Dr.
Ulrike Grimm:
Zwei Konsoltische aus den Prunkzimmern
in Schloss Bruchsal
Die in Paris ersteigerten Konsoltische waren raumbestimmende
Glieder der Ausstattung im Roten, bzw. Gelben Zimmer in
der Beletage von Schloss Bruchsal. Genauso wie an Türen,
Fenstern oder Öfen war deren Dimensionierung, aber
insbesondere auch deren Oberflächengestaltung und
Schmuckformen auf die Gestaltung der Wandvertäfelung,
Gesimse und Lambris abgestimmt bzw. gestalterisch aufeinander
bezogen. Wie die historischen Aufnahmen zeigen, gehörten
die vergoldeten Konsolen weniger als Einzelstücke
zur mobilen Raumeinrichtung, sondern waren vielmehr in
die Gesamtgestaltung der Interieurs als prägende Elemente
eingesetzt. Die Konsolen in Gold bildeten vor der holzansichtigen
Wandvertäfelung in der südlichen Raumfolge den
Gegensatz zu den weiß-golden Konsolen in der ganz
in weiß-gold gehaltenen nördlichen Raumfolge.
Schließlich ergibt sich die einzigartige Bedeutung
dieser originalen Reste aus den und Franz Christoph von Hutten
eingerichteten Paradezimmern heute vor allem aus dem Umstand,
dass deren aufwendige Wand- und Deckendekorationen in Folge
der Kriegzerstörungen verloren sind.

Selbst für eine abstrahierte Gestaltung der Raumschale
in der künftigen Präsentation der Beletage, aber
auch für eine in langfristiger Zukunft beabsichtigte
Rekonstruktion der historischen Interieurs, liefern die Konsolen
einzigartige Daten. Allein die Konsolen geben uns die Möglichkeit
Angaben zur Dimensionierung der auf den Innenraumaufnahmen überlieferten
Strukturen und Proportionen der Innenräume und ihrer
Ausstattung durch Messen zu ermitteln. Die Konsoltische sind vermutlich von Ferdinand Hundt geschaffen
worden. Ornamentformen und Schnitzwerk an den beiden Konsolen
zeigen viele Gemeinsamkeiten in den Wandvertäfelungen
der Bruchsaler Beletage, mit deren Fertigung Ferdinand Hundt
vom Speyerer Fürstbischof beauftragt worden war. So
finden sich an den Konsolen Flügel, die in fast identischer
Form an den Spiegelrahmen des Roten Zimmers zu finden sind.
Am 6. November 1751 für 300 fl als Hofschreiner engagiert,
war Hundt dem Fürstbischof von Balthasar Neumann zusammen
mit Johann Zick auf Grund ihrer herausragenden Leistungen
beim Innenausbau der Würzburger Residenz nach Bruchsal
empfohlen worden. Hundts Arbeiten an den gartenseitigen Paradezimmern,
insbesondere
die Wandvertäfelung und Möbel der Würzburger
Kaiserzimmer, gelten seit ihrer Entstehungszeit bis heute
zu den besten Zeugnissen der „Schreiner und Zierratenschneidearbeit“ des
deutschen Rokoko.

Konsolttisch am originalen Standort im gelben oder roten
Zimmer der fürstbischöflichen Reidenz. Fotografie von Georg
Maria Eckert, 1870
Beide Bilder © Landesmedienzentrum BW
Zusammen mit Hundt kam sein kongenialer Partner Johann Zick
nach Bruchsal. Der Freskant war für die Ausmalung der
Treppenhauskuppel, des Fürstensaals und des Marmorsaals
bestellt worden. Er lieferte aber auch Gemälde in Ölmalerei,
die z.B. als Supraporten über den Türen angebracht
waren und auch heute noch erhalten sind. Mit Johann Zick
kam auch sein Sohn Januarius Zick nach Bruchsal, der großzügig
von Kardinal von Hutten unterstützt wurde. Von ihm stammten
das zerstörte sog. Watteaukabinett sowie einige erhaltene
Supraporten.
Als Fürstbischof Franz Christoph von Hutten vor der
Aufgabe stand, das Bruchsaler Schloss im Innern auszustatten,
hatte er nicht allein aus heimatlicher Verbundenheit den
Freskanten und Kunstschreiner aus Würzburg berufen.
Mit der Beauftragung von Johannes Zick und Ferdinand Hundt
hatte Franz Christoph von Hutten der Bruchsaler Residenz
nach dem von seinem Vorgänger Damian Hugo von Schönborn
durch Balthasar Neumann gesetzten Maßstäben in
der Architektur den entsprechenden Ausdruck im Innern gegeben.
Es ist diese ursprüngliche Intention von einer glanzvollen
neuen Residenz der Fürstbischöfe von Speyer, die
künftigen Besuchern von Schloss Bruchsal beim Gang durch
das berühmte Treppenhaus, die Festsäale aber auch
angesichts der einstigen Prunkzimmer in der Beletage wieder
anschaulich werden sollen. Dem erhaltenen, vermutlich ebenfalls
von Ferdinand Hundt geschnitzten Thronsessel sowie den in
Paris erworbenen Konsoltischen kommt dabei herausragende
Bedeutung zu.
Schloss Bruchsal ist „ ein Ensemble von ganz überwältigender
Wirkung“, hatte schon Jacob Burkhardt (1877) geurteilt.
Der geniale Entwurf des Treppenhauses von Balthasar Neumann
und die grandiose Rauminszenierung im Herzen des Corps de
Logis gehört auch dank des Wiederaufbaus für Kunstfreunde
weit über die Landesgrenzen hinaus zum festen Begriff
deutscher Schlossarchitektur um die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Dass auch der einstigen Ausstattung in den Paradezimmern
der fürstbischöflichen Residenz mit zum Besten
gehört, was das deutsche Rokoko geschaffen hatte (Heinrich
Kreisel) machen nun auch die beiden zurückerworbenen
Konsolen von Ferdinand Hundt anschaulich. Gegenwärtig
wird zugleich, dass die Residenz in Bruchsal an künstlerischem
Rang der Residenz in Würzburg ebenbürtig war.
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