Tausendund_ein
IRAN
13. bis 29. März 2009
in Karlsruhe, Baden-Baden, Bruchsal, Ettlingen, Gaggenau,
Rastatt und Stutensee:
Frauenperspektiven 2009
Nach den sehr erfolgreichen Festivals 2003 Orient Okzident,
2005 China und Vietnam, 2007 Guatemala, Mexiko, Kuba wird
der Schwerpunkt erneut auf einer außereuropäischen
Region liegen. 2009 stehen Iran und Iranität im Fokus.
Die Arbeitsgruppe Frauenperspektiven hat sich einstimmig
für den Iran entschieden, ein Land, das fast täglich
Schlagzeilen für die Titelseiten der Tageszeitungen
liefert: Ahmahdineschad, Präsident der Islamischen Republik
Iran, die Atombombe als Bedrohung westlicher Zivilisation,
der Gottesstaat als mächtigster Exponent der „Achse
des Bösen“. Veröffentlichte Bilder aus dem
Iran zeigen meist schwarz verschleierte Frauen als Symbol
für gesellschaftliche Rückständigkeit und
Unterdrückung der Frauen.
Von der einstigen Faszination, die Persien im 19. bis weit
ins 20. Jahrhundert im Westen auslöste, ist heute, 30
Jahre nach der islamischen Revolution 1979, kaum etwas übriggeblieben.
Trotz einer hochgebildeten Migrantenkolonie – in Deutschland
leben ca. 120 000 Iraner – ist einer breiten Öffentlichkeit
nur wenig über Geschichte, Kunst und Kultur des Iran
bekannt. Hinzu kommt, dass iranische Kultur nicht nur im
Iran, sondern dank vier Millionen Exiliranern in Europa und
USA an vielen Orten der Welt gepflegt und weiterentwickelt
wird. Iranische Familien leben heute über die Welt verstreut
und pflegen dennoch einen intensiven Austausch – vorwiegend über
das Internet.
Diese Überlegungen haben dazu geführt, dass die
Arbeitsgruppe des Kulturfestivals Frauenperspektiven den
Titel „Tausendund_ein IRAN“ gewählt hat.
Damit werden einerseits die Assoziationen an Schahrazad und
die „Märchen aus Tausendundeiner Nacht“ hervorgerufen,
andererseits aber auch verdeutlicht, dass iranischer Alltag
und Kultur („Iranität“) heute an vielen
Orten der Welt unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gelebt
wird. Der Unterstrich im Titel weist zudem auf das Kommunikationsmedium
Internet hin, das eine zentrale Rolle bei der Vernetzung
und Vermittlung iranischer Kultur weltweit besitzt.
Über 40 Veranstaltungen, Ausstellungen, Filme, Vorträge,
Lesungen, Konzerte, Theater und Kabarett, Feste und Begegnungen
bieten ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm
in Karlsruhe und sechs weiteren Städten der TechnologieRegion.

Newsha Tavakolian, Foto aus der Ausstellung "Frauen
im Iran" im Centre Culturel Franco-Allemand. © Newsha
Tavakolian
Ein Festivalschwerpunkt liegt auf der zeitgenössischen
Kunst. Allein neun Ausstellungen präsentieren einen
breiten, in dieser Form bislang nicht dagewesenen Einblick
in das Kunstschaffen von Iranerinnen im Iran und im westlichen
Ausland. Dabei sind die verschiedensten Gattungen vertreten:
Fotografie, Installation, Malerei, aber auch Kalligrafie
und Miniaturmalerei. Vertreten sind die junge, erstmals in
Europa ausstellende Fotografin Asoo Khanmohammadi (Badisches
Landesmuseum 15.3.-19.4) und die Fotojournalistin Newsha
Tavakolian aus Teheran, die kürzlich das Iran-Heft des
National Geographic illustriert hat (Centre Culturel Franco-Allemand
15.3.-17.4.). Tehran Blues ist der Titel der von Bettina
Schönfelder im Auftrag der GEDOK kuratierten Ausstellung,
die Werke von iranischen Künstlerinnen aus Iran und
Deutschland präsentiert (PrinzMaxPalais 15.3.-19.4.).
Vertreten sind dabei die bereits international bekannten
Teheraner Künstlerinnen Simin Keramati, Neda Razavipour
und Jinoos Taghizadeh sowie die in Deutschland lebenden Künstlerinnen
Salome Ghazanfari und Myriam Schahabian. Die renommierte
deutsche Fotografin Ulla Kimmig präsentiert ihre auf
zahlreichen Reisen, unter teils schwierigen Umständen
aufgenommenen Iran-Fotografien (Galerie Bode 15.3.-18.4.).
