Landesverein Badische Heimat e.V.

Dossier: Kunstausstellungen im Land und in der Nachbarschaft

Leuchtende Beispiele

Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
12. September bis 15. November 2009

Die Ausstellung „Leuchtende Beispiele. Zeichnungen für Glasgemälde aus Renaissance und Manierismus“ widmet sich einer Zeichnungsgattung, die bisher selten im Fokus des kunsthistorischen Interesses stand: der Vorzeichnung für kleinformatige Glasgemälde, auch Scheibenriss genannt. Mit über 1000 Blatt gehört der Bestand der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu den umfangreichsten Sammlungen an Scheibenrissen weltweit. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde diese Sammlung von 2006 bis 2008 erstmals wissenschaftlich bearbeitet und katalogisiert. Als Finale des Projekts zeigt die Ausstellung nun rund 100 Zeichnungen, bei denen es sich um die Highlights der Karlsruher Scheibenriss-Sammlung handelt. Sie werden durch eine kleine Auswahl an Glasgemälden ergänzt, welche die ursprüngliche Funktion der Zeichnungen als Entwürfe veranschaulichen.

Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlebte die Glasmalerei in den Niederlanden, in Süddeutschland, im Elsass und in der Schweiz eine große Blüte. Zahlreiche bedeutende Zeichner der Zeit – allen voran Albrecht Dürer, Hans Baldung, Tobias Stimmer und Christoph Murer – waren auch als Entwerfer für Glasgemälde tätig. Eine Ursache für diesen Aufschwung war der Brauch, sich gegenseitig kleine Glasbilder zu stiften, um Bündnisse, Ehe-Allianzen oder Freundschaften anzuzeigen. Während sich von den empfindlichen Glasbildern nur wenige erhalten haben, existiert auch heute noch eine große Anzahl an Vorzeichnungen, die eine Vorstellung von der reichen Vielfalt der einstigen Glasgemälde vermitteln. Die Bandbreite der Werke reicht dabei von lavierten Federzeichnungen bis zu linearen Umrisszeichnungen, von Detailstudien bis zu kompletten Arbeitsvorlagen.
Das Konvolut von Scheibenrissen zählt zu den ältesten Sammlungsbeständen der Kunsthalle. Sie wurden vermutlich durch Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach (1594–1659) während seines Straßburger Exils in den 1630er Jahren erworben. Wahrscheinlich stammen die Zeichnungen aus einer Glasmaler-Werkstatt, wo sie gesammelt und als Vorlagenfundus verwendet wurden.

Die Darstellungen auf den Vorzeichnungen der Glasgemälde sind vielfältig: Ein wichtiges Motiv war das Wappen des Stifters, das durch Szenen aus Alltag und Handwerk sowie durch Heiligendarstellungen ergänzt wird. Besonders beliebt waren außerdem moralisierende Allegorien und Exempla – jene „leuchtenden Beispiele“, die die Menschen zu einem tugendhaften Leben anhalten sollten. In den dargestellten Szenen spiegeln sich also gesellschaftliche Ideale und alltägliches Leben gleichermaßen wider.

„Leuchtende Beispiele“ ist die erste umfassende Ausstellung über diese besondere Gattung der Zeichenkunst in Deutschland. Sie gibt einen Einblick in die Entwicklung der Zeichnungen und Glasgemälde in ihrer Blütezeit vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Glanzstücke der Ausstellung stammen aus dem Umkreis von Hans Baldung und Hans Holbein d. J. sowie von Tobias Stimmer und Christoph Murer. Die Ausstellung bietet außerdem die seltene Möglichkeit, die üblicherweise voneinander getrennt aufbewahrten Entwürfe und ausgeführten Glasbilder nebeneinander zu studieren.

Text: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Bild oben: Bruchsal, Schlossgebäude
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