Aus
Ökologie und Natur
Beim Mähen wird die Wiese zum Wildtier-Friedhof
Die Deutsche Wildtier Stiftung informiert über
Schutzmaßnahmen
Nichts ahnend liegt das Rehkitz im
Gras, als der Traktor mit dem Mähwerk kommt. Mit hoher
Geschwindigkeit rattern die rotierenden Messer auf das kleine
Tier zu, das sich vor Angst nicht rührt. Durch sein
geflecktes Fell und das hohe Gras ist das Kitz so gut getarnt,
dass der Landwirt es nicht sieht. Der Tod des Kitzes ist
besiegelt.

Von der Wiesenmahd gefährdet: Rehkitz in vermeintlich
sicherer Deckung. Bild © Deutsche Wildtier Stiftung/T. Martin
"Mehr als 500.000 kleine und große Wildtiere
finden jedes Jahr auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen
durch
Mähmaschinen den Tod", sagt Hilmar Freiherr von
Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen
Wildtier Stiftung. Deshalb fordert die Stiftung Landwirte
und Jäger auf, mehr gegen den Mähtod zu unternehmen.
Fünf Millionen Hektar Fläche sind in Deutschland
als landwirtschaftlich genutztes Grünland ausgewiesen. "Das
sind fünf Millionen Hektar Lebensraum für Wildtiere
wie Reh und Feldhase oder die Wiesenbrüter Kiebitz und
Brachvogel, deren Nachwuchs leicht zum Opfer von Mähmaschinen
wird", betont Hilmar Freiherr von Münchhausen. "Denn
gerade mitten in der Brut- und Aufzuchtszeit vieler Tierarten
beginnt die Mähsaison." Dann zerschmettert das
scharfe Mähwerk die Gelege der am Boden brütenden
Vogelarten und zerfetzt die jungen Feldhasen, die sich in
der Sasse vor der heran nahenden Gefahr ducken.

Feldhase - schnell, aber auch scheu und Deckung suchend.
Bild © Deutsche
Wildtier Stiftung/T. Martin
Landwirte können helfen, Wildtiere vor dem Mähtod
zu bewahren. Tipps für den Wildtierschutz hat die Deutsche
Wildtier Stiftung im Praxis-Ratgeber "Stoppt den Mähtod" zusammengefasst. "Aus
Sicht der Wildtiere wäre es das Beste, die Mahd zeitlich
zu verschieben. So hätten viele Wildtiere und ihre Jungen
eine größere Überlebenschance", rät
die Deutschen Wildtier Stiftung und fordert: "Landwirte,
die auf eine frühe Mahd ihrer Flächen freiwillig
verzichten, müssen aus Mitteln der Agrarpolitik dafür
besser als bisher honoriert werden!" Doch viele Vogelbruten,
Kleinsäuger und Amphibien können auch dadurch gerettet
werden, dass Wiesen nicht tief gemäht werden, sondern
auf einer Grashöhe von 15 cm." Das Mähen von
innen nach außen erleichtert Wildtieren die Flucht,
denn sie laufen bei Gefahr nicht über bereits gemähte
Flächen - das verbietet ihr Instinkt.
Schließlich kann hoffentlich bald auch neue Technik
Wildtiere schützen: Von Ultraschallgeräten zum
Vertreiben von Wildtieren vor der Mahd aus den Wiesen bis
hin zu Suchgeräten mit Infrarot-Sensoren, die über
die Körperwärme der Tiere deren Standort verraten,
laufen Experimente und Praxistests. "Das Wichtigste
bleibt aber", so die Deutsche Wildtier Stiftung, "Landwirte
für das Problem zu sensibilisieren".
Der Praxis-Ratgeber "Stoppt
den Mähtod" ist
bei der Deutschen Wildtier Stiftung erhältlich. Informationen
sind auf www.DeutscheWildtierStiftung.de verfügbar.
Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz
in Hamburg wurde 1992 von Haymo G. Rethwisch errichtet. Ihr
Ziel ist es, in Deutschland Wildtiere zu schützen und
Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit
heimischer wilder Tiere zu begeistern. Schirmherr ist Bundespräsident
a.D. Prof. Dr. Roman Herzog.
Eva Goris, Kommunikation,
Deutsche Wildtier Stiftung |