Mamak Azarmgin, bereits Stipendiatin der Akademie Solitude,
zeigt farbenprächtige Illuminationen (GEDOK-Künstlerinnenforum
15.3.-24.4.). Die Künstlerin Parastou Forouhar, Tochter
des ermordeten Oppositionspolitikerehepaars Forouhar, bezieht
sich in ihren Werken auf die gesellschaftspolitische Situation
in ihrem Heimatland (Orgelfabrik 16.3.-5.4., veranstaltet
von der Mir Mohammedi Stiftung). Erstmals in Deutschland
zu sehen sind die Kalligrafien von Afsaneh Taebi (Stadtbibliothek
Karlsruhe 18.3.-18.4.). Ebenso Kalligrafie, aber in einem
durchaus anderen Stil präsentiert Feri Tabrisi (Stadtbibliothek
Ettlingen 15.3.-31.3.). Im Rathaus in Stutensee wird mit
der Sammlung von Wahideh Abdolvahab erstmals eine Ausstellung über
zeitgenössisches Grafikdesign im Iran „Signing
Tehran“ gezeigt (20.3.-15.4.)

Asoo Khanmohammadi, Foto aus der Serie "Frei-Räume.
Fotografien aus dem Iran" im Schloss, Badisches Landesmuseum
Karlsruhe. © Asoo Khanmohammadi 
"Telefon" von Ulla Kimmig aus der
Reihe "Iran.
Stillstand oder Aufbruch", Fotografie,
Iran 2004/2005 in der Galerie Bode. © Ulla Kimmig
Neben diesem Ausstellungsschwerpunkt gibt es zahlreiche
Vorträge, Diskussionen und Lesungen, darunter eine Lesung
der FAZ-Publizistin Christiane Hoffmann aus ihrem vielbeachteten
Buch „Hinter den Schleiern Irans“ (Literarische
Gesellschaft 18.3., 19.30 Uhr) oder der u.a. für ihre
ZEIT-Dossiers bekannten Publizistin Charlotte Wiedemann in
Gaggenau (18.3., 20 Uhr). Drei prominente in Deutschland
lebende Iranerinnen, die Frankfurter Dezernentin Dr. Nargess
Eskandari-Grünberg, die NDR-Gleichstellungsbeauftragte
Pari Niemann und die sozial engagierte Unternehmerin Hourvash
Pourkian, diskutieren ihre gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen
(Jubez, 24.3., 20 Uhr, veranstaltet von der Frauenbeauftragten).
Während des Festivals wird ein vielseitiges Filmprogramm
angeboten. Die Kinemathek steuert eine Filmreihe mit dem
Titel „Portrait
Samira Makhmalbaf“ bei, die sowohl Filme der berühmten
Regisseurin Samira Makhmalbaf wie auch Hana Makhmalbafs
zeigt, die das Schaffen ihrer Schwester beobachtet (Kino
im PrinzMaxPalais,
ab 14.3.).
Der Kult-Film Persepolis, der das Schicksal einer ganzen
Generation von Iranern und Iranerinnen auf die Leinwand bringt,
wird sowohl von der Kinemathek (15.3. und 18.3) als auch
in Gaggenau gezeigt (17.3.). Der Film Be like others von
Tanaz Eshaghian, der das Schicksal von Transsexuellen in
der Islamischen Republik Iran eingefangen hat, ist in Karlsruhe
am 26.3. und 28.3. zu sehen. In Rastatt wird der Film Sonbol
- Rallye durch den Gottesstaat gezeigt, der das Leben der
iranischen Rennfahrerin Sonbol vor Augen führt (27.3.).
Frauenfußball, wie Autorennen ein Betätigungsfeld,
das die Frauen im Iran sich erkämpft haben, ist das
Thema des Films Football Under Cover, der in Baden-Baden
(18.3.) und Gaggenau (24.3.) gezeigt wird. Das ZKM zeigt
den brandneuen Dokumentarfilm Not an Illusion der Regisseurin
Torang Abedian, der die Teheraner Musikszene beleuchtet (22.3.,
16 Uhr).
Zwei Konzerte iranischer Frauenbands, die Gruppe Mehr aus
Teheran (14.3., 21 Uhr im Tempel) und Banu, eine iranische
Frauenband aus Köln (28.3., 20.30 Uhr im Stephanssaal),
präsentieren verschiedene persische Musikrichtungen.
Persisches Kabarett mit Parvaneh Hamidi in deutscher Sprache
veranstaltet das Jubez (20.3., 20 Uhr). Das Badische Staatstheater
zeigt in der Insel das Einfrauenstück Niemandsland der
Theatergruppe Daritsche (27.3., 20 Uhr), die am nächsten
Tag (28.3., 20 Uhr) in der Akademie Schloss Rotenfels auftritt.
