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1/2009

Ökologie & Natur

Gefahr für Rotbuche und Traubeneiche?

Manche natürlichen Lebensgemeinschaften verkraften Veränderungen des Klimas ohne auffällige Schäden und bleiben auch bei extremen Abweichungen "wetterfest". Andere reagieren empfindlich auf ungewohnte Dürreperioden und frostfreie Winter, geraten aus der Balance und können schließlich nicht mehr zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehren. Die Universität Erlangen-Nürnberg ist am neuen bayerischen Forschungsverbund "Auswirkungen des Klimas auf Ökosysteme und klimatische Anpassungsstrategien" (BayFORKAST) beteiligt, der mit Beginn des Jahres 2009 startete.
Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus fünf bayerischen Universitäten werden hier Entscheidungsgrundlagen für die Konzeption und Planung von Aktivitäten erarbeiten, die zur Anpassung an unvermeidbare Folgen des bevorstehenden und bereits erkennbaren Klimawandels beitragen.

Rund 2,6 Millionen investiert Bayerns Staatsregierung in die Analyse der Belastbarkeit und Störungsanfälligkeit komplexer Ökosysteme unter neuartigen Umweltbedingungen. Aus den verbesserten Kenntnissen sollen Vorschläge abgeleitet werden, wie natürliche Entwicklungen gezielt gesteuert werden können. Die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf Landschaften, die in Bayern große Flächen einnehmen oder besonders bedeutsam sind: auf Grün- und Grasland, Flusstäler und Wälder. An ökologisch wichtigen Baumarten, die Standorte mit trocke­nem Boden ertragen, setzen die Untersuchungen des Erlanger Lehrstuhls für Physische Geographie ein. Zwei Baumarten wurden ausgewählt, um zu überprüfen, wie lange es dauert, bis die Folgen einer starken Dürre überwunden sind: Rotbuche und Traubeneiche.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Achim Bräuning werden dabei innovative Methoden eingesetzt, um die Jahrringe der Bäume nicht nur summarisch zu betrachten, sondern die Wachstumsreaktion innerhalb des Jahresverlaufs zu verfolgen. "Die Holzanatomie, der Gesamtzuwachs, die Holzdichte und die Isotopenvariationen des Kohlenstoffs im Jahrring geben darüber Auskunft", erklärt Prof. Bräuning. Die Kombination und qualitative Wertung aller Daten sagen Wesentliches darüber aus, wie schnell sich die Bäume nach den stärk­sten Trockenjahren des 20. Jahrhunderts erholt haben. Außer bei hochgewachsenen älteren Exemplaren werden bei den nachwachsenden jungen Bäumen Vitalität und Überlebenschancen beurteilt. "Aus den Untersuchungen wollen wir ableiten, ob Rotbuche und Traubeneiche an stark trockengefährdeten Standorten noch langfristige Überlebensperspektiven haben, wenn extreme Dürren häufiger und intensiver auftreten", sagt Prof. Bräuning. "Andernfalls müssten an solchen Standorten künftig andere Baumarten angepflanzt werden."

Der Forschungsverbund BayFORKAST basiert auf dem Ende 2007 beschlossenen "Klimaprogramm Bayern 2020", das eine Doppelstrategie von Reduktion und Anpassung - Verminderung von Treibhausgasemissionen auf der einen, Anpassung an die Folgen des Klimawandels auf der anderen Seite - verfolgt. Das Forschungsprogramm des Verbunds ist auf drei Jahre festgesetzt. Sprecher ist Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein, Lehrstuhl für Biogeografie, Universität Bayreuth.

Ute Missel, Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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