Wald
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Freiburger Forscher fordern im Rahmen des Projekts "Waldzukünfte
2100" die Gemeinden und Landkreise im Land zu einer
breiten Zukunftsdebatte über den Wald vor Ort auf
Die Wälder in Deutschland, einst ein Sinnbild für
Ruhe und Harmonie sind zur heftig umkämpften Ressource
geworden. Naturschutzverbände, Sportler, Holzindustrie
und Brennholzkunden machen einen immer größeren
Bedarf an Fläche und Rohstoff geltend. "Schon heute
sind Korrekturen in der Politik überfällig",
sagt Ulrich Schraml, Forstpolitikprofessor an der Universität
Freiburg mit Blick auf die mehrfach gescheiterten Versuche
der großen Koalition das Bundeswaldgesetz an diese
Herausforderungen anzupassen. "Nun sind die Regionen
gefragt, denn Nichtstun hat einen hohen Preis. Schon heute
bestimmen wir das Gesicht des Waldes für unsere Kinder
und Enkelkinder. Von den heute gepflanzten Bäumen werden
im Jahr 2100 viele weder zum Ernten geeignet sein, noch ihre
ganzen ökologischen Wirkungen entfalten können.
Daher müssen wir vor Ort schon heute dringend handeln."
Die Expertinnen und Experten des Projekts "Waldzukünfte
2100" sind sich einig, dass es nötig ist, sich
schon jetzt für die zentralen Herausforderungen des
21. Jahrhunderts zu wappnen. Energiehunger, klimatische Veränderungen,
neue Ansprüche im Freizeitbereich und der vermehrte
Wunsch nach Schutzgebieten müssen koordiniert werden.
Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der aktuellen Studie "Waldzukünfte:
Herausforderungen für eine zukunftsfähige Waldpolitik
in Deutschland". An dem Projekt, das vom Bundesministerium
für Wissenschaft und Forschung gefördert wurde,
beteiligten sich unter anderem das Institut für Forst-
und Umweltpolitik der Universität Freiburg, das Institut
für Ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH in
Berlin sowie mehrere Zukunftsforscher aus Berlin.
Der Freiburger Forschungsgruppe um Schraml weist darauf
hin, dass die Zukunft der Wälder nicht nur in Brüssel,
Berlin und Stuttgart gestaltet wird. Vor allem sind jene
gefordert, die vor Ort Verantwortung für den Wald haben.
In Baden-Württemberg sind dies neben den privaten Waldbesitzern
in großem Umfang die Gemeinden sowie die Stadt- und
Landkreise. Die Forscher sehen vier Bereiche, in denen auf
kommunaler Ebene über die Zukunft des Waldes entschieden
wird.
1. Herausforderung: Neue Nutzungskonflikte
Neben die traditionellen Interessen der Forst- und Holzwirtschaft
sowie des Naturschutzes treten zunehmend neue Ansprüche,
die an den Wald und seine Eigentümer gerichtet sind.
Zukünftig wird die Mehrfachbeanspruchung des Waldes
zunehmen. Förster werden zunehmend zu Moderatoren.
Die Gemeinden und Kreise benötigen daher eine kompetente
und schlagkräftige Forstorganisation, die die verschiedenen
Bedürfnisse befriedigen und in den entstehenden Konflikten
vermitteln kann.
2. Herausforderung: Klimawandel und Ökosystemschutz
Klimatische Veränderungen gelten als zentrale Herausforderung
für die Stabilität der Wälder. Die Waldpflege
und -verjüngung muss schon jetzt sicherstellen, dass
die Wälder auch zukünftig produktiv sind, eine
hohe biolologische Vielfalt aufweisen und für die Waldbesucher
attraktiv bleiben.
3. Herausforderung: Rohstoffversorgung und Holzverwendung
Holz gilt als der Rohstoff der Zukunft. Vor allem die Kommunen
sind dazu aufgerufen, das nachhaltige Bauen mit Holz sowie
die Nutzung von Bioenergie im öffentlichen und im
privaten Bereich zu fördern. Die in den Gemeinden
und Kreisen Verantwortlichen müssen sich aber gleichzeitig
auch positionieren: In welchem Umfang und mit welchen Techniken
soll der zukünftige Holzbedarf in der Region gedeckt
werden?
4. Herausforderung: Waldwissen in der Gesellschaft
Bildung für nachhaltige Entwicklung findet im Wald einen
geeigneten Ort und ein geeignetes Thema für ihre Aufgabe.
Die Herausforderung für die lokalen Bildungseinrichtungen
besteht darin, Diskussionen über Risiken und Potentiale
der aktuellen und künftigen Nutzung des Waldes in die
Mitte der Gesellschaft zu tragen. Vor allem müssen Initiativen
unterstützt werden, die sich an die waldfernen jüngeren
Generationen richten.
Rudolf-Werner Dreier,
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau |