Ein
Drittel der Schmetterlinge Europas gefährdet
Der Verlust an Lebensräumen hat ernste Auswirkungen
auf Europas Schmetterlinge, Libellen und andere Insekten.
Das geht aus der neuesten Ausgabe der Roten Liste hervor,
die die Weltnaturschutzunion IUCN am Dienstag im Auftrag
der Europäischen Union veröffentlicht hat.
Demnach sind neun Prozent der Schmetterlinge und 14 Prozent
der Libellen Europas vom Aussterben bedroht. Bei rund einem
Drittel (31 Prozent) der Europäischen Schmetterlingsarten
gehen die Populationen zurück, reichlich die Hälfte
der Arten (55 Prozent) ist stabil, lediglich vier Prozent
haben steigende Populationen und für zehn Prozent liegen
keine aussagekräftigen Daten vor.
Die meisten der bedrohten Schmetterlingsarten sind im Süden
Europas zu Hause. Hauptursachen für den Rückgang
ist der Verlust oder die mangelnde Vernetzung von Lebensräumen
- oft hervorgerufen durch Änderungen in der Landnutzung
und eine Intensivierung der Landwirtschaft. Als weitere Ursachen
beschreiben die Wissenschaftler in ihrem Report den Klimawandel,
häufigere und stärkere Brände sowie den Tourismus. "Wenn über
bedrohte Arten gesprochen wird, dann ist meist die Rede von
großen, markanten Tieren wie Pandabären oder Tigern.
Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die "kleinen" Arten
mindestens genauso wichtig sind. Auch sie müssen geschützt
werden", appelliert Jane Smart, Direktorin der IUCN-Gruppe
zum Schutz der Biodiversität. "Schmetterlinge beispielsweise
spielen eine wichtige Rolle als Bestäuber in zahlreichen Ökosystemen." Beobachtungsprogramme
existieren nur in wenigen Europäischen Ländern. "Um
die Entwicklungen der Populationen objektiv beurteilen zu
können und die Genauigkeit der Roten Listen in Zukunft
zu verbessern, müssten sie aber in allen Ländern
etabliert werden", sagt Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum
für Umweltforschung (UFZ), einer der Autoren der Studie. "Solche
Monitoringprogramme würden auch helfen, den Erfolg von
Schutzmaßnahmen für wichtige Indikatorengruppen
unter den Insekten zu kontrollieren und zu verbessern."
Beispiele für besonders bedrohte Arten: Der Madeira-Kohlweißling
(Pieris wollastoni) ist vom Aussterben bedroht und könnte
bereits ausgestorben sein, da er seit mindestens 20 Jahren
auf Madeira nicht mehr gesehen worden ist. Der in der ehemaligen
jugoslawischen Republik Mazedonien vorkommende Edelfalter
Pseudochazara cingovskii gilt ebenfalls als vom Aussterben
bedroht, da Tagebauarbeiten seinen Lebensraum einschränken.
Ein Drittel von Europas Schmetterlingen (142 Arten) sind
nirgendwo anders auf der Welt zu finden und 22 dieser endemischen
Arten (15 Prozent) sind weltweit gefährdet.

Ein Exemplar des Thymian-Ameisenbläulings (Maculinea
arion) in der Schmetterlingssammlung des Museum für
Naturgeschichte in Oxford, England. Diese Schmetterlingsart
war 1979 in Großbritannien ausgestorben und wurde dort
vor 25 Jahren wieder angesiedelt. Seitdem gilt diese Art
als Musterbeispiel für den Schutz bedrohter Insekten.
Foto: André Künzelmann/UFZ
Die Europäische Rote Liste, die anhand derselben Kriterien
wie die weltweite Rote Liste der gefährdeten Arten der
IUNC erstellt wird, aber auf Europa beschränkt ist,
bietet einen Überblick über den Erhaltungsstatus
von etwa 6 000 europäischen Arten (Säugetiere,
Reptilien, Amphibien, Süßwasserfische, Schmetterlinge,
Libellen und bestimmte Gruppen von Käfern, Weichtieren
und Gefäßpflanzen). Dabei werden Arten identifiziert,
die auf regionaler Ebene vom Aussterben bedroht sind, um
Erhaltungsmaßnahmen einleiten zu können. Die Europäische
Rote Liste wird hauptsächlich durch die Europäische
Kommission finanziert.
Die Arten werden je nach Stärke der Bedrohung in eine
von acht Kategorien eingeteilt. Die Rote Liste der IUCN ist
eine Zusammenstellung von Informationen über die Bedrohungen,
denen die Arten ausgesetzt sind. Sie charakterisieren auch
deren ökologische Bedürfnisse und deren Lebensräume
sowie die Maßnahmen, die getroffen werden können,
um ein Aussterben zu verlangsamen oder zu verhindern.
Die EU-Kommission erarbeitet derzeit ihre Position in Bezug
auf ein neues weltweites Ziel des Erhalts der Artenvielfalt,
das bei der Vertragsstaaten-Konferenz des Abkommens zum
Erhalt der biologischen Vielfalt im Oktober in Nagoya erörtert
werden soll. 
Das Verbreitungsgebiet des Hochalpen-Apollofalters
(Parnassius phoebus) ist auf die europäischen Alpen beschränkt.
Man findet ihn in Höhen bis zu 2.800 Metern. Der
Hochalpen-Apollo wird in der Roten Liste der Schmetterlinge
Europas als potenziell gefährdet geführt und
gilt als Hochrisiko-Art bzgl. des Klimawandels.
Foti: Reinart Feldmann/UFZ
Die Vereinten Nationen haben 2010 zum Internationalen
Jahr der Biologischen Vielfalt erklärt. Ziel ist es, dass
Thema biologische Vielfalt mit seinen vielen Facetten stärker
in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit seiner
Expertise trägt das UFZ dazu bei, die Folgen und Ursachen
des Biodiversitätsverlustes zu erforschen sowie Handlungsoptionen
zu entwickeln. Mehr dazu erfahren Sie unter:
http://www.ufz.de/index.php?de=16034 und http://www.ufz.de/data/ufz_spezial_april08_20080325_WEB8411.pdf
Die Biodiversitätsforschung in Deutschland ist auf zahlreiche
Institutionen wie Hochschulen, außeruniversitäre
Einrichtungen und Ressortforschung bis hin zu Naturschutzverbänden
und Firmen verteilt. Das Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung,
ein Projekt im Rahmen von DIVERSITAS-Deutschland, möchte
der Forschungscommunity deshalb eine gemeinsame institutionsunabhängige
Kommunikationsstruktur und -kultur anbieten. Mehr dazu
erfahren Sie unter: http://www.biodiversity.de/ Tilo Arnhold,
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
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