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1/2010

Temperaturanstieg gefährdet Wintersport in Mittelgebirgen

Auf der Internetseite Nationalatlas aktuell veröffentlichte Studie prognostiziert Rückgang der Schneetage in deutschen Mittelgebirgen. Die Experten rechnen damit, dass der Wintersporttourismus bis zur Mitte des Jahrhunderts an die Grenzen der Rentabilität stoßen wird.
Für den Wintersport ausreichende Schneehöhen werden in den Mittelgebirgen immer seltener. Das ergaben die Modellrechnungen eines Teams von Geographen der RWTH Aachen. Die Ergebnisse der Untersuchungen von Klimadaten und der Analyse von naturräumlichen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen des Wintersporttourismus sind jetzt auf der vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) betriebenen Internetseite Nationalatlas aktuell (http://aktuell.nationalatlas.de) in übersichtlicher Form dargestellt.

Schneedecke und Skigebiete
Schneedecke und Skigebiete. Karte: IfL

Danach dürfte der mit dem Klimawandel verbundene Temperaturanstieg dafür sorgen, dass die für Wintersport erforderliche Mindestschneehöhe von zehn Zentimetern zukünftig an immer weniger Tagen des Jahres erreicht wird. Bis 2030 rechnen die Forscher mit einem Rückgang der Zahl der Schneetage um bis zu 20 Prozent. Bis zur Mitte des Jahrhunderts erwarten sie in den Gipfellagen nur noch knapp die Hälfte und in den mittleren und tieferen Lagen sogar bis zu 65 Prozent weniger Schneetage im Vergleich zum Zeitraum 1994 bis 2003. Dann dürfte der kommerzielle Schneesport in den Wintersport- und Skigebieten der deutschen Mittelgebirge an die Grenze der Rentabilität stoßen.

Mit guten bis ausreichenden Bedingungen für den Wintersport können Liftbetreiber, Hoteliers und Gastwirte aber immerhin noch bis in das dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts rechnen. Das gilt zumindest für die Hochlagen der Mittelgebirge. Investitionen in die touristische Infrastruktur der Skigebiete halten die Aachener Geographen aufgrund ihrer Analysen und Prognosen denn auch für "durchaus sinnvoll". Allerdings gehen sie von regional unterschiedlichen Entwicklungen aus. So würden die Veränderungen in den milderen südwestlichen Mittelgebirgen rascher vor sich gehen als in den niederschlagsärmeren und kälteren östlichen Mittelgebirgen.

Die Untersuchungen der Aachener Wissenschaftler sind Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts Geographisches Informationssystem für Klimavariabilität und Schneeverfügbarkeit in deutschen Mittelgebirgen, kurz GIS-KliSchee. Regionale Klimadaten, Satellitenbilder und statistische Klimamodelle bilden die Grundlagen der Berechnungen und Prognosen.

In der Online-Zeitschrift Nationalatlas aktuell ( aktuell.nationalatlas.de) veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Beiträge zu Ereignissen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Im Mittelpunkt stehen eigene Karten und Grafiken sowie von Experten geschriebene Begleittexte. Jüngere Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit den Themen West-Ost-Wanderung, Cross-Border-Leasing und nichteheliche Geburten im regionalen Vergleich.

Dr. Peter Wittmann, Leibniz-Institut für Länderkunde

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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