Landesverein Badische Heimat e.V.

Dossier: Kunstausstellungen im Land und in der Nachbarschaft

Freunde, Wege, Ziele

"Der Blaue Reiter"

Museum Frieder Burda, Baden-Baden
27. Juni bis 8. November 2009

1896 war der Russe Wassily Kandinsky zum Studium der Kunst nach München gekommen, ebenso wie seine Landsleute Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin. 1901 gründete Kandinsky eine kleine private Kunstschule, in der Gabriele Münter seine Schülerin wurde. Kandinsky und Münter wurden bald ein Paar und begaben sich ab 1904 auf ausgedehnte Reisen. Als sie sich 1908 wieder in München niederließen, entdeckten sie Murnau im Alpenvorland und verbrachten hier zusammen mit Jawlensky und Werefkin einen produktiven Sommer, der für alle vier Künstler zu einem Wendepunkt in ihrem Schaffen wurde. Anfang 1909 gründeten die vier Künstlerfreunde in München die „Neue Künstlervereinigung München“ (NKVM), zu deren Mitgliedern unter anderem auch Adolf Erbslöh, Alexander Kanoldt, Erma Bossi und der Tänzer Alexander Sacharoff zählten.

Franz Marc sah die beiden ersten Ausstellungen der NKVM in München und nahm im Herbst 1910 mit der Gruppe Kontakt auf. Marc hatte nach einem Studium an der Münchner Akademie bisher überwiegend auf sich selbst gestellt gearbeitet, häufig in Kochel und Sindelsdorf. Anfang dieses Jahres hatte er durch Zufall den jungen August Macke kennen gelernt, der damals aus dem Rheinland kommend mit seiner Frau Elisabeth für einige Zeit am Tegernsee lebte. Im Januar 1910 sahen Macke, sein Vetter Helmuth Macke und der Sohn des wohlhabenden Sammlers Bernhard Koehler in einer Münchner Kunsthandlung Werke von Marc, die ihnen so gefielen, dass sie den Maler spontan aufsuchten. Nun bezog Franz Marc seinen Freund August Macke, der inzwischen nach Bonn zurück gekehrt war, in die Aktivitäten der NKVM mit ein. Ende 1910 zog der angehende Maler Helmuth Macke aus Krefeld zu Marc nach Sindelsdorf, einige Zeit später folgte ihm sein Studienfreund Heinrich Campendonk.

Kandinsky und Marc wurden ab Anfang 1911 enge Freunde und besuchten sich häufig in München, Murnau und Sindelsdorf. Im Laufe des Jahres planten sie die Herausgabe eines Almanach, von Künstlern gemacht und reich bebildert, für den Kandinsky den Namen „Der Blaue Reiter“ fand. Ihre progressiven künstlerischen Ideen brachten sie zunehmend in Konflikt mit den gemäßigten Mitgliedern der NKVM. Im Dezember 1911 kam es vor der 3. Ausstellung zum Bruch: Kandinsky, Münter, Marc und der brieflich verständigte Alfred Kubin traten aus der NKVM aus und organisierten eine Art Gegenausstellung. Dies wurde die berühmt gewordene erste „Blaue Reiter“ - Ausstellung in der Galerie Thannhauser in München, zu der sie weitere Künstler wie August Macke, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay und Arnold Schönberg hinzu zogen. Finanziell unterstützt wurde dieses Projekt, wie andere Unternehmungen des „Blauen Reiter“, durch den Fabrikanten Bernhard Koehler, Onkel von Elisabeth Macke und Mäzen von August Macke und Franz Marc. Weitere Aktivitäten wie eine zweite Ausstellung zur Graphik, Tourneen, Ausstellungsbeteiligungen und die Herausgabe des Almanach Der Blaue Reiter im Mai 1912 als wichtigste Programmschrift folgten.

Verbindendes Moment der Künstlerfreunde war der Glaube an eine „Synthese“ der Form, das heißt eine vom realistischen Abbild abstrahierte Essenz, und vor allem an den Vorrang der inneren Vision, die jeder mit seinen eigenen Mitteln zum Ausdruck zu bringen suchte.

Bild: Freunde des „Blauen Reiters“ und des „Modernen Bunds“ Zürich auf dem Balkon der Ainmillerstraße 36; von links: Wassily Kandinsky, Cuno Amiet, August Macke, Helmut Macke, Frau Amiet, Heinrich Campendonk, Louis Moillet, München, Sommer 1912.© Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, München

Text: Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Bild oben: Bruchsal, Schlossgebäude
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