"Badische Heimat" im digitalen Reprint

Zu Eugen Fischer

Zu Eugen Fischer, dem 1967 verstorbenen Biologen und Ehrenpräsidenten der Badischen Heimat, liegen zwei Texte vor: Ein Nachruf von 1967 (J. Scheuble: Eugen Fischer 1874 - 1967. BH 47 (1967) S. 89 - 94) und eine kritische Würdigung von 1998 (Horst Ferdinand/ Kurt-Erich Maier: Eugen Fischer (1874—1962). BH 79 (1999) S. 698 - 705.

Der Nachruf von 1967 spart Fischers Verstrickung in das rassenbiologische Weltbild des Nationalsozialismus völlig aus und ist insofern ein Zeitdokument für die Verdrängungshaltung der 1950er und 1960er Jahre. Das stellt der 1998 veröffentlichte Text richtig.

Dem Text von 1998 ist ein Vorwort vorgeschaltet, das wir hier abdrucken:

In Heft 3, September 1998, 78. Jahrgang, S. 499-502 erschien eine Rezension der Habilitationsschrift von Niels C. Losch: Rasse als Konstrukt. Leben und Werk Eugen Fischers (Europaische Hochschul-Schriften. Bd. 737, 615 S., 1. Abb., 5 Tabellen). Entsprechend der Bedeutung E. Fischers für die Badische Heimat hat der frühere Landesvorsitzende Ludwig Vögely selbst dieses seiner wissenschaftlichen Bedeutung wie seines Umfangs nach gewichtige Werk rezensiert. Wichtig waren ihm dabei vor allem diejenigen Partien, die sich mit Fischers Herkunft und seiner Tätigkeit in und für die Badische Heimat befassen; sie hat der Rezensent ausgiebig dargelegt und gewürdigt. Fischers wissenschaftliche Arbeiten, die bei Losch den weitaus größten Raum einnehmen und vor allem seine Wirkung und Bedeutung im III. Reich, blieben hingegen ausgespart.

Gelegenheit zur Schließung dieser Lücken bot der Badischen Heimat die ihr eingeräumte und hiermit realisierte Möglichkeit des Vorabdrucks der Kurzbiographie Eugen Fischer, verfasst von den Professoren Dr. Horst Ferdinand (Neuzeit und Geschichte) und Dr. Dr. med. Kurt-Erich Maier (Humangenetik und Med. Makrobiologie).

Dieser Beitrag ist entnommen aus: Baden-Württembergische Biographien Bd. III im Auftrag der Kommission fur geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, herausgegeben von Bernd Ottnad, Stuttgart (in Vorbereitung).

Ergänzend zu der von H. Ferdinand/K.-E. Maier vorgelegten Biographie Eugen Fischers darf darauf hingewiesen werden, das im gleichen Jahr, in dem diese Biographie verfasst wurde - 1997 -, ein Buch erschien, das die internationale Dimension der Eugenik bezw. Rassenhygiene genau rekonstruiert: Stefan Kuhl, Die Internationale der Rassisten, Aufstieg und Niedergang der internationalen Bewegung fur Eugenik und Rassenhygiene im 20. Jahrhundert, Campus-Verlag Frankfurt/New York. Kuhl weist nach, das die deutschen Eugeniker und Rassenhygieniker mit ihren Kollegen auf der internationalen Ebene eng verflochten gewesen seien.

So sei z. B. die International Union for the Investigation of Population Problems (IUSSIPP) unter dem Einfluss Fischers und seiner Mitstreiter zu einem „willigen Legitimierungsinstrument“ der nationalsozialistischen Rassen- und Bevölkerungspolitik geworden. Das viele deutsche Rassenforscher, darunter so belastete wie Otmar Freiherr von Verschuer, im Nachkriegsdeutschland wieder Lehrstuhle besetzen konnten, gehe weitgehend auf den massiven Einfluss Eugen Fischers zurück. Die deutschen Rassehygieniker hatten die einstige - partielle - internationale Anerkennung der nationalsozialistischen Erbgesundheitspolitik zur Rechtfertigung ihres Handelns zwischen 1933 und 1945 benutzt. Die „verdammte deutsche Rassenhygiene“ habe den Kern von Hitlers Rassenideologie gebildet, antwortete einer der ausländischen Wissenschaftler, die um Unterstutzung bei Entnazifizierungsverfahren von deutschen Rassenhygienikern gebeten worden waren, und lehnte diese Unterstutzung ab. Wie Eugen Fischer zum „Handlanger der Nationalsozialisten“ wurde, wird in Kuhls Buch im einzelnen beschrieben. Fischer habe aus seiner „Bewunderung und Begeisterung für Hitlers Rassenpolitik“ nie einen Hehl gemacht. Aber nur in Deutschland, sonst nirgends, sei diese Rassenpolitik, die eine internationale Dimension gehabt habe, praktisch verwirklicht worden - mit den bekannten furchtbaren Folgen.

Prof. Dr. Ottnad, Freiburg

J. Scheuble: Eugen Fischer 1874 - 1967. BH 47 (1967) S. 89 - 94)

Horst Ferdinand/ Kurt-Erich Maier: Eugen Fischer (1874—1962). BH 79 (1999) S. 698 - 705.

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