Das Heft "Badische Heimat"

Abstracts aus Heft 3/2014

Badische Heimat Heft 3/2013Der Erste Weltkrieg am Oberrhein - ein grenzüberschreitender Überblick
Zur Ausstellungsreihe des Netzwerks Museen und zur ÜberblicksausstelIung im Dreiländermuseum
Markus Moehring
S. 8 - 20

Museen am Oberrhein organisieren 2014 das europaweit wohl größte grenzüberschreitende Netz von Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg. Das Dreiländermuseum Lörrach zeigt eine Überblicksausstellung zum Ersten Weltkrieg in Baden, dem Elsass und der Nordwestschweiz. Der Beitrag hält die wesentlichen Inhalte der Überblicksausstellung fest und beschreibt die Jahre 1914 bis 1918 am Oberrhein im grenzüberschreitenden Vergleich. Zugleich berichtet er über die Entstehung und Idee der 35 miteinander verbundenen Ausstellungen des Netzwerks Museen.

Der Krieg daheim - Karlsruhe 1914-1918
Vier Ausstellungen von Stadtarchiv und Historische Museen
Ernst Otto Bräunche
S. 21 - 34

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Entwicklung der Stadt Karlsruhe. Bald mussten Frauen die eingezogenen Soldaten in bis dahin typischen Männerberufen ersetzen. Kriegsgefangene wurden für landwirtschaftliche Arbeiten und bei der Lebensmittelverteilung eingesetzt. Die Stadt gab nun Lebensmittelmarken für Brot und Mehl aus, die Versorgungskrise erreichte 1917/18 ihren Höhepunkt. Dem Rohstoffmangel versuchte man durch Beschlagnahmungen von Metallgegenständen entgegenzuwirken.
Schon bald nach Kriegsbeginn war Karlsruhe zur Lazarettstadt geworden. Die Zeitungen veröffentlichten zahlreiche Todesanzeigen und Verlustmeldungen. Über die Ereignisse an der Front wurde die Bevölkerung offiziell nur über von der Kriegspropaganda gesteuerte Nachrichten informiert. Bald erreichte der Krieg aber auch die Stadt direkt, denn die frontnahe Stadt wurde am 15. Juni 1915 erstmals Ziel eines schweren Luftangriffs. Im November 1918 hatte Karlsruhe 14 Luftangriffe mit 168 Toten hinter sich und war damit die deutsche Stadt mit den höchsten Verlusten in der Zivilbevölkerung. 5510 Karlsruher und Karlsruherinnen verloren in der Stadt und an der Front ihr Leben.

Frontstadt Freiburg im Ersten Weltkrieg
Dargleff Jahnke

S. 35 - 45

Mehr als andere Städte im Deutschen Kaiserreich lässt sich Freiburg im Ersten Weltkrieg aufgrund seiner Nähe zu den elsässischen Kriegsschauplätzen als »Frontstadt« bezeichnen. Was vielen nicht bekannt ist: Während des Ersten Weltkriegs erlebte die Bevölkerung die meisten Luftangriffe auf eine Stadt im gesamten Deutschen Reich. Diese werden im Rahmen einer Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte von Juli bis Dezember 2014, neben dem Lazarettwesen, eines der Spezialthemen sein. Anhand verschiedener Objekte und Lebenserinnerungen wird dargestellt, wie sich die Bombardierungen, zusätzlich zu den »normalen« Kriegsbelastungen, auf den Alltag der städtischen Bevölkerung auswirkten; auch an die knapp 30 Opfer wird dabei erinnert.

Brühl um 1914 - Mobilmachung und Folgen
Volker Kronemayer
S. 46 - 56

Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich die Gemeinde Brühl mit ihrem Ortsteil Rohrhof in der Phase der Erweiterung und Entwicklung. Daneben hatte die Luftschiffbau Schütte-Lanz OHG mit dem Jungfernflug des Luftschiffes SLII neue technische Maßstäbe in der Luftfahrt gesetzt. Die Niederschrift im »Buch der Gefallenen« ermöglicht es dem heutigen Betrachter, aus der gebotenen Distanz von 100 Jahren die soziale Tragweite der Einberufungen und Kriegsverluste einzuschätzen.

