Fassaden
sind Visitenkarten
Eine anspruchsvoll gegliederte Fassade versteht die Außenwand
eines Gebäudes nicht nur als stützende Mauer, die Öffnungen
für Fenster und Türen nicht nur als in diese Mauer
gebrochene Löcher. Eine Fassade ist durchweg sowohl
horizontal und vertikal als auch durch die Gestaltung der
in sie eingebetteten Elemente gegliedert. Dabei muss man
prinzipiell unterscheiden zwischen konstruktiven Elementen,
die von der Technik des Bauens her unabdingbar sind, und
dekorativen Elementen, die nur noch Schmuckfunktion haben.
Konstruktive Elemente treten in der modernen Bauweise zunächst
mehr und mehr zurück, da neue Bauweisen und Materialien
z.B. Entlastungsbögen oder Strebepfeiler überflüssig
machen. Erst die zeitgenössische Spannbetontechnik ernöglicht
es wieder, z.B. tragende Säulen der Skelettbauweise
wieder als architektonisches Gliederungsschema heraustreten
zu lassen.
Zunächst betrachten wir die in die Fassade eingebetteten
Elemente, in einer späteren Folge kommen die der
Fassade vorgeblendeten oder aufgesetzten Elemente

Im Beispiel wird die Fassade gegliedert durch:
(1) Fenstergewände
(2) Betonung der Seiten
(3) Horizontale Bänder
(4) Entlastungsbögen
(5) Dachsims
(1) Fenstergewände bestehen aus den seitlichen Begrenzungen
der Fenster, den eigentlichen Fenstergewänden, evtl.,
wie hier im Beispiel, mit Mittelsäulen, der Sohlbank
(unten) und dem Fenstersturz, der die Oberkante der Öffnung
nach oben abschließt. Diese Elemente kommen aus der
Handwerksgeschichte, da man mit der Sohlbank das darunter
liegende Mauerwerk von Feuchtigkeit schützen und die
Fensteröffnung selbst mit dem Fenstersturz gegen das
Herabbrechen des darüber liegenden Mauerwerks abichern
musste.
(2) Die Seiten werden durch hochgezogene und oft auch eigens
verzierte flache rechteckige Vorlagen aus anderem Material
oder Putz betont. Diese Ecklisenen kommen aus der Kolossalordnung
der Spätrenaissance und des Barock und haben immer nur
dekorative Funktion. Bautechnisch lassen sie sich allenfalls
durch das Bedürfnis, eine Mauer mit einer geraden Kante
abzuschließen, erklären.
(3) Horizontale Bänder haben ebenfalls nur dekorative
Funktion. Sie gliedern die sonst leer wirkende Fläche.
In der Baugeschichte hatten sie in der spätrömisch-westgotischen
Architektur eine echte Funktion, indem sie mit eingeschossenen
Ziegelbändern Mauermassen elastischer machten.
(4) Entlastungsbögen entlasteten ursprünglich
den Fenstersturz vom Gewicht des auf ihm ruhenden Mauerwerks.
Sie werden als zierendes Element immer noch benutzt, auch
wenn der Fenstersturz selbst schon ausreichende Stabilität
besitzt.
(5) Das Dachsims vermittelt bautechnisch zwischen dem senkrechten
Mauerwerk der Außenseite und dem schräg aufgelegten
Dach. Diese Anschlusszone wird oft aufwendig gestaltet und
schließt die Fassade nach oben hin ab. Im vorliegenden
Beispiel besteht es auf einem Sandsteinprofil, das über
dem Erker des 2. Obergeschosses noch eine Reihe von vorspringenden
Sandsetinblöcken zeigt, die die vorstehenden Köpfe
der Holzbalken in der alten Holzbauweise andeuten sollen.
Oben auf dem Sims steht links und rechts vom Balkon des Dachgeschosses
eine niedere Brüstung ("Attika") mit zwei
bekrönenden Kugeln links und rechts an den Außenseiten.
Im vorliegenden Beispiel sind noch die Köpfe eiserner
Zuganker auf der Fassade abgebildet. Sie sorgten ehemals
durch ihre Spannwirkung für horizontale Stabilität
dies Gebäudes, haben hier aber ebenfalls nur noch dekorative
Funktion.
Bild: Wohn- und Geschäftshaus in Mannheim, Breite Straße |