des Verkehrs, der Arbeit, der individuellen Nützlichkeitsmotive überhaupt.
Das ist es, weshalb ich ihn sozialistisch nannte.
Georg Dehio als Rektor der Reichsuniversität Straßburg
am 27. Januar 1905 anlässlich einer Geburtstagsrede
auf Kaiser Wilhelm II.
Kritisch und auf die Zukunft gerichtet, verstehen wir Heimatkunde
als Standortbestimmung durch die Auseinandersetzung mit
dem Alltäglichen in Geschichte und Gegenwart unserer
Region
Vorspanntext zur Abteilung Heimatkunde im Programmheft der
Mannheimer Abendakademie 1996
Der Heimatbegriff muß auch weiterhin von Relikten des "Blut-
und Boden" -Mythos befreit werden und darf keinen unreflektierten,
bisweilen sogar ahistorischen Bezug zum Lebensraum suggerieren.
Heimatgeschichte rekonstruiert die Entstehung und den Wandel
der Lebenszusammenhänge innerhalb eines eng begrenzten
Raums - nicht rückwärtsgewandt, nicht vergangenheitsverklärend,
sondern gegenwartsbezogen.
Abstract eines Aufsatzes von Meinhold Lurz „Vom
Lob der Heimat" (Hierzuland 19 (1995)
'Zugehörigkeitsgefuhl und Heimatverbundenheit entstehen
nur dort, wo Menschen aneinander, an ihrer Umwelt und an
ihrem Lebensraum Anteil nehmen und sich für ihre gemeinsamen
Belange einsetzen.'
Bundespräsident Roman Herzog auf dem 29. Bayerischen
Heimattag in Bamberg, 22.6.1997 (Süddeutsche Zeitung, 23.6.1997)
„
Es gibt keinen Gegensatz zwischen der Heimatliebe und dem
europäischen Friedenswerk.
Der österreichische Bundespraesident Thomas Klestil
am österreichischen Nationalfeiertag,
26.10. 1996 (Oberösterreichische Nachrichten, 28.10.1996)
Es sind oft Kleinigkeiten, die einem gar nicht bewusst
ins Auge fallen, die aber viel ausmachen, wenn es darum
geht,
sich daheim zu fühlen. Identifikationsstiftende Elemente
nennt sie der Fachmann. Details, die Atmosphäre schaffen,
die unverwechselbar zum Haus, zur Strasse, zum Viertel, zum
Dorf oder zu einer ganzen Landschaft gehören. Man sieht
sie nur, wenn man mit offenen Augen durch die Strassen geht.
Sie gehören einfach dazu. Und erst ihr Fehlen fällt
auf. Wieder ein Stück der vertrauten Umgebung ist dann
weg. Es sind Kleindenkmäler, an denen sich das Heimatgefühl
festmacht. Sie verbinden das Heute mit dem Gestern in einer
Zeit, wo alles pflegeleichter, glatter, aufgeräumter
ist.
Dackel und Denkstein. Kleindenkmäler im Stadtbild
(Stuttgarter Zeitung, 15.6.1996)
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