Landesverein Badische Heimat e.V.

Badische Heimat - das Online-Magazin

3/2009

Aus Ökologie und Natur

Förster machen sich fit für den Klimawandel

Stirnrunzelnd steht die Gruppe aus dreißig Mitarbeitern von ForstBW, dem Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg, am Fuß des Hörnlebergs und schaut auf die großen Kahlflächen, die Stürme und Borkenkäfer in der Landschaft hinterlassen haben. Könnte das ein Bild sein, welches in Zukunft häufiger zu sehen sein wird?

Diese Problemstellung zu erkunden und Strategien auszutauschen, wie man dem Klimawandel mit angepassten Waldbewirtschaftsformen entgegentreten kann, sind die Themen beim Workshop „Waldbau und Klimawandel“, den das Regierungspräsidium Freiburg in Zusammenarbeit mit der Unteren Forstbehörde des Landkreises Emmendingen und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt veranstaltet. Aus ganz Baden-Württemberg haben sich Forstamtsleiter, Revierleiter und Waldarbeiter zusammengefunden, um gemeinsam mögliche Lösungsansätze zu erörtern.

Der Klimawandel, auf den ersten Blick noch fern und in der Zukunft liegend, ist im Wald mittlerweile angekommen. Baumarten, die über Jahrzehnte hinweg erfolgreich außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes angebaut werden konnten, bekommen jetzt auf weniger geeigneten Standorten und Höhenlagen Probleme. Das erfährt auch Förster Robert Reichenbach in den von ihm betreuten, vorwiegend in Privatbesitz befindlichen Wäldern des Elztals. Seit Jahren kämpft er gegen die Massenvermehrung der Borkenkäfer, die den von Sturm und Trockensommern geschwächten Fichten zusetzen. Mittlerweile kann er die befallenen Bäume sogar schon am Geruch erkennen, eine Gabe die nicht jedem Forstmann zu eigen ist. Auch im Rheintal, wo Revierleiter Bernhard Schultis große Waldflächen in der Allmend betreut, sind Probleme erkennbar. Hier ist es die Eiche, der Grundwasserabsenkung, Sommertrockenheit sowie Fraßinsekten und Wildverbiss das Leben schwer machen.

Dass die Probleme gravierend aber nicht unlösbar sind, darin ist man sich dennoch einig. Die Forschung ist mit Hochdruck dabei, aus den vorhandenen Klimamodellen und den bekannten Standortsansprüchen der Baumarten Empfehlungen zu entwickeln, wo sich welche Baumart auch in Zukunft wohlfühlen wird. Der Weg dorthin wird mittelfristig noch konsequenter an dem Konzept eines den Standorts- und Klimabedingungen angepassten naturnahen Waldbaus ausgerichtet sein müssen, meint Armin Jacob, der beim Regierungspräsidium Freiburg für die Waldbau-Fortbildung zuständig ist.

Dabei gilt es auch die bisherigen Erfahrungen und Folgen der Waldwirtschaft unter geänderten Klimabedingungen mit einzubeziehen. Hierfür geben die Wälder im Landkreis Emmendingen wegen ihrer großen Höhenamplitude ein besonders lehrreiches Beispiel ab. Denn die Klimaveränderungen haben Verschiebungen der Pflanzenareale zur Folge, welche sich besonders an den Höhengrenzen der jetzigen Vegetationszonen gut beobachten lassen.

Langfristig gilt es die fortschreitende Konkretisierung der Klimamodelle und den forstwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei der Baumartenplanung und im Management der Waldbewirtschaftung flexibel einzubauen. Neben den bekannten wärme- und trockenheitstoleranteren Baumarten wie den Eichen, Spitzahorn, Nussbaum und Kirsche sowie Douglasie und im Bergwald Tanne und Buche, werden wir künftig vielleicht auch neuen, bisher noch nicht heimischen oder eher selten anzutreffenden Baumarten im Wald begegnen. Die Flaumeiche am Kaiserstuhl ist zum Beispiel eine der Alternativen, die derzeit von den Forschern unter die Lupe genommen wird.

Je schneller der Klimawandel verläuft, desto weniger werden die langlebigen Waldbäume mit dieser Dynamik Schritt halten können. Ein dadurch notwendig werdender Waldumbau wird, zumindest wenn er Anpflanzungen oder steuernde Pflegeeingriffe erfordert, für die Waldbesitzer nicht ganz billig werden.

Aber eines ist auch klar, schließt Armin Jacob: Eine Alternative zum Wald mit seinen vielfältigen ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen wird es für uns auch in Zukunft nicht geben.


Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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