Die Feste Kaiser Wilhelm II.
Eine authentische Geschichtsstätte zum Anfassen
Rebecca Bergtholdt
S. 57 - 65

Die Feste Kaiser Wilhelm II. ist eine deutsche Festungsanlage des Ersten Weltkrieges. 1914 war sie die größte und technisch modernste Befestigungsgruppe weltweit und spielte eine wesentliche Rolle für die deutsche Kriegsstrategie. Heute ist ein Teil der gigantischen Anlage für Besucher zugänglich, wo die Funktion der Festung und der unterirdische Alltag der Soldaten im Rahmen von Führungen leicht verständlich gemacht werden.

»Tränen sind in allen Dingen«
Drei Dichter, der Große Krieg und wir
Julien Collonges / Claire Daudin / Jeröme Schweitzer
S. 66 - 76

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zeigt die Biblio- theque Nationale et Universitaire de Strasbourg (National- und Universitätsbibliothek Straßburg) im Herbst 2014 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Bodleian Library in Oxford eine große Ausstellung mit dem Titel »1914, la mort despoetes« (>1914 - Der Tod der Dichten). Sie ist drei renommierten europäischen Dichtern gewidmet, die an der Front gefallen sind: dem Franzosen Charles Peguy, dem Deutschen und gebürtigen Elsässer Ernst Stadler - der auch der erste Peguy-Übersetzer ins Deutsche war - und dem Engländer Wilfred Owen. Mit dieser Ausstellung, die in Frankreich von der Mission du Centenaire mit ihrem nationalen Label ausgezeichnet wurde, wird auch das historische Bibliotheksgebäude nach mehreren ]ahren umfangreicher Renovierungsarbeiten wiedereröffnet. Sie ist auf das literarische Werk der drei Dichter ausgerichtet und weist mit erstrangigen Dokumenten (Manuskripten, Erstausgaben, Zeichnungen und Stichen) die Brüche und Verwerfungen hin, die die zunehmende Kriegsgefahr und dann der Krieg selbst in ihrem Œuvre hervorriefen.

Öffentliche und private Erinnerung an den Ersten Weltkrieg
Eine historische Spurensuche im Dreisamtal und im Hochschwarzwald
Michael Becht
S. 77 - 91

Der Erste Weltkrieg spielt im kollektiven Gedächtnis der Deutschen bis heute eine eher untergeordnete Rolle und stand hierzulande trotz seiner kaum zu unterschätzenden historischen Folgen immer im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Damit steht Deutschland im auffälligen Gegensatz zu seinem Nachbarland Frankreich, wo der Erste Weltkrieg (»La Grande Guerre«) stets als der bedeutendere der beiden Weltkriege galt und dementsprechend die öffentliche Erinnerung an ihn deutlich ausgeprägter ist. Dennoch kann der aufmerksame Betrachter auch heute noch, 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs immer wieder auf einzelne Erinnerungsspuren an diesen »Jahrhundertkrieg« (Jens Essen) stoßen. So sind hier zunächst die zahlreichen Kriegerdenkmäler auf den Friedhöfen oder öffentlichen Plätzen der Gemeinden und Städte zu nennen, die nach 1918 errichtet wurden und bei denen angesichts der ungeheuren Opferzahlen im Unterschied zu älteren Denkmälern sowohl das Motiv der Heldenehrung als auch des Totengedenkens anzutreffen sind. Überdies verdienen aber auch die vereinzelt anzutreffenden Denkmäler Beachtung, die der privaten Erinnerungskultur zuzuordnen sind und die uns in Gestalt von Grabmälern, Wegkreuzen oder anderen Zeugnissen im öffentlichen Raum begegnen. Der Beitrag will ausgewählte öffentliche (Kriegerdenkmäler) und private Denkmäler (wie z. B. die Vogesenkapelle bei St. Peter oder einzelne Grabmäler oder Wegkreuze) an den Ersten Weltkrieg aus dem Gebiet des Dreisamtais und des angrenzenden Hochschwarzwalds sichtbar machen und ihre Geschichte freilegen.

