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Dossier: Kunstausstellungen im Land
und in der Nachbarschaft
Der Blaue Reiter
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
27. Juni bis 8. November 2009
Das Museum Frieder Burda präsentiert in seiner großen
Sommerausstellung rund 80 herausragende Werke aus der berühmten
Sammlung des Lenbachhauses in München. Vom 27. Juni
bis zum 8. November 2009 sind unter anderem Bilder wie Franz
Marcs „Blaues Pferd I“ von 1911, Alexej von Jawlenskys „Meditation“ von
1918, Gabriele Münters „Jawlensky und Werefkin“ von
1909 oder August Mackes „Promenade“ von 1913
zu sehen. „Es ist die umfangreichste Leihgabe von Werken
des Blauen Reiter, die wir je gemacht haben“, betont
der Direktor des Lenbachhauses, Helmut Friedel.
Langjährige Kontakte zwischen Baden-Baden und München
Möglich geworden ist diese Ausstellung durch einen
langjährigen engen Kontakt zwischen dem Baden-Badener
Kunstsammler Frieder Burda und der Städtischen Galerie
im Lenbachhaus in München. Frieder Burda hatte über
viele Jahre eine Reihe seiner wichtigsten Gemälde – unter
anderem von Gerhard Richter – an das Lenbachhaus ausgeliehen.
Da das Lenbachhaus nun drei Jahre wegen Umbaus geschlossen
wird, schickt Lenbachhaus-Direktor Helmut Friedel die weltberühmten
Bilder nach Baden-Baden. Es ist die einzige Station in Deutschland
während der Umbauphase.
Helmut Friedel, der die Ausstellung im Museum Frieder Burda
kuratiert: „In dem in die Natur eingebetteten und sich
wiederholt öffnenden Bau des Museums Frieder Burda finden
die Werke des Blauen Reiter ein Ambiente, das den zumeist
vor der Natur gemalten Werken wunderbar entgegen kommt.“ Die
Baden-Badener Ausstellung sei alles andere als ein simpler
Transfer der Bilder von einem Ort an einen anderen. Das Konzept
für Baden-Baden sei das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung
mit dem Thema Freundschaft und der Begegnung der Künstler
untereinander. Aus diesem Grund sei auch erstmals das Gemälde „Bildnis
des Tänzers Alexander Sacharoff“ von Alexej von
Jawlensky ausgeliehen worden, obwohl es außerordentlich
fragil sei und zu keiner weiteren Ausstellung reisen würde,
betont Friedel. Auch das „Blaue Pferd“ von Franz
Marc stehe nicht mehr für Ausleihen zu Verfügung,
werde jetzt aber in Baden-Baden als eines der grandiosen
Bilder aus dem Kernbestand der Sammlung im Lenbachhaus gezeigt.
In der Ausstellung sind viele Porträts zu sehen, welche
die Künstler voneinander malten. Sie zeigen die Künstler
in verschiedenen Lebenssituationen und vermitteln einen Eindruck
der persönlichen Beziehungen untereinander. So können
Besucher die Künstler nicht nur als Maler sondern auch
als Privatmenschen kennen lernen.
Verstärkt wird dieser Eindruck durch 64 Fotografien
von Gabriele Münter, die in die Ausstellung integriert
werden. Bilder beispielsweise von Murnau und aus dem Privatleben
von Mitgliedern des „Blauen Reiter“. Sie zeigen
ebenfalls die Beziehungen und Freundschaften der Künstler
untereinander, sind aber auch selbst von künstlerischem
Wert. Von keiner anderen Künstlervereinigung existiert
eine solch detaillierte fotografische Dokumentation. Ein
unschätzbares Zeugnis der Geschichte und Entwicklung
des „Blauen Reiter“. Auch in Gabriele Münters
Zusammenleben mit dem berühmten Maler Wassily Kandinsky
von 1902 bis 1914 spielte die Fotografie eine erhebliche
Rolle.
Helmut Friedel stellt die intensive Kooperation zwischen
der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und dem Museum
Frieder Burda in Baden-Baden heraus. Friedel: „Wir
gehen davon aus, dass zwischen beiden Häusern auch in
Zukunft auf Dauer eine sehr enge Zusammenarbeit bestehen
wird.“
Frieder Burda: „Das Lenbachhaus besitzt die weltweit
umfangreichste und qualitätvollste Sammlung der Kunst
des Blauen Reiter. Für Baden-Baden wird es großartig,
diese Schätze in der Architektur von Richard Meier zu
zeigen. Für mich erfüllt sich damit ein lange gehegter
Wunsch.“
Weltweit wichtigste Sammlung Blauer Reiter
Entstanden ist diese wichtige Sammlung durch ein Geschenk:
Zu ihrem 80. Geburtstag übergab Gabriele Münter
dem Lenbachhaus in München ihre eigenen Werke, sowie
die Kandinskys und anderer Künstler des Blauen Reiter.
Der Blaue Reiter war neben der Dresdner Brücke die
bedeutendste Künstlermanifestation des 20. Jahrhunderts
in Deutschland. Er ging 1911 mit einer spektakulären
Ausstellung in der Münchner Galerie Thannhauser aus
der Neuen Künstlervereinigung München hervor. Zu
den wichtigsten Vertretern dieser Gruppierung zählen
neben Wassily Kandinsky und Franz Marc, August Macke, Gabriele
Münter, sowie Alexej von Jawlensky und Paul Klee. Das
künstlerische Gerüst dieser Vereinigung wurde im
Jahr 1911 in dem von Kandisky und Marc herausgegebenen Almanach „Der
Blaue Reiter“ beschrieben: „Ohne eine stilistische
Festlegung werden die unterschiedlichen Formen der Kreativität
aufgenommen, von den jüngsten Werken der internationalen
Avantgarde bis zu Beispielen der Kunst der Ethnien, der Volkskunst,
den Zeichnungen der Kinder, den Werken von Amateuren usw.
Auch die neue Musik spielt dabei eine zentrale Rolle.“
Kandinsky umreißt das Spektrum künstlerischer
Ausdrucksmöglichkeiten von der „großen Realistik“ bis
zur „großen Abstraktion“. Dementsprechend
finden sich in den Werken des Blauen Reiter recht unterschiedliche
formale Ausdrucksmöglichkeiten. Kandinsky selbst hat
in seiner Münchner Zeit bis 1914 den Weg in die Abstraktion
beschritten. In keiner Sammlung lässt sich dieser Weg
von den Studien der Natur bis hin zum gegenständlichen
Bereich besser nachvollziehen als in der des Lenbachhauses.
Als Gegenpol wirkt dazu Franz Marc, dessen Bilder eine Versöhnung
mit der Natur in der Kreatur suchen. Helmut Friedel: „Marcs
Tierbilder emanzipieren sich um 1910 zu Farbereignissen,
die den Gegenstand der Darstellung übersteigen. Jeder
der anderen Künstler Gabriele Münter, August Macke,
Alexej von Jawlensky und Paul Klee findet seinen eigenen
Ausdruck in der Malerei. Insgesamt überwiegen bei diesen
Künstlern Darstellungen von Landschaften in ihrer expressionistischen
Ausdrucksweise.“
Es erscheint ein Katalog, herausgegeben von Helmut Friedel.
Texte von Annegret Hoberg und Matthias Mühling, Vorworte
von Frieder Burda und Helmut Friedel,
224 Seiten mit Abbildungen.
Text: Museum Frieder Burda, Baden-Baden
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