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3/2009

Dr. Ulrike Grimm:

Zwei Konsoltische aus den Prunkzimmern in Schloss Bruchsal

Die in Paris ersteigerten Konsoltische waren raumbestimmende Glieder der Ausstattung im Roten, bzw. Gelben Zimmer in der Beletage von Schloss Bruchsal. Genauso wie an Türen, Fenstern oder Öfen war deren Dimensionierung, aber insbesondere auch deren Oberflächengestaltung und Schmuckformen auf die Gestaltung der Wandvertäfelung, Gesimse und Lambris abgestimmt bzw. gestalterisch aufeinander bezogen. Wie die historischen Aufnahmen zeigen, gehörten die vergoldeten Konsolen weniger als Einzelstücke zur mobilen Raumeinrichtung, sondern waren vielmehr in die Gesamtgestaltung der Interieurs als prägende Elemente eingesetzt. Die Konsolen in Gold bildeten vor der holzansichtigen Wandvertäfelung in der südlichen Raumfolge den Gegensatz zu den weiß-golden Konsolen in der ganz in weiß-gold gehaltenen nördlichen Raumfolge.

Schließlich ergibt sich die einzigartige Bedeutung dieser originalen Reste aus den und Franz Christoph von Hutten eingerichteten Paradezimmern heute vor allem aus dem Umstand, dass deren aufwendige Wand- und Deckendekorationen in Folge der Kriegzerstörungen verloren sind.

Selbst für eine abstrahierte Gestaltung der Raumschale in der künftigen Präsentation der Beletage, aber auch für eine in langfristiger Zukunft beabsichtigte Rekonstruktion der historischen Interieurs, liefern die Konsolen einzigartige Daten. Allein die Konsolen geben uns die Möglichkeit Angaben zur Dimensionierung der auf den Innenraumaufnahmen überlieferten Strukturen und Proportionen der Innenräume und ihrer Ausstattung durch Messen zu ermitteln.

Die Konsoltische sind vermutlich von Ferdinand Hundt geschaffen worden. Ornamentformen und Schnitzwerk an den beiden Konsolen zeigen viele Gemeinsamkeiten in den Wandvertäfelungen der Bruchsaler Beletage, mit deren Fertigung Ferdinand Hundt vom Speyerer Fürstbischof beauftragt worden war. So finden sich an den Konsolen Flügel, die in fast identischer Form an den Spiegelrahmen des Roten Zimmers zu finden sind.
Am 6. November 1751 für 300 fl als Hofschreiner engagiert, war Hundt dem Fürstbischof von Balthasar Neumann zusammen mit Johann Zick auf Grund ihrer herausragenden Leistungen beim Innenausbau der Würzburger Residenz nach Bruchsal empfohlen worden. Hundts Arbeiten an den gartenseitigen Paradezimmern, insbesondere die Wandvertäfelung und Möbel der Würzburger Kaiserzimmer, gelten seit ihrer Entstehungszeit bis heute zu den besten Zeugnissen der „Schreiner und Zierratenschneidearbeit“ des deutschen Rokoko.


Konsolttisch am originalen Standort im gelben oder roten Zimmer der fürstbischöflichen Reidenz. Fotografie von Georg Maria Eckert, 1870
Beide Bilder © Landesmedienzentrum BW

Zusammen mit Hundt kam sein kongenialer Partner Johann Zick nach Bruchsal. Der Freskant war für die Ausmalung der Treppenhauskuppel, des Fürstensaals und des Marmorsaals bestellt worden. Er lieferte aber auch Gemälde in Ölmalerei, die z.B. als Supraporten über den Türen angebracht waren und auch heute noch erhalten sind. Mit Johann Zick kam auch sein Sohn Januarius Zick nach Bruchsal, der großzügig von Kardinal von Hutten unterstützt wurde. Von ihm stammten das zerstörte sog. Watteaukabinett sowie einige erhaltene Supraporten.

Als Fürstbischof Franz Christoph von Hutten vor der Aufgabe stand, das Bruchsaler Schloss im Innern auszustatten, hatte er nicht allein aus heimatlicher Verbundenheit den Freskanten und Kunstschreiner aus Würzburg berufen. Mit der Beauftragung von Johannes Zick und Ferdinand Hundt hatte Franz Christoph von Hutten der Bruchsaler Residenz nach dem von seinem Vorgänger Damian Hugo von Schönborn durch Balthasar Neumann gesetzten Maßstäben in der Architektur den entsprechenden Ausdruck im Innern gegeben. Es ist diese ursprüngliche Intention von einer glanzvollen neuen Residenz der Fürstbischöfe von Speyer, die künftigen Besuchern von Schloss Bruchsal beim Gang durch das berühmte Treppenhaus, die Festsäale aber auch angesichts der einstigen Prunkzimmer in der Beletage wieder anschaulich werden sollen. Dem erhaltenen, vermutlich ebenfalls von Ferdinand Hundt geschnitzten Thronsessel sowie den in Paris erworbenen Konsoltischen kommt dabei herausragende Bedeutung zu.

Schloss Bruchsal ist „ ein Ensemble von ganz überwältigender Wirkung“, hatte schon Jacob Burkhardt (1877) geurteilt. Der geniale Entwurf des Treppenhauses von Balthasar Neumann und die grandiose Rauminszenierung im Herzen des Corps de Logis gehört auch dank des Wiederaufbaus für Kunstfreunde weit über die Landesgrenzen hinaus zum festen Begriff deutscher Schlossarchitektur um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Dass auch der einstigen Ausstattung in den Paradezimmern der fürstbischöflichen Residenz mit zum Besten gehört, was das deutsche Rokoko geschaffen hatte (Heinrich Kreisel) machen nun auch die beiden zurückerworbenen Konsolen von Ferdinand Hundt anschaulich. Gegenwärtig wird zugleich, dass die Residenz in Bruchsal an künstlerischem Rang der Residenz in Würzburg ebenbürtig war.

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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