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Ökologie & Natur
Sauber: Gemüsebetrieb produziert
beim Waschen von Kohl und Karotten Strom
DBU unterstützt Pilotprojekt mit knapp 300.000
Euro - Geschlossener
Wasserkreislauf
Hille/Twistringen. Damit Gemüse knackig aussieht und
Dreck oder Keime keine Chance haben, muss es vor dem Essen
gründlich gewaschen werden. Dies gilt nicht nur für
den privaten Genuss, sondern auch für die Gemüseverarbeitung
in großem Maßstab. Viel Wasser wird so in Großbetrieben
verbraucht und mit organischen Reststoffen belastet. Limno
Tec aus Hille hat nun ein neues Verfahren entwickelt, das
nicht nur den Wasserkreislauf bei der Gemüsewäsche
geschlossen hält, sondern aus den anfallenden Verarbeitungsresten
auch noch Energie zur Strom- und Wärmeerzeugung gewinnt.
Etwa 4.500 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxyds
sollen sich damit in einer Pilotanlage des Verarbeitungsbetriebes
Gemüse Meyer in Twistringen in einem Jahr einsparen
lassen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützte
das Projekt in Twistringen mit rund 300.000 Euro.
Rund 60.000 Tonnen Kartoffeln, Karotten, Kohl und anderes
Gemüse werden bei Gemüse Meyer pro Jahr bearbeitet,
erklärt der Geschäftsführer der Limno Tec,
Niels Christian Holm. Dabei würden bis zu 100.000 Liter
Wasser pro Tag gebraucht. Nach dem Schälen und Waschen
des Gemüses sei das Abwasser sehr hoch mit organischen
Bestandteilen wie Stärke und Schälresten belastet. "Zusätzlichen
fallen täglich bis zu 45 Tonnen organischer Abfälle
an, die bisher nicht weiter genutzt werden konnten",
so Holm. Entweder seien die Reste verfüttert oder zur örtlichen
Biogasanlage gebracht worden, die mit diesen Mengen jedoch überlastet
gewesen sei.
Dabei seien die Reststoffe wahre Energiequellen, die das
Unternehmen nicht abzugeben brauche, so Holm. Das belastete
Abwasser werde in dem Verfahren zunächst zwischengespeichert.
Die festen und durch einen hohen organischen Anteil gekennzeichneten
Bestandteile würden später mit dem Abwasser vermischt
und zerkleinert. Diese Mischung produziere anschließend
bei bestimmten Temperaturen in Fermentern - das sind Behälter,
in denen etwa Bakterien biologische Materialien zersetzen,
- das wirkungsvolle Biogas. "Bis zu 85 Prozent der Bioreststoffe
werden in das Gas umgewandelt, das wir für die Stromgewinnung
im Blockheizkraftwerk nutzen", fährt er fort. Der
Strombedarf für die Anlage inklusive nachfolgender Abwasseraufbereitung
beträgt dabei weniger als zehn Prozent. Die restlichen
90 Prozent werden in das Stromnetz eingespeist. Die Blockheizkraftwerke
produzieren zudem Abwärme, die zu einem Teil zum Erwärmen
der Fermenter genutzt wird. Zum anderen Teil werden die Produktionshallen
damit geheizt.
In einer weiteren, speziellen Kläranlage folge die
Endreinigung des Wassers unter Luftzufuhr sowie nachfolgenden
Membranstufen. "Das Abwasser erreicht bei diesem Schritt
Trinkwasserqualität", so Holm. Das saubere Wasser
könne im Anschluss wieder zum Gemüsereinigen verwendet
werden, der Kreis schließt sich. 80 Prozent des verwendeten
Reinigungswassers könne Gemüse Meyer wieder in
den Wasserkreislauf einleiten. "So wird nicht nur das
Firmenbudget, sondern auch die Umwelt geschont", betonte
Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU.
Was bei der Reinigung jedoch nicht geschont wird, sind Bakterien
und Viren der Input-Substrate: durch den langen Aufenthalt
des Abwassers und der organischen Abfälle bei hohen
Temperaturen in Fermentern und Zwischenbehältern würden
die mikroskopischen Lebewesen weitestgehend abgetötet.
Dies bedeute, man könne die Gärreste auch wieder
auf die Felder ausbringen, ohne die Ernte zu gefährden
oder die kommunale Kläranlage zu belasten.
"Für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie
ist das neue Verfahren ein wichtiger Schritt, ihrer ökologischen
Verantwortung gerecht zu werden", sagte Brickwedde.
Man müsse die Landwirtschaft dabei unterstützen,
sichere und gesunde Lebensmittel zu produzieren und den Zustand
der landwirtschaftlich genutzten Gebiete und ihren Artenreichtum
zu schützen.
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) |