»Steh' ich in finst'rer Mitternacht«
Bildpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg Ausstellung im Stadtmuseum Rastatt
Christina Reichl
S. 92 - 105

Milliardenfach verschickt, stellen die Bildpostkarten bedeutsame visuelle Zeugnisse aus dem Ersten Weltkrieg dar, die insbesondere unter mentalitäts- und kulturgeschichtlichen Aspekten interessant sind. Als persönliche Mitteilungen eröffnen sie ihrem Betrachter die Möglichkeit, sich dem Ersten Weltkrieg und seinen Auswirkungen aus einer anderen Perspektive, der privaten, zu nähern. Dank ihrer Eigenschaft als Objekte zeitgenössischer Sammelbegeisterung fanden zahlreiche Karten aus den Kriegsjahren ihren Platz in privaten Postkartenalben und haben sich so für die Nachwelt erhalten. Für die Kartenschreiber war die Postkarte oft das einzige Lebenszeichen, das sie senden konnten. Ihnen stand ein breites Angebot an Bildpostkarten zur Verfügung, aus dem für jeden Anlass und jeden Empfänger die passende Karte ausgewählt werden konnte. Die dargestellten Motive reichen von Zeichnungen und Fotografien vom Kriegsschauplatz über naive Liebespostkarten und patriotischen Festtagsgrüßen bis hin zu Porträtaufnahmen einzelner Soldaten. Die oftmals grausame Realität des Kriegsalltags ist auf den Bildpostkarten jedoch nicht zu sehen. Vielmehr zeigen sie tröstliche Klischeebilder einer friedlichen Idylle, unwahre und verharmlosende Konstruktionen einer idealisierten Gegenwelt zur Hölle des Krieges.

»Mit Herz und Hand fürs Vaterland«
Propaganda-Keramik aus der Zeit des Ersten Weltkriegs
Elisabeth Haug
S. 106 - 121

Nationale und militärische Symbole spielten in der Gesellschaft des Kaiserreichs bereits nach den Befreiungskriegen (1813/15), spätestens jedoch nach der Reichsgründung 1871 eine große Rolle. Kaiserbüste oder -bild, Kriegsspielzeug und Andenken an die Militärzeit gab es in vielen Haushalten. Der Erste Weltkrieg verstärkte diese Tendenz. Andenkenartikel in Form von Gedenkblättern, Münzen, Schmuck und Geschirr wurden massenhaft produziert und verkauft.
Fast alle deutschen Steingut- und Porzellanmanufakturen beteiligten sich an diesem Hype. Wandteller, Sammeltassen und Vasen mit patriotischen Sprüchen und Dekoren, Kriegsmotiven und Durchhalteparolen sowie figürliche Keramik in Form von Infanteristen und Dragonern halfen, den Inlandsmarkt zu mobilisieren und den infolge des Krieges reduzierten Auslandsumsatz zu kompensieren. Mit ihrer Hilfe sollte kommenden Generationen der »Geist der großen Zeit« veranschaulicht und im Volk die patriotische Gesinnung gefestigt werden. Gleichzeitig dienten diese Erinnerungsstücke als Bindeglied zwischen Front und Heimat, und ihr Kauf wurde in der Bevölkerung als moralische Unterstützung der Soldaten verstanden.

