Aus
Ökologie und Natur
Naturnahes Grünland zur Verbesserung
der Artenvielfalt
Neues EU-Projekt an der Hochschule Anhalt gestartet
Artenreiche Wiesen sind die am stärksten gefährdeten
Biotope der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Sie
beherbergen als Lebensraum mehr als die Hälfte aller
in Deutschland vorkommenden Arten. Durch Nutzungsintensivierung
(erhöhte Düngergaben, Erhöhung der Schnittfrequenz)
und Nutzungsänderungen (Umbruch in Ackerland, Nutzungsaufgabe)
ist ihr Flächenanteil stark rückläufig, auch
in Sachsen-Anhalt. Heutzutage wird Grünland weitgehend
intensiv genutzt, d. h. mit mehr als drei Mahdterminen jährlich
und einer hohen Nährstoffzufuhr. Die negativen Auswirkungen
auf die Vielfalt der Flora und Fauna sind meist dramatisch.
So besitzen Glatt- und Goldhaferwiesen beispielsweise eine
mindestens dreifach höhere Artenzahl an Pflanzen als
intensiv genutzte - d. h. mehr als 3x gemähte und gedüngte
- Wirtschaftswiesen.
Durch die Intensivierung der Wiesennutzung verschwinden
mit jeder Pflanzenart zugleich 10 Tierarten, die von ihr
als Nahrungsquelle abhängig sind. Dadurch wird nicht
nur das EU-Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis
2010 zu stoppen, in weite Ferne gerückt, sondern auch
den Zielen der nationalen Biodiversitätsstrategie für
den Agrarraum zuwider gehandelt.
Im Projekt SALVERE ("Naturnahes Grünland als Ressource
zur Verbesserung der Artenvielfalt") arbeiten acht Arbeitsgruppen
aus sechs Ländern an dem Ziel, Methoden zu entwickeln,
das Samenpotenzial noch vorhandener artenreicher Wiesen dahingehend
zu nutzen, auf ehemaligen Ackerstandorten oder auf Rohbodenflächen
neue, artenreiche Wiesen anzulegen bzw. artenarmes Wirtschaftsgrünland
aufzuwerten.
Am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg werden Mitarbeiter
der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sabine Tischew im Sommer
2009 dafür zwei großflächige Pilotprojekte
umsetzen. In Zusammenarbeit mit der Agrargesellschaft Wulfen
wird im Wulfener Bruch auf einem ehemaligen Maisacker eine
artenreiche Brenndoldenwiese entstehen. Die zweite Fläche
wird auf einem ehemaligen Ackerstandort auf dem Campus Strenzfeld
angelegt. In Abstimmung mit der Stadt Bernburg wird eine
der letzten noch existierenden, sehr artenreichen Glatthaferwiesen
im Landkreis - die Wiese am Tiergarten - als Spenderfläche
genutzt. Beide neu angelegten Flächen dienen als Demonstrationsflächen
und sollen Praktiker, Planer und Behördenvertreter von
den zahlreichen Vorteilen dieser Methoden überzeugen.
Im Rahmen des Projektes werden zudem Richtlinien für
Samenproduktion und Ernte von potenziellen Spenderflächen
sowie optimale und kostengünstige Verfahren ("best
practice") für die Entwicklung von Wiesen mit hohem
Naturwert erarbeitet. Bis zum Herbst 2011 werden dazu zwei
Praxis-Handbücher erscheinen. Im Laufe des Projektes
sind verschiedene Workshops und Tagungen in den beteiligten
Ländern geplant. In Deutschland wird der Workshop im
Mai 2011 an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg stattfinden.
Zur Information über die neusten Projektaktivitäten
und Ergebnisse erscheint halbjährlich ein Newsletter
und dient die Projekt-Webseite www.salvereproject.eu.
Eileen Klötzer M. A., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Hochschule Anhalt (FH) |