Aus
Ökologie und Natur
Kartoffelstärke effizienter gewinnen
Studie der TU Dresden und der Papiertechnischen
Stiftung (PTS) zeigt: Aufwändige Trocknung und Extraktion
sind nicht nötig
Kartoffelstärke für die Papier- und Wellpappenindustrie
lässt sich wesentlich einfacher und kostengünstiger
herstellen, wie eine Machbarkeitsstudie der TU Dresden in
Zusammenarbeit mit der Papiertechnischen Stiftung (PTS) nachweist.
Sie prüften, inwieweit Substrate aus speziellen Erntemaschinen
für die Stärkegewinnung und Reste aus der Kartoffelverarbeitung
ohne aufwändige Trocknung und Extraktion direkt nutzbar
sind. Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über dessen
Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
(FNR), gefördert.
Die deutsche Papier- und Wellpappenindustrie setzt jährlich
mehr als 500.000 Tonnen Stärke ein, von denen ein großer
Teil aus Kartoffeln stammt. Aufgrund steigender Nachfrage
nach pflanzlicher Stärke und den ständig wachsenden
Herstellungskosten ist eine energieeffizientere und kostengünstigere
Gewinnung zunehmend gefragt.
Die TU Dresden und die PTS prüften nun, inwieweit feuchtes
Kartoffelsubstrat aus einer Kartoffelsubstrat-Erntemaschine
und Kartoffelschalen unterschiedlicher Konsistenz als Additiv
zur Herstellung von Wellpappenrohpapier geeignet sind. Damit
ließen sich die bei der Stärkeproduktion sonst üblichen
aufwändigen Trocknungs- und Extraktionsprozesse und
so Energie und Kosten in erheblichem Umfang einsparen.
Insgesamt 15 Kartoffelsubstratproben, bestehend aus Schälresten
aus drei Kartoffeln verarbeitenden Betrieben in Sachsen und
Proben aus der Kartoffelsubstrat-Erntemaschine, wurden untersucht.
Im Ergebnis waren sowohl das Erntemaschinen-Substrat als
auch die Schälreste für die Wellpappenrohpapierherstellung
prinzipiell geeignet. Auch wenn es an einigen Stellen noch
Optimierungsbedarf gibt, ist der Einsatz des alternativ gewonnenen
stärkehaltigen Rohstoffs schon jetzt wirtschaftlich
möglich. So kann die Papierindustrie beim Einsatz der
aufbereiteten Schälreste, die normalerweise aufwändig
entsorgt werden müssen, rund 68 Prozent der Kosten für
Stärke gegenüber der Verwendung herkömmlicher
Stärke einsparen. Auch der Einsatz von feuchtem Kartoffelsubstrat
aus dem Kartoffelsubstraternter bietet noch Preisvorteile
von etwa 20 Prozent.
In dem jetzt abgeschlossenen Vorhaben wurde die grundsätzliche
Machbarkeit des Ansatzes nachgewiesen. In einem Folgeprojekt
sollen Rezeptur und Aufbereitung weiter optimiert und die
Bereitstellung des Kartoffelsubstrates in gleichbleibender
Qualität nachgewiesen werden. Danach steht der Anwendung
des neuen Verfahrens in der Praxis nichts im Wege.
Dr. Torsten Gabriel,
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Der vollständige Abschlussbericht steht
auf http://www.fnr-server.de/ zum
Download bereit. |