Aus
Ökologie und Natur
Förster machen sich fit für
den Klimawandel
Stirnrunzelnd steht die Gruppe aus dreißig
Mitarbeitern von ForstBW, dem Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg,
am Fuß des Hörnlebergs und schaut auf die großen
Kahlflächen, die Stürme und Borkenkäfer in
der Landschaft hinterlassen haben. Könnte das ein Bild
sein, welches in Zukunft häufiger zu sehen sein wird?
Diese Problemstellung zu erkunden und Strategien auszutauschen,
wie man dem Klimawandel mit angepassten Waldbewirtschaftsformen
entgegentreten kann, sind die Themen beim Workshop „Waldbau
und Klimawandel“, den das Regierungspräsidium
Freiburg in Zusammenarbeit mit der Unteren Forstbehörde
des Landkreises Emmendingen und der Forstlichen Versuchs-
und Forschungsanstalt veranstaltet. Aus ganz Baden-Württemberg
haben sich Forstamtsleiter, Revierleiter und Waldarbeiter
zusammengefunden, um gemeinsam mögliche Lösungsansätze
zu erörtern.
Der Klimawandel, auf den ersten Blick noch fern und in der
Zukunft liegend, ist im Wald mittlerweile angekommen. Baumarten,
die über Jahrzehnte hinweg erfolgreich außerhalb
ihres natürlichen Verbreitungsgebietes angebaut werden
konnten, bekommen jetzt auf weniger geeigneten Standorten
und Höhenlagen Probleme. Das erfährt auch Förster
Robert Reichenbach in den von ihm betreuten, vorwiegend in
Privatbesitz befindlichen Wäldern des Elztals. Seit
Jahren kämpft er gegen die Massenvermehrung der Borkenkäfer,
die den von Sturm und Trockensommern geschwächten Fichten
zusetzen. Mittlerweile kann er die befallenen Bäume
sogar schon am Geruch erkennen, eine Gabe die nicht jedem
Forstmann zu eigen ist. Auch im Rheintal, wo Revierleiter
Bernhard Schultis große Waldflächen in der Allmend
betreut, sind Probleme erkennbar. Hier ist es die Eiche,
der Grundwasserabsenkung, Sommertrockenheit sowie Fraßinsekten
und Wildverbiss das Leben schwer machen.
Dass die Probleme gravierend aber nicht unlösbar sind,
darin ist man sich dennoch einig. Die Forschung ist mit Hochdruck
dabei, aus den vorhandenen Klimamodellen und den bekannten
Standortsansprüchen der Baumarten Empfehlungen zu entwickeln,
wo sich welche Baumart auch in Zukunft wohlfühlen wird.
Der Weg dorthin wird mittelfristig noch konsequenter an dem
Konzept eines den Standorts- und Klimabedingungen angepassten
naturnahen Waldbaus ausgerichtet sein müssen, meint
Armin Jacob, der beim Regierungspräsidium Freiburg für
die Waldbau-Fortbildung zuständig ist.
Dabei gilt es auch die bisherigen Erfahrungen und Folgen
der Waldwirtschaft unter geänderten Klimabedingungen
mit einzubeziehen. Hierfür geben die Wälder im
Landkreis Emmendingen wegen ihrer großen Höhenamplitude
ein besonders lehrreiches Beispiel ab. Denn die Klimaveränderungen
haben Verschiebungen der Pflanzenareale zur Folge, welche
sich besonders an den Höhengrenzen der jetzigen Vegetationszonen
gut beobachten lassen.
Langfristig gilt es die fortschreitende Konkretisierung
der Klimamodelle und den forstwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn
bei der Baumartenplanung und im Management der Waldbewirtschaftung
flexibel einzubauen. Neben den bekannten wärme- und
trockenheitstoleranteren Baumarten wie den Eichen, Spitzahorn,
Nussbaum und Kirsche sowie Douglasie und im Bergwald Tanne
und Buche, werden wir künftig vielleicht auch neuen,
bisher noch nicht heimischen oder eher selten anzutreffenden
Baumarten im Wald begegnen. Die Flaumeiche am Kaiserstuhl
ist zum Beispiel eine der Alternativen, die derzeit von den
Forschern unter die Lupe genommen wird.
Je schneller der Klimawandel verläuft, desto weniger
werden die langlebigen Waldbäume mit dieser Dynamik
Schritt halten können. Ein dadurch notwendig werdender
Waldumbau wird, zumindest wenn er Anpflanzungen oder steuernde
Pflegeeingriffe erfordert, für die Waldbesitzer nicht
ganz billig werden.
Aber eines ist auch klar, schließt Armin Jacob: Eine
Alternative zum Wald mit seinen vielfältigen ökologischen, ökonomischen
und sozialen Funktionen wird es für uns auch in Zukunft
nicht geben.
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