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4/2009

Wald 21

Freiburger Forscher fordern im Rahmen des Projekts "Waldzukünfte 2100" die Gemeinden und Landkreise im Land zu einer breiten Zukunftsdebatte über den Wald vor Ort auf

Die Wälder in Deutschland, einst ein Sinnbild für Ruhe und Harmonie sind zur heftig umkämpften Ressource geworden. Naturschutzverbände, Sportler, Holzindustrie und Brennholzkunden machen einen immer größeren Bedarf an Fläche und Rohstoff geltend. "Schon heute sind Korrekturen in der Politik überfällig", sagt Ulrich Schraml, Forstpolitikprofessor an der Universität Freiburg mit Blick auf die mehrfach gescheiterten Versuche der großen Koalition das Bundeswaldgesetz an diese Herausforderungen anzupassen. "Nun sind die Regionen gefragt, denn Nichtstun hat einen hohen Preis. Schon heute bestimmen wir das Gesicht des Waldes für unsere Kinder und Enkelkinder. Von den heute gepflanzten Bäumen werden im Jahr 2100 viele weder zum Ernten geeignet sein, noch ihre ganzen ökologischen Wirkungen entfalten können. Daher müssen wir vor Ort schon heute dringend handeln."

Die Expertinnen und Experten des Projekts "Waldzukünfte 2100" sind sich einig, dass es nötig ist, sich schon jetzt für die zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu wappnen. Energiehunger, klimatische Veränderungen, neue Ansprüche im Freizeitbereich und der vermehrte Wunsch nach Schutzgebieten müssen koordiniert werden. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der aktuellen Studie "Waldzukünfte: Herausforderungen für eine zukunftsfähige Waldpolitik in Deutschland". An dem Projekt, das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gefördert wurde, beteiligten sich unter anderem das Institut für Forst- und Umweltpolitik der Universität Freiburg, das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH in Berlin sowie mehrere Zukunftsforscher aus Berlin.

Der Freiburger Forschungsgruppe um Schraml weist darauf hin, dass die Zukunft der Wälder nicht nur in Brüssel, Berlin und Stuttgart gestaltet wird. Vor allem sind jene gefordert, die vor Ort Verantwortung für den Wald haben. In Baden-Württemberg sind dies neben den privaten Waldbesitzern in großem Umfang die Gemeinden sowie die Stadt- und Landkreise. Die Forscher sehen vier Bereiche, in denen auf kommunaler Ebene über die Zukunft des Waldes entschieden wird.

1. Herausforderung: Neue Nutzungskonflikte
Neben die traditionellen Interessen der Forst- und Holzwirtschaft sowie des Naturschutzes treten zunehmend neue Ansprüche, die an den Wald und seine Eigentümer gerichtet sind. Zukünftig wird die Mehrfachbeanspruchung des Waldes zunehmen. Förster werden zunehmend zu Moderatoren. Die Gemeinden und Kreise benötigen daher eine kompetente und schlagkräftige Forstorganisation, die die verschiedenen Bedürfnisse befriedigen und in den entstehenden Konflikten vermitteln kann.

2. Herausforderung: Klimawandel und Ökosystemschutz
Klimatische Veränderungen gelten als zentrale Herausforderung für die Stabilität der Wälder. Die Waldpflege und -verjüngung muss schon jetzt sicherstellen, dass die Wälder auch zukünftig produktiv sind, eine hohe biolologische Vielfalt aufweisen und für die Waldbesucher attraktiv bleiben.

3. Herausforderung: Rohstoffversorgung und Holzverwendung
Holz gilt als der Rohstoff der Zukunft. Vor allem die Kommunen sind dazu aufgerufen, das nachhaltige Bauen mit Holz sowie die Nutzung von Bioenergie im öffentlichen und im privaten Bereich zu fördern. Die in den Gemeinden und Kreisen Verantwortlichen müssen sich aber gleichzeitig auch positionieren: In welchem Umfang und mit welchen Techniken soll der zukünftige Holzbedarf in der Region gedeckt werden?

4. Herausforderung: Waldwissen in der Gesellschaft
Bildung für nachhaltige Entwicklung findet im Wald einen geeigneten Ort und ein geeignetes Thema für ihre Aufgabe. Die Herausforderung für die lokalen Bildungseinrichtungen besteht darin, Diskussionen über Risiken und Potentiale der aktuellen und künftigen Nutzung des Waldes in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Vor allem müssen Initiativen unterstützt werden, die sich an die waldfernen jüngeren Generationen richten.

Rudolf-Werner Dreier, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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