Zivilgesellschaftliches
Engagement: Mittlerorganisationen unter der Lupe
Wo liegen die Stärken von Mittlerorganisationen zivilgesellschaftlichen
Engagements? Wie können sie wirken, was können
sie bewirken? Eine bundesweite Evaluation soll darüber
Aufschluss geben. Das Forschungsprojekt wird bis Juni 2010
von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
und der Universität Potsdam durchgeführt. MLU-Soziologe
Holger Backhaus-Maul ist einer der beiden Leiter. Erste Ergebnisse
werden auf einer bundesweiten Tagung vom 28. bis 30. Oktober
2009 an der MLU präsentiert.
In der vom Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend (BFSFJ) in Auftrag gegebenen Untersuchung
werden die lokalen Freiwilligenagenturen, Freiwilligenzentren,
Ehrenamtsbörsen und Ehrenamtsbüros in Deutschland
mit ihren jeweiligen Träger- und Dachverbandsstrukturen
unter die Lupe genommen.
Nach einer zweimonatigen Vorbereitung, in der das Forschungsteam
die notwendigen Fragestellungen präzisiert, eine bundesweite
Adressdatenbank von Mittlerorganisationen zivilgesellschaftlichen
Engagements erstellt und einige Modellkommunen ausgewählt
hat, befragen die Organisationswissenschaftler postalisch
die verantwortlichen Führungskräfte der Mittlerorganisationen.
Zur Erhebung der aktuellen Situation der Mittlerorganisationen
fragen sie nach der gegenwärtigen Infrastruktur, den
Aufgabenprofilen und den Rahmenbedingungen, der lokalen Einbindung
und Vernetzung sowie der Bedeutung der überregionalen
Dachorganisationen.
Ergänzend zur Befragung mittels Fragebogen führen
die Wissenschaftler Interviews mit Verantwortlichen einzelner
Modellkommunen sowie mit ausgewiesenen Experten auf der Bundes-,
Landes- und Kommunalebene, insbesondere zur aktuellen Lage
und der Entwicklung der untersuchten Organisationen. Im Anschluss
an die umfangreichen Befragungen werten sie alle erhaltenen
Daten aus und analysieren sie. Abschließend verorten
die Wissenschaftler die Untersuchungsergebnisse in der aktuellen
sozialwissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Debatte
und machen sie der Fachöffentlichkeit zugänglich.
Während die Universität Potsdam und das Team um
den dortigen Projektleiter Dr. Karsten Speck überwiegend
die quantitativen Erhebungen vorbereitet, durchführt
und auswertet, obliegt dem Team um Projektleiter Holger Backhaus-Maul
an der MLU die Verantwortung für die qualitative Erhebung
in den ausgewählten Kommunen sowie mit ausgewiesenen
Experten.
Die Zusammenarbeit beider Projektleiter begann vor ca. zehn
Jahren. Dr. Karsten Speck arbeitete bis 2004 am Fachbereich
Erziehungswissenschaften der MLU, bevor er an das Institut
für Erziehungs- und Sozialisationstheorie der Universität
Potsdam ging. Ein erstes gemeinsames Projekt, eine Organisationsuntersuchung
der evangelischen Erwachsenenbildung, führte ihn mit
dem Soziologen Holger Backhaus-Maul zusammen, der an der
MLU im Fachgebiet Recht, Verwaltung und Organisation der
Philosophischen Fakultät III (Erziehungswissenschaften)
arbeitet. Weitere Projekte folgten. "Mittlerweile können
wir auf richtungsweisende sozialwissenschaftliche Untersuchungen
zum Engagement in gemeinnützigen Organisationen an beiden
Universitäten verweisen", erklärt Holger Backhaus-Maul. |