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Dossier: Kunstausstellungen im Land
und in der Nachbarschaft
Große Baselitz-Retrospektive im
Museum Frieder Burda und in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden
Einen umfassenden Einblick in das Schaffen
von Georg Baselitz gibt die Ausstellung „Baselitz.
Eine Retrospektive“ im Museum Frieder Burda und in
der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden vom 21. November 2009
bis zum 14. März 2010. Die große Werkschau an
zwei benachbarten Schauplätzen zeigt im Museum Frieder
Burda „50 Jahre Malerei“ und in der Staatlichen
Kunsthalle „30 Jahre Skulptur“ von Georg Baselitz.
Insgesamt umfasst die Ausstellung rund 140 Kunstwerke. Kuratiert
hat Georg Baselitz selbst zusammen mit Götz Adriani
(Museum Frieder Burda) und Karola Kraus (Staatliche Kunsthalle
Baden-Baden).
Georg Baselitz gehört weltweit zu den berühmtesten
und gefragtesten Künstlern unserer Zeit. Nicht zuletzt
dank ihm erhielt die deutsche Malerei einen Stellenwert wie
niemals zuvor. Längst haben seine Werke Eingang in die
wichtigsten Museen und Sammlungen gefunden und die Ausstellungserfolge
reichen vom New Yorker Guggenheim Museum 1995 bis zur Royal
Academy of Arts in London 2007.
50 Jahre Malerei im Museum Frieder Burda
Das Museum Frieder Burda knüpft an eine Ausstellungsreihe
mit Werken von Sigmar Polke (2007) und Gerhard Richter (2008)
an, die jeweils aus renommierten Privatsammlungen zusammengestellt
wurden. Die Werkschau Georg Baselitz „50 Jahre Malerei“ präsentiert
erneut überwiegend Leihgaben aus bedeutenden Privatsammlungen
wie Josef Froehlich, Sylvia und Ulrich Ströher, Friedrich
Christian Flick, Uli Knecht oder Frieder Burda. Zusätzlich
sind rund 15 Werke aus dem Privatbesitz von Georg Baselitz
zu sehen. Die Ausstellung zeigt rund 80 Gemälde und
40 Arbeiten auf Papier von Georg Baselitz von den Anfängen
bis heute. Sie ermöglicht eine fundierte Einsicht in
die Vorgehensweisen des Künstlers. Neue Akzente der
Ausstellung soll ab Mitte Januar 2010 eine „zweite
Hängung“ setzen. Zur „Halbzeit“ der
Ausstellung werden unter Regie von Georg Baselitz weitere
Gemälde aus den vergangenen 50 Jahren seines Schaffens
gezeigt und die Ausstellung in Teilen neu arrangiert.
In 50 Jahren hat Georg Baselitz ein umfangreiches und inhaltlich
abwechslungsreiches Werk hervorgebracht, in welchem er neue
Wege beschreitet und künstlerische Maßstäbe
setzt. In seinen Helden-Bildern Mitte der 1960er Jahre illustriert
er im Stil der monumentalen Figurenmalerei irritierend wirkende
Gestalten, die das klassische Figurenbild radikal in Frage
stellen. Neun Beispiele dieser berühmten Reihe sind
im Museum Frieder Burda zu sehen. Das Auflösen von Formen
führt 1966 zu den Frakturbildern, in denen die Bildmotive
zerteilt und neu komponiert werden.
Diese Form der Befreiung der Darstellung von Inhalt und
Bedeutung gipfelt 1969 in der Umkehrung des Bildmotivs, welche
Baselitz international bekannt machte. In den auf den Kopf
gestellten Motiven wie Figur, Porträt, Stillleben, Landschaft
und Tierdarstellung bezeugt der Künstler seine gestalterische
Experimentierfreudigkeit.
30 Jahre Skulptur in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden
Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden zeigt mit „30
Jahren Skulptur“ das bildhauerische Werk des Künstlers
von der ersten Arbeit „Modell für eine Skulptur“ (1979)
bis zu der neuesten Skulptur „Volk Ding Zero“ (2009),
die in Baden-Baden erstmals vorgestellt wird. In jedem der
neun Oberlichtsäle werden Skulpturen aus neun wichtigen
Schaffensphasen von Baselitz gezeigt. Punktuell werden diese
zusammen mit Bildern präsentiert, die das gleiche Sujet
wie die Skulpturen bearbeiten. Denn in vergleichbarer Weise
wie der Maler Baselitz in seinen Gemälden dem Malakt
und damit konsequenterweise den einzelnen Pinselzügen
eine größtmögliche Freiheit einräumt,
so behandelt der Bildhauer Baselitz das Holz mit Kettensäge,
Beil und Stecheisen. Die schroffen Linien vermitteln eine
rigorose Willensentscheidung, die sich absichtlich über
den rohen Kraftakt manifestiert. Von ihm ist die jeweilige
Figuration abhängig und erhält ihr unverwechselbares
Erscheinungsbild. Auch in der Skulptur, der sich Baselitz
erstmals 1979 widmet, strebt er gegen Harmonie und Symmetrie.
Die lebhafte Sprachkraft der bildnerischen Mittel ist, so
der Künstler, im Medium Skulptur viel direkter lesbar
und viel weniger verschlüsselt als in der Malerei.
Dabei geht es Baselitz, der sich in seinen frühen Skulpturen
zunächst mit dem Sujet der Figur auseinandersetzt, jedoch
nicht um eine konkrete Person, sondern um das Abbild als
Träger seiner künstlerischen Ideen. Vorwiegend
mit Aggression bearbeitet Baselitz Ahorn, Lindenholz, Rotbuche
oder Zedernholz. Die entgegen aller handwerklich künstlerischen
Eleganz gesägten, geschnitzten und gestochenen Skulpturen
wirken oft wie „Figuren voller Wunden“.
Zur Ausstellung erscheinen zwei Kataloge:
Baselitz. 50 Jahre Malerei, herausgegeben von Götz
Adriani für die Stiftung Frieder Burda. Texte von Götz
Adriani, Georg Baselitz, Siegfried Gohr und Kay Heymer. Hatje
Cantz Verlag, Ostfildern 2009, 208 Seiten mit 150 Abbildungen,
24,80 Euro.
Georg Baselitz. Skulpturen, herausgegeben von Karola Kraus.
Texte von Karola Kraus, Georg Baselitz und Eric Darragon.
Distanz Verlag, Berlin 2009, 240 Seiten, 29,90 Euro.
Info:
„
Baselitz. Eine Retrospektive“.
Im Museum Frieder Burda und in der Staatlichen Kunsthalle
Baden-Baden
21. November 2009 bis zum 14. März 2010
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden, www.museum-frieder-burda.de
Tel: 07221/39898-0, Fax: 07221/39898-30
Ö
ffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8a, 76530 Baden-Baden, www.kunsthalle-baden-baden.de
Tel: 07221/30076-3 , Fax: 07221/30076-500
Ö
ffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Text: MFB |