»Verbündete im Himmel«
Religiöse Motive in Bildwerken des Ersten Weltkrieges
Hendrik Stössel
S. 122 - 139

1914 war Europa mit den Worten des australisch-britische Historikers Christopher Clark »unfähig zum Konsens«. Was dies konkret bedeutet hat, zeigen vor allem Quellen wie Chroniken, Tagebucheinträge und individuelle Erlebnisberichte in staatlichen und kirchlichen Archiven. In z. T. erschütternder Weise befassen sie sich mit den Auswirkungen des Krieges im Alltag der Menschen und legen die Stimmungslage in der Bevölkerung offen. Aus ihnen entsteht ein gültiges Bild davon, wie die Betroffenen den Krieg erlebt haben und was er jenseits aller Propagandaschreierei für sie bedeutet hat.

Weltbilder vor 1914
Einflüsse auf die (Selbst-)Wahrnehmung des Kaiserreichs in Kunst und Technik um die Jahrhundertwende
Barbara Wagner
S. 140 - 150

So unkommentiert, wie oft suggeriert wird, blieben die den Krieg vorbereitenden Aktionen und vor allem die militaristisch-nationalistische Propaganda nicht. Es gab Mittel und Wege, die Politik auf einen Prüfstand zu stellen - in der Karikatur. In den »Fliegenden Blättern« und dem »Simplicissimus« finden sich zahlreiche Beispiele einer kritischen Auseinandersetzung mit den in Massenmedien wie Tageszeitungen und Familienzeitschriften aufgebauten Feindbildern. In einer Gegenüberstellung werden die eingesetzten Motive analysiert.

Geschichte von unten
Die Kriegsbriefsammlung des Landesvereins Badische Heimat Entstehung, Zusammensetzung und Präsentation
Kurt Hochstuhl
S. 151 - 161

Der geschäftsführende Ausschuss des Landesvereins Badische Heimat beschloss in seiner Sitzung vom 14. Mai 1915, »eine Sammlung von Soldatenbriefen« zu »veranstalten«. Mit dieser Sammlungsaktion betrat der erst seit wenigen Jahren bestehende Verein für sich Neuland. Doch es war kein unbestelltes Feld, auf dem er sich tummeln wollte. Das Sammeln von Zeugnissen des Krieges, darunter die mit einer großen Authentizität ausgestatteten Feldpostbriefe, konnte schon auf eine längere Tradition zurückblicken, die mit Ausbruch des »großen Völkerringens« und der ihm zugeschriebenen welthistorischen Bedeutung einen erstaunlichen Aufschwung verzeichnete.
Nach der übersteigerten Euphorie zu verschonten die Soldaten trotz ihrer Erfahrungen mit der Wirklichkeit des Kriegs ihre Angehörigen in der Regel mit der Schilderung der unbeschreiblichen Grausamkeit des Stellungskrieges. Die stereotype Wiederkehr beruhigender Formulierungen wie »aber im großen Ganzen geht es mir immer gut« oder »Seid aber ohne Sorgen um mich, denn ich bin gesund und munter«, dienten der Beruhigung der Angehörigen daheim, aber auch der eigenen Selbstvergewisserung und Verortung in einer aus den Fugen geratenen Welt.
Beide Seiten wussten, dass die Schilderungen wenig mit der Realität übereinstimmten, klammerten sich aber mit Macht an den konstruierten Schein, war er doch eine Möglichkeit, der offensichtlichen Sinnlosigkeit des Kriegserlebens zu entfliehen. Insofern spiegeln Feldpostbriefe eine in mehrfacher Weise gefilterte Authentizität wider.

Die deutsche Feldpresse 1914/18
Ausstellung in der Badischen Landesbibliothek bis 2. Oktober 2014
Julia Freifrau HiIler von Gaertringen
S. 162 - 169