Den musikalischen Abschluss bildet ein Konzert mit persischen
Volksliedern, arrangiert von dem bekannten iranisch-französischen
Komponisten Iradj Sahbai (CCFA, 29.3., 17.30 Uhr). Diesem
Brückenschlag über den Rhein, geht eine Präsentation
des iranischen Kulturvereins in Straßburg voraus (15
Uhr).
Ein Höhepunkt des Festivals ist die Feier des persischen
Neujahrsfestes Norouz, das mit dem Frühlingsanfang begangen
wird; für Iraner im In- und Ausland das wichtigste Fest überhaupt.
Erstmals veranstalten die drei in Karlsruhe und der Region
tätigen iranischen Vereine, der Förderkreis iranischer
Kunst und traditioneller Musik, der Iranische Kulturverein
und die Mir Mohammedi Stiftung gemeinsam dieses Fest, zu
dem auch alle Deutschen herzlich eingeladen sind (Bürgerzentrum
Südstadt, 21.3., 19.30 Uhr).
Begegnungen mit in Karlsruhe lebenden Iranerinnen bieten
u. a. das Frauencafé des Internationalen Begegnungszentrums
(26.3., 16.30 - 18.30 Uhr) und das Internationale Kulturfrühstück,
veranstaltet von den Hausvereinen des IBZ (29.3., 10 Uhr).
Schließlich rundet eine Modenschau iranischer Modedesignerinnen
im Modehaus Schöpf, zusammengestellt von der Teheraner
Journalistin Natalie Durst, das Programm ab (25.3., 17 Uhr).
Das Veranstaltungsprogramm bietet nicht nur einen Tageskalender
und das Programm nach Gattungen und Terminen erschlossen,
sondern mit seinen
ganzseitigen Abbildungen
auch einen Eindruck vom Leben der Frauen im Iran. Dem Festivalthema „Tausendund_ein
IRAN“ entsprechend,
wurden das Grußwort von Oberbürgermeister Heinz
Fenrich, das Geleitwort der Iraner in Karlsruhe und die Einleitung
von Festivalleiterin Elisabeth Schraut auch ins Persische übersetzt.
Beibehalten wurde die durchgehende Zweisprachigkeit Deutsch-Französisch.
Auch der komplette Internetauftritt www.karlsruhe.de/frauenperspektiven ist
zweisprachig
Aufgrund seiner Zweisprachigkeit - auch wenn das Festival
ein Drittland thematisiert – gilt das Kulturfestival
Frauenperspektiven als deutsch-französisches Vorzeigeprojekt.
Aus diesem Grund wird es seit 2005 auch von der Fondation
Entente Franco-Allemande mit Sitz in Straßburg finanziell
unterstützt.
Das Festival Frauenperspektiven 2009 wurde von einer Arbeitsgruppe
vorbereitet, der Vertreterinnen zahlreicher Karlsruher Kultureinrichtungen
angehören: Badisches Staatstheater, Centre Culturel
Franco-Allemand, GEDOK, Jubez, Kinemathek, Literarische Gesellschaft,
die städtische Frauenbeauftragte, ZKM, als Vertreter
der TechnologieRegion das Kulturamt Gaggenau sowie als Dr.
Schoole Mostafawy von der Mir Mohammedi Stiftung. Zahlreiche
weitere Kooperationspartner tragen mit Veranstaltungen zum
Gelingen des Festivals bei: das Badische Landesmuseum, der
Förderkreis iranischer Kunst und traditioneller Musik,
die Galerie Bode, die Hausvereine des IBZ, das Internationale
Begegnungszentrum, das Iranische Kulturzentrum, die Kulturgruppe
der iranischen Studenten, der Kulturverein Tempel, die Mir
Mohammedi Stiftung. Die Menschenrechtsstiftung, das Modehaus
Schöpf, die Stadtbibliothek. Seit 2005 finden Veranstaltungen
auch in der TechnologieRegion Karlsruhe statt, 2009 nehmen
insgesamt sieben Städte am Festival teil. Neben Karlsruhe
sind dies Baden-Baden, Bruchsal, Ettlingen, Gaggenau und
Stutensee, erstmals dabei ist Rastatt. Aufgrund seiner Ausstrahlung
in die TechnologieRegion gilt das Festival seit Jahren als
Modellprojekt für die kulturelle Zusammenarbeit in der
Region. Festivalleitung und Gesamtkoordination liegen beim
Kulturamt der Stadt Karlsruhe, Allgemeine Kultur, Fachbereich
Internationale Beziehungen.
Das vielseitige Programm ist im Internet unter www.karlsruhe.de/frauenperspektiven aufrufbar oder als pdf zum Downloaden. Das 80seitige Programmheft
liegt in den Rathäusern und den beteiligten Kultureinrichtungen
aus oder kann unter Tel. 0721/133-4044 oder per mail frauenperspektiven@kultur.karlsruhe.de angefordert werden.
Stadt Karlsruhe, Kulturamt |