Aus
Ökologie und Natur
Neue SATW Publikation: Biotreibstoffe
können nur Nischenfunktion übernehmen
Biotreibstoffe zu fördern ist sinnvoll, wenn
diese eine positive Nettoenergiebilanz aufweisen, die Treibhausgasbilanz
entlasten und verschiedene Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.
Allerdings können Biotreibstoffe in der künftigen
Energieversorgung höchstens eine Nischenfunktion einnehmen.
Dies geht aus der neuen Publikation der Schweizerischen
Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) "Biotreibstoffe
- Chancen und Grenzen" hervor. Die Autoren der Publikation
diskutieren dieses Thema mit Fachleuten und dem Publikum
am 2. Mai 2009 im Wissenschaftscafé des Basecamp09.
Alternative Energieträger werden heute aus verschiedenen
Gründen intensiv diskutiert. Zu ihnen gehören auch
die Biotreibstoffe. Ob und in welchem Mass sie gefördert
werden sollen, ist umstritten, sind doch viele Fragen bezüglich
Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und sozialer
Verträglichkeit noch ungeklärt. Die Schweizerische
Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) hat eine Orientierungshilfe
mit Empfehlungen in Form einer zwölfseitigen Publikation
herausgegeben. Diese ist allgemein verständlich gehalten
und richtet sich an ein interessiertes Publikum.
Organische Abfälle - wertvolle Rohstoffe
In der Schweiz hergestellte Biotreibstoffe können in
der künftigen Energieversorgung höchstens eine
Nischenfunktion übernehmen. Die SATW empfiehlt, Biotreibstoffe
in unserem Land ausschliesslich aus organischen Abfällen
und aus Pflanzenmaterial herzustellen, das für die menschliche
und tierische Ernährung nicht geeignet ist. Auf globaler
Ebene erachtet die SATW die Erzeugung von Biotreibstoffen
aus Pflanzen, die für die Nahrungsmittelproduktion angebaut
werden, ebenfalls als wenig sinnvoll. Ausserdem könnte
es dadurch zu schwerwiegenden Konflikten bei der Wassernutzung
kommen. Die Biotreibstoffe können den heutigen weltweiten
Verbrauch an fossilen Energieträgern auch bei einer
massiven Förderung nur zu einem kleinen Teil ersetzen.
Unerwünschte Folgen vermeiden
Die Erzeugung von Biotreibstoffen aus Abfällen und
Pflanzen, welche nicht für die Nahrungsmittelproduktion
genutzt werden, steht heute erst am Anfang und erfordert
in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen in Forschung
und Entwicklung. Bevor die Schweiz Biotreibstoffe intensiver
erforscht, produziert, importiert und einsetzt, müssen
jedoch die sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen genauer
abgeklärt werden. Dies gilt insbesondere für die
Produktion von Biotreibstoffen in den Ländern des Südens.
Die SATW befürwortet, dass sich der Bundesrat aktiv
für die Erarbeitung eines internationalen Abkommens
einsetzt, das Regeln für den Anbau, die Produktion und
den Handel von Biotreibstoffen festlegt. Damit soll sichergestellt
werden, dass Konflikte zwischen Nahrungsmittelproduktion,
Umweltschutz und Energieerzeugung minimiert werden und dass
in allen Ländern die gleichen Grundsätze gelten.
Ein generelles Moratorium des Imports von Biotreibstoffen
aus Ländern des Südens, wie dies von einigen NGOs
gefordert wird, ist nach Ansicht der SATW jedoch abzulehnen.
Dr. Béatrice Miller,
Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften
Die
Publikation "Biotreibstoffe - Chancen und Grenzen" steht
bei der SATW zum Download
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