Die Badische Landesbibliothek zeigte bis Anfang Oktober 2014 eine Ausstellung zum Thema »Die Feldpresse des Ersten Weltkriegs«. Soldatenzeitungen, die an der Front mit mobilen Vervielfältigungsapparaten oder in den Druckereien besetzter Städte hergestellt wurden, spielten im Ersten Weltkrieg eine besondere Rolle, da der Angriffskrieg an allen Fronten sehr schnell in einen langwierigen Stellungskrieg überging. In den Gefechtspausen nahmen Langeweile und Überdruss überhand. Das Bedürfnis nach Zerstreuung befriedigten vor allem auch die Feldzeitungen, die von Soldaten für Soldaten hergestellt wurden. Schon die Zeitgenossen rühmten ihren hohen Wert als »Wellenbrecher gegen geistige Abspannung im grausamen Kriegslärm«.1
Manche Redaktion von Feldzeitungen in den besetzten Gebieten entwickelte sich zur kleinen Verlagsfirma mit Buchsortiment. Mit 30 solcher Unternehmen von allen Fronten, aus Schützengräben, Etappenorten, Genesungsheimen und Internierungslagern präsentiert die Badische Landesbibliothek in ihrer Ausstellung beispielhaft das ganze Spektrum der Feldpresse des Ersten Weltkriegs und den Ehrgeiz deutscher Frontsoldaten, den ersten Medienkrieg der Weltgeschichte publizistisch wirksam zu unterstützen.

Die Kriegssammlung der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.
Martin Eckert, Theresa Ehret, Valentina Escherieh, Aibe-Marlene Gerdes, Julien Grub, Saskia Hornstein, Yasmin Maaß, Anna Mashi, Marcus Schröter, Hannah Schultheiß, Lena Wallenfang und Anton Weber
S. 170 - 182

Die Verankerung des Ersten Weltkrieges im kollektiven Gedächtnis begann nicht erst anlässlich späterer Gedenktage an dieses Ereignis, sondern bereits unmittelbar nach Kriegsausbruch: Öffentliche und staatliche Einrichtungen sowie Privatpersonen versuchten, den Krieg mit Hilfe aller erreichbaren Dokumente umfassend für künftige Generationen in sog. Kriegssammlungen zu dokumentieren und Kriegsteilnehmern wie Zeitgenossen ein Denkmal zu setzen.
Dem Vorbild der Königlichen Bibliothek zu Berlin folgten zahlreiche deutsche Bibliotheken, unter ihnen auch die Universitätsbibliothek Freiburg, die über eine außerordentlich interessante Weltkriegssammlung im Umfang von etwa 5000 Dokumenten verfügt.

»immer noch kein Ende des schrecklichen Krieges abzusehen ...«
Die »Pfälzische Kriegssammlung« in Speyer als Ausgangspunkt einer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg
Ludger Tekampe / Cora Tremmel / Robin Volk
S. 183 - 196

Im Rahmen des vom Dreiländermuseum in Lörrach initiierten »Netzwerks Museen« erinnert das Historische Museum der Pfalz in Speyer ab dem 29. Mai 2014 mit einem »Historischen Schlaglicht« innerhalb seiner Dauerausstellung an die 100. Wiederkehr des Beginns des Ersten Weltkrieges. Thema und Titel sind »1914-1918. Die Pfalz im Ersten Weltkrieg«. Vielerlei historische Anknüpfungspunkte werden wiederentdeckt, die verschollen oder zumindest verschüttet waren. Zu diesen historischen Anknüpfungspunkten gehört die »Pfälzische Kriegssammlung«, die während des Ersten Weltkrieges im Historischen Museum der Pfalz zusammengetragen wurde.

»Fastnacht der Hölle«
Der Erste Weltkrieg und die Sinne
Sebastian Dörfler
S. 197 - 208

» Fastnacht der Hölle« - so umschrieb Ernst Jünger die apokalyptischen Eindrücke, die im ersten voll industrialisierten Krieg auf die Soldaten einstürmten. Die gleichnamige Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg versucht zu rekonstruieren, welche Reize die sinnliche Wahrnehmung von Kriegsteilnehmern, aber auch Zivilisten zwischen 1914 und 1918 vor ungeahnte Herausforderungen stellten. Sie fragt, wie die Menschen den Krieg sahen, hörten, rochen, schmeckten und fühlten. Ausgewertet wurden dafür Tagebücher und Feldpostbriefe von Menschen aus Baden und Württemberg. Desillusionierte Soldaten, von der Familie getrennte Familienväter, besorgte Eltern und verzweifelte Hausfrauen kommen zu Wort.

