Landesverein Badische Heimat e.V.

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1/2009

Fassaden sind Visitenkarten

Eine anspruchsvoll gegliederte Fassade versteht die Außenwand eines Gebäudes nicht nur als stützende Mauer, die Öffnungen für Fenster und Türen nicht nur als in diese Mauer gebrochene Löcher. Eine Fassade ist durchweg sowohl horizontal und vertikal als auch durch die Gestaltung der in sie eingebetteten Elemente gegliedert. Dabei muss man prinzipiell unterscheiden zwischen konstruktiven Elementen, die von der Technik des Bauens her unabdingbar sind, und dekorativen Elementen, die nur noch Schmuckfunktion haben. Konstruktive Elemente treten in der modernen Bauweise zunächst mehr und mehr zurück, da neue Bauweisen und Materialien z.B. Entlastungsbögen oder Strebepfeiler überflüssig machen. Erst die zeitgenössische Spannbetontechnik ernöglicht es wieder, z.B. tragende Säulen der Skelettbauweise wieder als architektonisches Gliederungsschema heraustreten zu lassen.

Zunächst betrachten wir die in die Fassade eingebetteten Elemente, in einer späteren Folge kommen die der Fassade vorgeblendeten oder aufgesetzten Elemente

Fassadenelemente

Im Beispiel wird die Fassade gegliedert durch:

(1) Fenstergewände
(2) Betonung der Seiten
(3) Horizontale Bänder
(4) Entlastungsbögen
(5) Dachsims

(1) Fenstergewände bestehen aus den seitlichen Begrenzungen der Fenster, den eigentlichen Fenstergewänden, evtl., wie hier im Beispiel, mit Mittelsäulen, der Sohlbank (unten) und dem Fenstersturz, der die Oberkante der Öffnung nach oben abschließt. Diese Elemente kommen aus der Handwerksgeschichte, da man mit der Sohlbank das darunter liegende Mauerwerk von Feuchtigkeit schützen und die Fensteröffnung selbst mit dem Fenstersturz gegen das Herabbrechen des darüber liegenden Mauerwerks abichern musste.

(2) Die Seiten werden durch hochgezogene und oft auch eigens verzierte flache rechteckige Vorlagen aus anderem Material oder Putz betont. Diese Ecklisenen kommen aus der Kolossalordnung der Spätrenaissance und des Barock und haben immer nur dekorative Funktion. Bautechnisch lassen sie sich allenfalls durch das Bedürfnis, eine Mauer mit einer geraden Kante abzuschließen, erklären.

(3) Horizontale Bänder haben ebenfalls nur dekorative Funktion. Sie gliedern die sonst leer wirkende Fläche. In der Baugeschichte hatten sie in der spätrömisch-westgotischen Architektur eine echte Funktion, indem sie mit eingeschossenen Ziegelbändern Mauermassen elastischer machten.

(4) Entlastungsbögen entlasteten ursprünglich den Fenstersturz vom Gewicht des auf ihm ruhenden Mauerwerks. Sie werden als zierendes Element immer noch benutzt, auch wenn der Fenstersturz selbst schon ausreichende Stabilität besitzt.

(5) Das Dachsims vermittelt bautechnisch zwischen dem senkrechten Mauerwerk der Außenseite und dem schräg aufgelegten Dach. Diese Anschlusszone wird oft aufwendig gestaltet und schließt die Fassade nach oben hin ab. Im vorliegenden Beispiel besteht es auf einem Sandsteinprofil, das über dem Erker des 2. Obergeschosses noch eine Reihe von vorspringenden Sandsetinblöcken zeigt, die die vorstehenden Köpfe der Holzbalken in der alten Holzbauweise andeuten sollen. Oben auf dem Sims steht links und rechts vom Balkon des Dachgeschosses eine niedere Brüstung ("Attika") mit zwei bekrönenden Kugeln links und rechts an den Außenseiten.

Im vorliegenden Beispiel sind noch die Köpfe eiserner Zuganker auf der Fassade abgebildet. Sie sorgten ehemals durch ihre Spannwirkung für horizontale Stabilität dies Gebäudes, haben hier aber ebenfalls nur noch dekorative Funktion.

Bild: Wohn- und Geschäftshaus in Mannheim, Breite Straße

Bild: Schwetzingen, Zirkelbau
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