Landesverein Badische Heimat e.V.

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3/2009

Aus Ökologie und Natur

Naturnahes Grünland zur Verbesserung der Artenvielfalt

Neues EU-Projekt an der Hochschule Anhalt gestartet

Artenreiche Wiesen sind die am stärksten gefährdeten Biotope der mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Sie beherbergen als Lebensraum mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Arten. Durch Nutzungsintensivierung (erhöhte Düngergaben, Erhöhung der Schnittfrequenz) und Nutzungsänderungen (Umbruch in Ackerland, Nutzungsaufgabe) ist ihr Flächenanteil stark rückläufig, auch in Sachsen-Anhalt. Heutzutage wird Grünland weitgehend intensiv genutzt, d. h. mit mehr als drei Mahdterminen jährlich und einer hohen Nährstoffzufuhr. Die negativen Auswirkungen auf die Vielfalt der Flora und Fauna sind meist dramatisch. So besitzen Glatt- und Goldhaferwiesen beispielsweise eine mindestens dreifach höhere Artenzahl an Pflanzen als intensiv genutzte - d. h. mehr als 3x gemähte und gedüngte - Wirtschaftswiesen.

Durch die Intensivierung der Wiesennutzung verschwinden mit jeder Pflanzenart zugleich 10 Tierarten, die von ihr als Nahrungsquelle abhängig sind. Dadurch wird nicht nur das EU-Ziel, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 zu stoppen, in weite Ferne gerückt, sondern auch den Zielen der nationalen Biodiversitätsstrategie für den Agrarraum zuwider gehandelt.

Im Projekt SALVERE ("Naturnahes Grünland als Ressource zur Verbesserung der Artenvielfalt") arbeiten acht Arbeitsgruppen aus sechs Ländern an dem Ziel, Methoden zu entwickeln, das Samenpotenzial noch vorhandener artenreicher Wiesen dahingehend zu nutzen, auf ehemaligen Ackerstandorten oder auf Rohbodenflächen neue, artenreiche Wiesen anzulegen bzw. artenarmes Wirtschaftsgrünland aufzuwerten.

Am Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg werden Mitarbeiter der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sabine Tischew im Sommer 2009 dafür zwei großflächige Pilotprojekte umsetzen. In Zusammenarbeit mit der Agrargesellschaft Wulfen wird im Wulfener Bruch auf einem ehemaligen Maisacker eine artenreiche Brenndoldenwiese entstehen. Die zweite Fläche wird auf einem ehemaligen Ackerstandort auf dem Campus Strenzfeld angelegt. In Abstimmung mit der Stadt Bernburg wird eine der letzten noch existierenden, sehr artenreichen Glatthaferwiesen im Landkreis - die Wiese am Tiergarten - als Spenderfläche genutzt. Beide neu angelegten Flächen dienen als Demonstrationsflächen und sollen Praktiker, Planer und Behördenvertreter von den zahlreichen Vorteilen dieser Methoden überzeugen.

Im Rahmen des Projektes werden zudem Richtlinien für Samenproduktion und Ernte von potenziellen Spenderflächen sowie optimale und kostengünstige Verfahren ("best practice") für die Entwicklung von Wiesen mit hohem Naturwert erarbeitet. Bis zum Herbst 2011 werden dazu zwei Praxis-Handbücher erscheinen. Im Laufe des Projektes sind verschiedene Workshops und Tagungen in den beteiligten Ländern geplant. In Deutschland wird der Workshop im Mai 2011 an der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg stattfinden. Zur Information über die neusten Projektaktivitäten und Ergebnisse erscheint halbjährlich ein Newsletter und dient die Projekt-Webseite www.salvereproject.eu.

Eileen Klötzer M. A., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Hochschule Anhalt (FH)

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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