Aus
Ökologie und Natur
Langzeitstreit bei Legehennenhaltung
ist entschieden: Öko-Landwirtschaft trägt zur Verringerung
von Antibiotikaresistenzen bei
Ist Öko-Legehennenhaltung wirklich besser
als eine Legebatterie? Oder bezahlt man die "glücklichen
Hennen" der Bio-Haltung mit mehr Krankheitserregern
in Eiern und Hühnerbeständen? Tierhygieniker der
Technischen Universität München (TUM) haben diese
Streitfrage endlich gelöst - und geben Entwarnung:
Hennen und Eier vom Biohof sind nicht keimbelasteter als
die aus
konventionellen Betrieben. In Ökohaltung gefundene
Bakterienstämme
sind darüber hinaus auch viel seltener resistent gegen
Antibiotika. Und das ist für den Verbraucher ein klarer
Gesundheitsvorteil.
Die Frage nach dem idealen Legehennen-Haltungskonzept sorgt
seit Jahren für hitzige Diskussionen: Befürworter ökologischer
Haltungssysteme pochen auf den Tierschutz, etwa die im Gegensatz
zur Legebatterie tiergerechte Haltung mit Scharrmöglichkeit
und genügend Auslauf. Zudem sollen die starken Beschränkungen
der Öko-Haltung beim Arzneimitteleinsatz im Vergleich
zu konventionellen Systemen die Ausbildung von Antibiotikaresistenzen
reduzieren. Aus Sicht des Verbrauchers gelten Bio-Produkte
häufig von vornherein als gesünder. Die Gegner
alternativer Haltungssysteme wenden ein, dass Öko-Eier
und Hühnerbestände haltungsspezifisch vermehrt
mit Krankheitserregern belastet sein sollen. Bislang existierten
jedoch kaum wissenschaftliche Studien, um den Langzeitstreit
zu schlichten.
"Hier wollten wir endlich für Klarheit sorgen" so
Prof. Johann Bauer vom Lehrstuhl für Tierhygiene der
TUM. Der Tierarzt vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan
untersuchte deshalb im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums
für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Eier und
Legehennen aus konventioneller wie auch aus ökologischer
Haltung, um einen möglichen Einfluss der Haltungsform
auf Tiergesundheit und Produktqualität zu erfassen.
Dafür fuhren seine Mitarbeiter quer durch Bayern: Sie
besuchten je zehn verschiedene Biobetriebe und zehn konventionelle
Legehennenhaltungen - und das jeweils viermal, im Abstand
von vier Monaten. Bei jedem Bauernhof-Besuch nahmen sie per
Wattestäbchen jeweils einen Kloakenabstrich von zehn
Legehennen und sammelten zusätzlich zehn Eier nach dem
Zufallsprinzip ein.
Auf diese Weise kamen insgesamt 800 Tupfer und 800 Eier
zusammen. Alle Proben wurden zunächst im Labor bakteriologisch
analysiert: "Wir haben sie also auf Nährböden
ausgestrichen, in den Brutschrank gesteckt - und dann ermittelt,
welche Keime gewachsen sind", erklärt Prof. Bauer.
Die Werte sind keine Überraschung: Das Team entdeckte
zum Beispiel auf 3 % der Kloakentupfer Salmonellen und auf
2 % Listerien. Allerdings fand das Forscherteam diese Verhältnisse
bei Öko- und Normal-Betrieben gleichermaßen. Und
kein einziges Ei war im Inneren mit Salmonellen verseucht.
Das heißt: Legehennen und Eier aus ökologischen
Haltungssystemen sind - im Gegensatz zur bisherigen Befürchtung
- nicht häufiger mit Krankheitserregern kontaminiert
als bei der konventionellen Haltung.
Die TUM-Tierärzte gingen dann noch einen Schritt weiter:
Sie untersuchten, wie resistent die isolierten Bakterienstämme
gegen Antibiotika waren; solche, die in der Hühnerzucht
häufig verwendet werden, aber auch reine Menschen-Medikamente.
Dazu pipettierten sie die aus den Proben erstellten Bakterien-Suspensionen
von den Hühnerfarmen auf spezielle Test-Platten, auf
denen sich 31 verschiedene Antibiotika in verschiedenen Konzentrationen
befanden. Anhand dessen konnten sie auswerten, welche Bakterienstämme
noch auf welche Medikamente reagierten. Der Vergleich der
Resistenzsituation zeigte deutlich: In Öko-Betrieben
lag der Anteil antibiotikaresistenter Bakterien signifikant
niedriger als in konventionellen Betrieben.
"Somit leistet die ökologische Tierhaltung nicht
nur einen Beitrag zum Tierschutz, sondern trägt darüber
hinaus auch wesentlich zur Sicherung der weiteren Wirksamkeit
von Antibiotika bei Mensch und Tier bei" so Prof. Bauer
vom TUM-Lehrstuhl für Tierhygiene. Denn es ist bekannt,
dass Bakterien vom Tier auf den Menschen (und natürlich
auch umgekehrt) übergehen können. Je weniger Antibiotikaresistenzen
diese Bakterien aufweisen, umso besser können sie im
Krankheitsfall therapiert werden.
Dr. Ulrich Marsch, Zentrale Presse & Kommunikation,
Technische Universität München |