Landesverein Badische Heimat e.V.

Dossier: Kunstausstellungen im Land und in der Nachbarschaft

„Les Yeux enchantés“
Zeichnungen und Druckgraphik des Surrealismus

Kunstmuseum Basel
27. September 2008 – 18. Januar 2009

„Les Yeux enchantés [Verzauberte Augen]“ war der Titel eines Artikels des Dichters Max Morise in der ersten Nummer der Zeitschrift La Révolution surréaliste vom Dezember 1924, der eine surrealistische Kunst in Abrede stellte. Doch innerhalb kürzester Zeit hatte sich die Ansicht des Anführers der Surrealisten, André Breton, durchgesetzt, dass die Malerei sogar wesentlich sei für diese noch junge Bewegung.

1926 war die bildende Kunst im Kontext des Surrealismus längst nicht mehr wegzudenken; sie hatte die Surrealisten in ihren Bann gezogen: „Das Laster namens Surrealismus ist der zügellose, leidenschaftliche Gebrauch des Rauschgifts Bild.“ (Louis Aragon, Der Pariser Bauer, 1926).

Joan Miro
Joan Miró (1893–1983): Aquarelle, 1924. Kleisterfarbe, Gouache, Bleistift, Farbstift und Fettkreide, 53 x 67.5 cm (mit Originalrahmen). Emanuel Hoffmann-Stiftung, aus der Sammlung Maja und Emanuel Hoffmann, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Foto: Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler. © ProLitteris, Zürich

Der Surrealismus zeichnet sich durch eine aussergewöhnliche Erscheinungsvielfalt aus, die darauf beruht, dass die Künstler dem Unbewussten eine Plattform bieten wollten, ohne aber eine Form, Materialien oder einen Stil zu bevorzugen. Die Befreiung des Individuums war das oberste Gebot. Es sollte sich zeigen, dass vor allem die Zeichnung dazu geeignet war, Methoden zu entwickeln, um die Grenzen der Realität zu sprengen. Im Zentrum stand das Bestreben, dem Unbewussten freien Lauf zu lassen und jegliche Kontrollmechanismen wie Vernunft, Moral und Ästhetik auszuschalten. Max Ernst arbeitete mit Frottagen und Collagen, die in der Begegnung unterschiedlichster Materialien Sinnverschiebungen provozierten. Hans Arp fertigte Fingerzeichnungen an und experimentierte mit Abklatschverfahren während André Masson mit der Feder eine zeichnerische Anwendung der „Écriture automatique“ entwickelte. Eine zweite Strategie der Surrealisten bestand darin, Traumähnliches und andere Äusserungen des Unterbewusstseins auf dem Papier festzuhalten. So zeichnete Walter Kurt Wiemken Fieberphantasien, während Meret Oppenheim eine weibliche Leiche in einem Boot darstellte. Tanguy zeichnete imaginäre Welten in illusionistischem Stil. Nur in den seltensten Fällen spielten diese Zeichnungen eine Rolle in der Vorbereitung von Skulpturen (Alberto Giacometti) oder Gemälden. Vielmehr sind sie eigenständige, finale Werke.

Die Malerei des Surrealismus ist heutigen Museumsbesuchern bestens bekannt, doch die lichtempfindlichen Werke auf Papier, wie sie in dieser Ausstellung gezeigt werden, sind seltener zu sehen. Unter den 90 ausgestellten Zeichnungen, Collagen und druckgraphischen Werken aus dem Kupferstichkabinett können bisher unveröffentlichte und auch kaum je ausgestellte Blätter entdeckt werden, etwa ein Photogramm von Man Ray (1930), das Aquarelle von Joan Miró (1924) und Zeichnungen von Francis Picabia.
Die Ausstellung kann in dieser Konstellation nur in Basel gezeigt werden, weil sie auf dem historisch gewachsenen Bestand des Kupferstichkabinetts beruht, der nun erstmals unter dem Blickwinkel des Surrealismus untersucht wurde. Seit den 1930er Jahren ist dieser Sammlungskomplex zuerst zögerlich, dann rascher gewachsen. Nur gerade ein Drittel davon kam durch Erwerbungen ins Haus, der grösste Teil stammt aus grosszügigen Schenkungen oder es handelt sich um Deposita aus privaten Basler Sammlungen (Marguerite Arp-Hagenbach; Dr. Charles Leuthardt; Vermächtnis Anne-Marie und Ernst Vischer-Wadler; Emanuel Hoffmann-Stiftung; Karl August Burckhardt-Koechlin-Fonds u.a.). So ist es nicht verwunderlich, dass neben Miró, Picabia, Yves Tanguy und anderen Künstlern aus dem Pariser Kreis auch die Schweizer Surrealisten Otto Abt, Serge Brignoni, Otto Tschumi und Walter Kurt Wiemken in der Ausstellung präsent sind, die sich nur kurze Zeit in der Metropole des Surrealismus aufgehalten haben. Die Ausstellung vermittelt mit Werken von 16 Künstlern einen vielfältigen und überraschenden Einblick in die Graphik des Surrealismus.

Katalog
„ Les Yeux enchantés“. Zeichnungen und Druckgraphik des Surrealismus, Katalog von Anita Haldemann, farbige Abbildungen sämtlicher Werke, 152 Seiten, Kunstmuseum Basel / Kerber Verlag, Preis ca. CHF 48.-


Veranstaltungen
Im Rahmen der Ausstellung finden zahlreiche Begleitveranstaltungen statt. Details auf der Einladungskarte und auf www.kunstmuseumbasel.ch.

Künstler
Otto Abt (1903–1982)
Hans Arp (1886–1966)
Serge Brignoni (1903–2002)
Max Ernst (1891–1976)
Alberto Giacometti (1901–1966)
Paul Klee (1879–1940)
André Masson (1896–1987)
Joan Miró (1893–1983)
Meret Oppenheim (1913–1985)
Francis Picabia (1879–1953)
Pablo Picasso (1881–1973)
Man Ray (1890–1976)
Kurt Seligmann (1900–1962)
Yves Tanguy (1900–1955)
Otto Tschumi (1904–1985)
Walter Kurt Wiemken (1907–1940)

Text: Kunstmuseum Basel

Bild oben: Bruchsal, Schlossgebäude
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