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5/2009

Klimawandel in Naturschutzgebieten

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zeigen im Internet, wie der Klimawandel die Naturschutzgebiete Deutschlands verändern könnte. Auf der Internetseite "Klimawandel und Schutzgebiete" sind Kennwerte des bisherigen regionalen Klimas und zwei Zukunftsszenarien für über 4000 Schutzgebiete interaktiv abrufbar.


" Auf unserer Seite kann sich jeder Interessierte darüber informieren, mit welchem Spektrum klimatischer Bedingungen künftig in den naturnahen und schützenswerten Lebensräumen Deutschlands zu rechnen ist", sagt Katrin Vohland, die am PIK das Projekt "Schutzgebiete Deutschlands im Klimawandel - Risiken und Handlungsoptionen" koordiniert. Darin erforschen Wissenschaftler eines Konsortiums von Instituten, wie der Naturschutz auf den Klimawandel reagieren kann.

"Der Klimawandel wird zwar als global recht gleichförmiger Trend wahrgenommen, kann sich aber regional sehr unterschiedlich ausprägen. Deutschland gehört dabei zu den Vorreitern einer proaktiven Diskussionskultur über die Auswirkungen des Klimawandels auf Schutzgüter", sagt BfN-Präsidentin Beate Jessel.


Die Fortpflanzungsgewässer der seltenen Gestreiften Quelljungfer (Cordulegaster bidentata), Quellrinnsale wie im Schutzgebiet "Oberes Surtal und Urstromtal Höglwörth" (Oberbayern) könnten bei abnehmenden Sommerniederschlägen trocken fallen. Foto: W. Joswig

Das Projekt trägt auch zur Umsetzung und Weiterentwicklung der von der Bundesregierung im Dezember 2008 beschlossenen Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel bei. So verringert das hochwertige deutsche Schutzgebietssystem durch Pufferwirkung, Wasser- und CO2-Speicherung bereits heute wichtige negative Auswirkungen des Klimawandels. Gebiete mit natürlicher Entwicklung gewinnen dabei als Rückzugs- und Wanderkorridore zunehmend an Bedeutung. Viele Klimafolgen ließen sich entsprechend durch angepasstes Management abmildern. "Dazu gehört, dass man sich auf lokaler Ebene mit allen Beteiligten über mögliche Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzt und dafür ist das neue Internetangebot eine Grundlage", sagt Jessel.

Für die meisten der Lebensräume ist die klimatische Wasserbilanz ein prägender Faktor. "An vielen Standorten könnten nicht nur wärmere, sondern besonders in den Sommermonaten auch trockenere Bedingungen herrschen", erläutert Vohland. Die Differenz zwischen Niederschlägen und der möglichen Verdunstung kann dann negative Werte annehmen.

Wie sich das Klima verändern könnte, wurde mit dem am PIK entwickelten regionalen Klimamodell "STAR" berechnet. Für das Bundesgebiet ergaben die Annahmen über den künftigen Verlauf der Emissionen eine Erwärmung um etwa 2,1 Grad Celsius über das vorindustrielle Niveau bis zur Mitte dieses Jahrhunderts, mit nur geringen Abweichungen für die verschiedenen Schutzgebiete.

Um das gesamte Spektrum der möglichen Entwicklung von Niederschlägen und Wasserverfügbarkeit abzudecken, sind pro Schutzgebiet neben den bisherigen Kennwerten zwei extreme Projektionen dargestellt: die trockenste und die niederschlagsreichste. Die Modellierungsergebnisse gelten für die Standorte der Klimastationen des Deutschen Wetterdienstes. Sie wurden anschließend auf die geographischen Mittelpunkte der über 4000 Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiete umgerechnet.

Auf den nun veröffentlichten Seiten kann der Nutzer zunächst ein Bundesland auswählen, um dann in einen Landkreis und ein Schutzgebiet zu navigieren. In den ausgegebenen Tabellen und Abbildungen wird jeweils die Referenzperiode von 1961 bis 1990 den zwei Zukunftsprojektionen für den Zeitraum 2026 bis 2055 gegenüber gestellt.

Uta Pohlmann, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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