Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

1/2011

Aus der Ablage gekramt

Der Heimatbegriff im 21. Jahrhundert

I. Stimmen zum Begriff

Der Begriff «Heimat» entspringt der persönlichen Erfahrung, dem Bewusstsein der eigenen Herkunft oder dem Umfeld, in dem man «zu Hause» ist. Er entfaltet seinen Wert in einer Umgebung, die uns vertraut ist und Vertrauen gibt, mit der man sich verbunden fühlt und mit der man in einem Grundkonsens leben kann. Gleichzeitig ist Heimat auch der Ort, an dem man sich in seiner Muttersprache ausdrücken und zurechtfinden kann. Das heisst nicht, keine andere Sprache zu sprechen oder zu lernen; aber es bedeutet auch ein Recht auf seine eigene, zuerst erlernte «Heimatsprache».
Flavio Cotti, Bundespräsident der Schweiz,
zum 150jährigen Jubiläum des Bundesstaates der Schweizer Eidgenossenschaft (NZZ, Sonderbeilage 2. 5. 1998)

In Gottschalks „Handbuch" hatte ich von dem uralten Dom und von dem berühmten Kaiserstuhl zu Goslar viel gelesen. Als ich aber beides besehen wollte, sagte man mir: der Dom sei niedergerissen und der Kaiserstuhl nach Berlin gebracht worden. Wir leben in einer bedeutungsschweren Zeit: tausendjährige Dome werden abgebrochen, und Kaiserstühle in die Rumpelkammer geworfen.
Heinrich Heine, Die Harzreise Sämtliche Schriften Bd. 3 (Ullstein TB), 1981, S. 122/23

" Es ist zuwenig, wenn eine Stadt nur noch ihre Denkmäler erhält", mahnt Haspel [Baudenkmalpfleger in Berlin]. Denn die Denkmäler stellen nur "eine erlesene Auswahl" alter Gebäude dar.
Berliner Zeitung, 27.10.1995

Von dem Augenblicke an, wo ein ernstlicher Wille zum Denkmalschutz da war, mußte man auch darüber sich klar werden: er sei nicht durchführbar ohne eine Beschränkung des Privateigentums, ohne Beschränkung der Interessen des Verkehrs, der Arbeit, der individuellen Nützlichkeitsmotive überhaupt. Das ist es, weshalb ich ihn sozialistisch nannte.
Georg Dehio als Rektor der Reichsuniversität Straßburg am 27. Januar 1905 anlässlich einer Geburtstagsrede auf Kaiser Wilhelm II.

Kritisch und auf die Zukunft gerichtet, verstehen wir Heimatkunde als Standortbestimmung durch die Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen in Geschichte und Gegenwart unserer Region
Vorspanntext zur Abteilung Heimatkunde im Programmheft der Mannheimer Abendakademie 1996

Der Heimatbegriff muß auch weiterhin von Relikten des "Blut- und Boden" -Mythos befreit werden und darf keinen unreflektierten, bisweilen sogar ahistorischen Bezug zum Lebensraum suggerieren. Heimatgeschichte rekonstruiert die Entstehung und den Wandel der Lebenszusammenhänge innerhalb eines eng begrenzten Raums - nicht rückwärtsgewandt, nicht vergangenheitsverklärend, sondern gegenwartsbezogen.
Abstract eines Aufsatzes von Meinhold Lurz „Vom Lob der Heimat" (Hierzuland 19 (1995)

'Zugehörigkeitsgefuhl und Heimatverbundenheit entstehen nur dort, wo Menschen aneinander, an ihrer Umwelt und an ihrem Lebensraum Anteil nehmen und sich für ihre gemeinsamen Belange einsetzen.'
Bundespräsident Roman Herzog auf dem 29. Bayerischen Heimattag in Bamberg, 22.6.1997 (Süddeutsche Zeitung, 23.6.1997)

„ Es gibt keinen Gegensatz zwischen der Heimatliebe und dem europäischen Friedenswerk.
Der österreichische Bundespraesident Thomas Klestil am österreichischen Nationalfeiertag, 26.10. 1996 (Oberösterreichische Nachrichten, 28.10.1996)

Es sind oft Kleinigkeiten, die einem gar nicht bewusst ins Auge fallen, die aber viel ausmachen, wenn es darum geht, sich daheim zu fühlen. Identifikationsstiftende Elemente nennt sie der Fachmann. Details, die Atmosphäre schaffen, die unverwechselbar zum Haus, zur Strasse, zum Viertel, zum Dorf oder zu einer ganzen Landschaft gehören. Man sieht sie nur, wenn man mit offenen Augen durch die Strassen geht. Sie gehören einfach dazu. Und erst ihr Fehlen fällt auf. Wieder ein Stück der vertrauten Umgebung ist dann weg. Es sind Kleindenkmäler, an denen sich das Heimatgefühl festmacht. Sie verbinden das Heute mit dem Gestern in einer Zeit, wo alles pflegeleichter, glatter, aufgeräumter ist.
Dackel und Denkstein. Kleindenkmäler im Stadtbild (Stuttgarter Zeitung, 15.6.1996)

weiter: Heimatbegriff und Jugend


Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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