Stärkere
Stürme und grössere Sturmschäden im Wald
Die Häufung starker Winterstürme in den vergangenen
Jahrzehnten könnte bereits eine Folge des laufenden
Klimawandels sein. In diesem Zusammenhang fanden nun Wissenschafter
der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald,
Schnee und Landschaft WSL anhand einer weltweit einzigartigen
Windmessreihe heraus, dass im Kanton Zürich die Anzahl
stürmischer Tage und die maximale Böengeschwindigkeit
seit 1891 zugenommen haben. Gleichzeitig vergrösserten
sich auch die Waldschäden nach Stürmen stark.

Sturmschaden im Wald bei Sarmenstorf (Kanton Aargau,
Schweiz). Bild:
Reinhard Lässig / WSL
Winterstürme haben den Schweizer Wald in den letzten
50 Jahren stark beeinträchtigt. Allein die Orkane "Lothar" (1999)
und "Vivian" (1990) warfen oder brachen etwa die
vierfache Holzmenge, die jährlich in der Schweiz genutzt
wird. Diese relativ nah aufeinander folgenden Naturereignisse
lassen vermuten, dass Stürme immer häufiger werden.
Wissenschafter der Eidgenössischen Forschungsanstalt
für Wald, Schnee und Landschaft WSL, des Bundesamtes
für Umwelt (Bafu) und der Universitäten Bern, Neuenburg
und Genf bestätigen diese Annahme anhand von zwei aktuellen
Veröffentlichungen.
Winterstürme mit höheren Böenspitzen
Eine im International Journal of Climatology (online) veröffentlichte
Analyse einer langjährigen, weltweit einzigartigen Windmessreihe
aus der Region Zürich zeigte, dass die Böengeschwindigkeiten
der Winterstürme in den letzten Jahrzehnten deutlich
zugenommen haben und starke Böen immer häufiger
auftreten. Zudem besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen
den Böenspitzen der Winterstürme und der Schadholzmenge
im Kanton Zürich.
Zwischen 1858 und 2007 ereigneten sich in der Schweiz 25
starke Winterstürme mit Schadholzmengen von jeweils
mehr als 70'000 m3, wie die Wissenschafter kürzlich
in der Zeitschrift Agricultural and Forest Meteorology (online)
zeigten. Zwischen 1958 und 2007 wurden doppelt so viele schwere
Winterstürme registriert wie in den 50 Jahren zuvor.
Die Stürme führten 1958-2007 zu 22 Mal mehr Schadholz
als hundert Jahre zuvor. Einer der Gründe für die
stark zunehmenden Schäden liegt im Ansteigen des Holzvorrates.
Die Waldfläche der Schweiz nahm seit 1860 um über
60% zu und gleichzeitig steht heute fast dreimal so viel
Holz auf einem Hektar Wald wie vor 150 Jahren. Trotzdem sind
im Vergleich zur Entwicklung der Waldfläche, der mittleren
Baumhöhen und der Holzvorräte die Schadholzmengen überproportional
angestiegen. Sturmschäden im Wald konzentrieren sich
in 23 von 25 Fällen auf das Schweizer Mittelland und
die nördlichen Voralpengebiete. "Vivian" war
einer der seltenen Stürme, die vor allem in den Alpen
wüteten.
Die Zunahme der Schadholzmenge könnte zum Teil auch
auf bereits erfolgte klimatische Veränderungen zurückzuführen
sein. Denn im untersuchten Zeitraum hat die mittlere Wintertemperatur
um 2 Grad Celsius zugenommen und im Winter fallen heute deutlich
mehr Niederschläge als vor 150 Jahren, wie die Studie
zeigt. Und weil sich die meisten Sturmschäden im Wald
bei ungefrorenem Boden ereigneten, kippten die Bäume
bei Stürmen, besonders in nassen Böden, schneller
um.
Die Zunahme von Winterstürmen wird nicht nur in der
Schweiz, sondern in weiten Teilen Europas beobachtet. Darum
braucht es, um überregionale Aussagen zur Entwicklung
der Häufigkeit von Sturm- und Waldschäden machen
zu können, zusätzliche Analysen aus anderen Regionen.
Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald,
Schnee und Landschaft WSL hat sowohl nach dem Sturm "Vivian" (1990)
als auch nach "Lothar" (1999) umfangreiche Untersuchungen
zum Ausmass dieser ausserordentlichen Naturereignisse, zu
deren ökonomischen und ökologischen Folgen und
zu regionalen Sturmrisiken durchgeführt. Umfangreiche
Ergebnisse sind unter den weiter unten verlinkten Beiträgen
nachzulesen. 20 Jahre nach "Vivian" beziehungsweise
zehn Jahre nach "Lothar" erfasst die WSL auf zahlreichen
Sturmwurfflächen die aktuelle Waldsituation erneut,
um weiteren Fragen zu Waldverjüngung, Vegetationsökologie,
Waldmanagement, Holzabbau und Insektenpopulationen nachzugehen.
Weitere Informationen:
www.wsl.ch/news/091211_stuerme_DE
www.wsl.ch/dossiers/sturm_windwurf/download/merkblatt_vivian.pdf
/www.waldwissen.net/themen/waldbau/forstliche_planung/wsl_entscheidungshil...
www.wsl.ch/dossiers/sturm_windwurf/kontakt_DE
Reinhard Lässig,
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee
und Landschaft WSL |