Das »Journal« des Abbe Daueourt
Der Erste Weltkrieg aus der Sicht eines jurassischen Pfarrers
Jean-Paul Prongue
S. 209 - 221

Arthur Daueourt (1849-1926) ist ein jurassischer Pfarrer, der sich 1905 in Delemont niederlässt, einer Stadt von 6500 Einwohnern. Dieser gelehrte Geistliche führt ein Tagebuch, dem er seine persönlichen Eindrücke anvertraut und in das er Zeitungsartikel einklebt, die seine Aufmerksamkeit erregen. Dieses Tagebuch ermöglicht es, die Persönlichkeit des alten Würdenträgers zu skizzieren. Schon durch seine Herkunft aus der Pruntruter Bourgeoisie ist Arthur Daueourt natürlicherweise frankophil.
Daueourt schreit beim Angriff auf Belgien seine Empörung hinaus. Die deutschen Kriegsgräuel, die Beschießung der französischen Städte, der Völkermord an den Armeniern, die österreichisch-ungarischen Ausschreitungen schärfen seine Feindschaft gegen die germanische »Kolossalkultur«..
Der Krieg bietet ihm auch Gelegenheit, seine Feindseligkeit gegen den Kanton Bern und seine Sympathie für die Separatistenbewegung, die die intellektuellen Kreise des Juras ab 1917 erfasst, auszudrücken. Obwohl Stadtbewohner, prangert er die Lieferung von Vieh nach Deutschland an, weil dies aus seiner Sicht der Grund für den Milchmangel in seiner Stadt Delemont ist. Er prangert die Kriegsgewinnler an, die Bauern, die ihre Erzeugnisse zu Wucherpreisen verkaufen, ebenso wie die Industriellen, die Munition herstellen.

Der Frauenverein Schopfheim 1914-1918
Ehrenamtliches Engagement in patriotischer Zeit
Ulla K. Schmid
S. 222 - 231

Die Situation in Schopfheim während des Ersten Weltkrieges bzw. Wahrnehmung des Kriegsbeginns auf lokaler Ebene offenbart sich nicht nur in patriotischen Feiern vorort und der Mobilmachung vieler Bewohner der Stadt. Vor allem wurde sie damals geprägt von den Aktivitäten des Frauenvereins Schopfheim. In selbstlosem Einsatz widmeten sich die Vereinsdamen der Liebesgabenverschickung an die Soldaten im Felde und dem Unterhalt eines Lazaretts in Schopfheim. Die aus den Reihen des Bildungsbürgertums stammenden Frauen setzten in jenen Kriegsjahren ihre standesbedingten Vorteile an Ausbildung und Können in den Dienst der Öffentlichkeit.

Wärme in der Weihnachtszeit
Soldatenmütter und Soldatenstuben
Dominik Wunderlin
S. 233 - 244

Eine aktuelle Karte Mitteleuropas, welche in einheitlicher Farbe die Staaten zeigt, welche Mitglied der EU sind, und eine historische Karte, welche die in den Ersten Weltkrieg verwickelten Länder ebenfalls kenntlich macht, zeigen das gleiche Bild: Mitten drin ein weißer Fleck: die Schweiz. Es wäre nun natürlich eine verfehlte Annahme, dass während den gut vier Kriegsjahren in der Schweiz alles seinen normalen Gang genommen hätte. Sie konnte sich zwar aus der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts heraushalten, aber sie war vom Großen Krieg doch in vielfacher Hinsicht betroffen. Der Beitrag analysiert die Belastungen (inklusive harten Rationierungen und Anbauschlacht) vor denen die Alpenrepublik stand.

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